Der Alpensegler: Mit Hochgeschwindigkeit ins Brutgebiet

Ornithologen haben die Flugbewegungen der Alpensegler rund ums Jahr beobachtet und sind auf rätselhafte Verhaltensweisen gestossen

Von Markus Hofmann

Daniele Occhiato, Schweizerische Vogelwarte Ein Alpensegler fliegt mit ausgestreckten Flügeln im Himmel. Dabei zeigt er seinen weissen Bauch und die helle Kehle.

Sie fliegen rasend schnell. Doch dass die Alpensegler so rasch unterwegs sind, hat selbst Christoph Meier, Forscher an der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, überrascht. „Oft beobachten wir bei Zugvögeln, dass sie sich auf ihrer Reise irgendwo für eine Weile niederlassen, um für den Weiterflug neue Energiereserven anzufressen“, sagt Meier: „Doch Alpensegler aus der Südtürkei benötigen für den Flug in ihr Überwinterungsgebiet im Südsudan weniger als 58 Stunden. Und dabei fliegen sie einen Umweg über die Arabische Halbinsel. Pro Tag legen sie im Schnitt 840 Kilometer zurück.“ Meier geht daher davon aus, dass die Alpensegler ohne Zwischenstation in ihr Winterquartier fliegen. 

Zwar gibt es Zugvögel, die viel weitere Distanzen ohne Zwischenlandung zurücklegen wie etwa die Pfuhlschnepfe. Doch von allen bisher untersuchten Langstreckenziehern weisen die Alpensegler mit knapp einer Woche im Schnitt die kürzeste Zugperiode pro Saison auf.

Alpensegler sind verlässliche Datenlieferanten

Christoph Meier hat dies zusammen mit Kollegen aus Spanien, Bulgarien, der Türkei und den Niederlanden herausgefunden. Das „Journal of Avian Biology“ hat ihre Studie über die Zugwege der Alpensegler veröffentlicht. Die Wissenschaftler rüsteten in den vergangenen Jahren Alpensegler mit Geolokatoren aus. Diese kleinen Geräte sind weniger als ein Gramm schwer und zeichnen die Intensität des Sonnenlichts sowie die Uhrzeit auf. Mit einer Art Rucksack werden die Geolokatoren den Alpenseglern auf den Rücken geschnallt. Aus den Licht- und Zeitdaten lässt sich die Reiseroute der Zugvögel rekonstruieren.

552 Vögel haben die Forscher mit Geolokatoren ausgestattet. Um die Daten auslesen zu können, müssen die Tiere später wieder eingefangen werden. Am Ende der dreijährigen Untersuchungsperiode ist dies bei 215 Alpenseglern gelungen, die aus spanischen, schweizerischen, bulgarischen und türkischen Kolonien stammten. „Das ist eine sehr hohe Erfolgsrate“, sagt Meier: „Normalerweise müssen wir uns mit viel weniger begnügen. Die Alpensegler sind Koloniebrüter und sehr standorttreu, was das Wiedereinsammeln der Geolokatoren erleichtert.“

Ein Alpensegler wird mit einem Geolokator ausgerüstet. Dieser wird dem Vogel mit einer Art Rucksack auf den Rücken geschnallt.
Ein Alpensegler wird mit einem Geolokator ausgerüstet. Dieser misst Lichtintensität und Zeit, was Rückschlüsse auf den Aufenthaltsort des Alpenseglers erlaubt.
Archiv Schweizerische Vogelwarte

Zugute kommt den Ornithologen auch, dass der Alpensegler (Tachymarptis melba) ziemlich weit verbreitet ist. Seine Kolonien bildet er von Nordafrika über das südliche Mitteleuropa bis Indien und Sri Lanka. Zudem kommt er auch südlich der Sahara und auf Madagaskar vor.

In Deutschland ist er allerdings nicht sehr häufig zu sehen. Seit den 1950er Jahren, als er zum ersten Mal kartiert wurde, kommt lediglich die Bevölkerung Süddeutschlands regelmässig in den Genuss seines falkenähnlichen Fluges. In Karlsruhe (Baden-Württemberg) liegen die nördlichsten Brutplätze des Alpenseglers. Der Bestand in Deutschland wird auf 300 bis 350 Brutpaare geschätzt, in der Schweiz, wo sein Anblick keine Seltenheit ist, auf 1800 bis 2300 Brutpaare.

Vorliebe für Sehenswürdigkeiten

Wie der viel häufiger anzutreffende und daher bekanntere Mauersegler hat der Alpensegler seinen ursprünglichen Lebensraum zu grossen Teilen an den Menschen angepasst. Hat er früher vor allem dort gebrütet, wo es steile Felswände gibt, ist er heute sehr oft in den Siedlungen anzutreffen. Kirchtürme oder andere hohe Gebäude bilden sein Ersatz-Gebirge.

Alleine in der Stadt Zürich nisten Alpensegler an rund 100 Standorten. Eine besondere Vorliebe scheinen sie für Sehenswürdigkeiten zu haben: In Zürich besiedeln sie das Wahrzeichen der Stadt: das Grossmünster.

Blick auf die Altstadt von Zürich mit dem Grossmünster. Dort nisten Alpensegler. Hohe Gebäude sind für sie Ersatzfelsen.
Im Hintergrund der ursprüngliche Lebensraum, die Alpen, im Vordergrund der neue Lebensraum, die Stadt. Alpensegler besiedeln gerne hohe Gebäude wie das Grossmünster in der Stadt Zürich.
Markus Hofmann
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