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„Die meisten Bürger finden es nicht mehr akzeptabel“

Die französische Regierung will die Jagd auf Turteltauben und Brachvögel erlauben. Was sagt die Wissenschaft dazu? Interview mit Patrick Duncan, der die zuständige Expertenkommission leitet

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31.07.2019
8 Minuten
Künstlerische Darstellung eines Brachvogels.

Update 4. September: Inzwischen hat die Regierung Beschlüsse gefasst: Demnach dürfen statt der geplanten 30.000 Turteltauben 18.000 abgeschossen werden. Die Expertenkommission hatte empfohlen, gar keine Abschüsse zuzulassen. Nach einer Intervention der französischen BirdLife-Organisation wurde der Abschuss von Brachvögeln bis auf Weiteres ausgesetzt. Für Uferschnepfen gilt ein einjähriges Moratorium.

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Die französische Regierung möchte die Jagd auf geschützte Vogelarten erlauben. Dagegen laufen Naturschützer Sturm, auch der deutsche NABU.1 Doch was sagt die Wissenschaft dazu? Wir haben Patrick Duncan befragt. Er ist Vorsitzender des Komitees des französischen Umweltministeriums, das wissenschaftliche Empfehlungen für das Management gefährdeter Arten ausspricht.

Duncan war Präsident der Französischen Stiftung zur Erforschung der Biologischen Vielfalt. In seiner Berufslaufbahn als Biologe hat er eine Forschungsstation in der Camargue geleitet und als Forschungsdirektor am für Biologie zuständigen nationalen Forschungszentrum gearbeitet. Als Berater der französischen Regierung hat er daran mitgewirkt, das Biodiversitäts-Monitoring in Frankreich zu verbessern und den Weltbiodiversitätsrat IPBES ins Leben zu rufen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt die Ökologie von Pflanzenfressern.

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Herr Duncan, was genau plant die französische Regierung?

Duncan: Die französische Regierung, genauer das Ministère de la Transition écologique et sociale, hat vorgeschlagen, dass in der nächsten Jagdsaison 30.000 Turteltauben und 6000 Brachvögel getötet werden dürfen. Sie schlägt auch vor, dass das Moratorium für die Jagd auf Uferschnepfen fortgesetzt wird, aber nur für ein Jahr. Die endgültigen Entscheidungen sollen in den kommenden Tagen getroffen werden.2

Eine Turteltaube steht auf einem Ast.
Die Bestände der Turteltaube sind in ganz Europa stark geschrumpft.
Eine Uferschnepfe steht auf überfluteter Wiese.
Bei der Uferschnepfe will die französische Regierung das Jagdmoratorium nur für ein Jahr verlängern. Einen Abschuss einer kleinen Zahl von Vögeln im Herbst hält die Expertenkommission für vertretbar.

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Patrick Duncan steht in hohem, trockenem Gras. Im Hintergrund sind drei Zebras.
Patrick Duncan bei Forschungsarbeiten in Simbabwe.

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

  1. NABU-Webseite zum Thema Vogeljagd in Frankreich
  2. Vorläufiger Beschluss der französischen Regierung zur Jagd auf Turteltauben, Brachvögel und Uferschnepfen
  3. Beschreibung der Mission der Kommission CEGA und Liste der Mitglieder
  4. Empfehlung von CEGA zur Jagd auf Turteltauben, Brachvögel und Uferschnepfen
  5. Kritische Berichte über die geplante Jagderlaubnis aus „Libération“ und „Sciences et Avenir“.
  6. Mitteilung der EU-Kommission an die Regierungen von Frankreich und Spanien und Bericht des Guardian
  7. Ortolan-Studie: Unravelling migration connectivity reveals unsustainable hunting of the declining ortolan bunting. Science Advances, Mai 2019
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Christian Schwägerl

Christian Schwägerl

Christian Schwägerl ist Journalist in den Bereichen Umwelt, Wissenschaft und Politik. Er war als Korrespondent für die Berliner Zeitung (1997–2001), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (2001–2008) und den SPIEGEL (2008–2012) tätig und arbeitet seit 2013 freiberuflich für Medien wie GEO, FAZ und Yale E360. Von ihm stammen die Bücher „Menschenzeit“ über das Anthropozän, „11 drohende Kriege“ über globale Konfliktrisiken (mit A. Rinke) und „Analoge Revolution“ über die Zukunft digitaler Technologien. Seit 2014 leitet er die von der Robert Bosch Stiftung geförderte „Masterclass Wissenschaftsjournalismus“. Schwägerl hat einen Master-of-Science-Abschluss in Biologie. Er ist Mitgründer und Vorstand von RiffReporter. Für seine journalistische Arbeit hat er zahlreiche Preise erhalten, darunter den Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus (2007) und den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus (2020, mit J. Budde).


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