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Was bringt Sie aus dem Takt, Herr Wild?

Der Meditationslehrer und Buchautor Peter Wild im TAKTVOLL-Fragebogen über Rhythmus und innere Ruhe

von
13.05.2020
3 Minuten
Ein einsames kleines Ruderboot auf ruhiger See, darüber fliegende Seevögel.

Wenn die Welt wegen äußerer Katastrophen wankt, tritt das, was und vor allem wer wirklich zählt im Leben, deutlicher hervor. Rhythmen und Rituale können Stützpfeiler in Krisenzeiten sein. Manchem, der bewusst in Rhythmen lebt, gelingt es, in der Ruhe zu bleiben, auch wenn im Außen vieles nicht mehr so ist wie zuvor.

Peter Wild, Jahrgang 1946, war als katholischer Priester im Benediktiner-Kloster Einsiedeln und als Gymnasiallehrer tätig. Heute lebt er zusammen mit seiner Frau in Wangen an der Aare (Schweiz). Wild gibt Heil- und Meditationsseminare und schreibt. In einem seiner Bücher „Von der Wachheit des Wartens“ geht es um den Dichter und Mystiker Robert Lax. Über Lax habe ich hier bei TAKTVOLL auch schon geschrieben: "Rhythmus und Kreativität bei Robert Lax".

Peter Wild beschreibt Lax in seinem Buch als einen faszinierenden Menschen, einen Künstler, einen Friedensstifter, als einen, der immer besser verstehen will, was wirklich ist, als unermüdlich Lernenden. Das Lernen sei ein innerer Prozess, der am Menschen und mit ihm geschehe und den er selbst nur teilweise beeinflussen könne, schreibt Peter Wild.

„Wichtig ist, dass wir Menschen, aus Angst oder Unwissenheit, diesen Prozess nicht blockieren. Deshalb lädt Lax immer wieder ein, den Fluss der Ereignisse wahrzunehmen, sich auf diesen Fluss einzulassen.“ (Peter Wild in „Von der Wachheit des Wartens“)

Im Taktvoll-Fragebogen gibt Peter Wild (kurze) Antworten darauf, was ihm hilft, mit innerer Ruhe im Fluss der Ereignisse zu leben.

  1. Lerche oder Eule?

Meistens Lerche, außer wenn wir, meine Frau und ich, ganz spät ins Bett kommen.

2. Was gehört für Sie unbedingt zu einem guten Start in den Tag?

Ein großes Frühstück mit vielen Früchten, Joghurt und Tee, eine kurze oder eine längere Stille im Sinne der Meditation, ein kurzer Text aus der Bibel oder über die Bibel.

3. Pflegen Sie eine spirituelle Praxis?

Ja klar! Dazu gehören drei Elemente: Meditation (meistens in der Form der Kontemplation), Körperarbeit im Stil des Hatha-Yoga, Sendung von Heilenergie an Personen, die sich mit Sorgen und Krankheiten an mich gewandt haben.

4. Wie bereiten Sie sich auf ein besonderes Ereignis vor (ein wichtiges Gespräch, einen Vortrag)?

Entspannung und dann die Aktivierung des Herz-Chakras. Das Herzzentrum hat, nach den Vorstellungen verschiedener spiritueller Traditionen, die Fähigkeit, Vitalität/Lebensenergie/Liebe in eine heilende Energie umzuwandeln und der eigenen Person, aber auch anderen Menschen zukommen zu lassen; bei diesen Übungen spielt körperlich der Herzraum, die Mitte des Brustraums, eine Rolle, aber auch die energetische Wahrnehmung, dass und wie die Heilenergie zu Stande kommt. Bei mir ist dieser Prozess stark mit dem Meditieren selber verbunden.

5. Was bringt Sie aus dem Takt?

Fast nichts!

6. Welche Jahreszeit mögen Sie besonders? Warum?

Alle vier sind reizvoll.

7. Schreiben Sie Tagebuch?

Tagebücher gibt es bei mir, wenn ich ein Buch schreibe, also im Sinne von “ein Buch zum Buch”: Was fällt mir alles ein zu den Themen und Stichworten des entstehenden Buches? Was möchte vielleicht auch noch ins Buch? Was darf ich nicht vergessen?

8. Welche Rituale Ihrer Kindheit praktizieren Sie heute noch?

An Weihnachten den Baum schmücken! Drohende Traurigkeiten prophylaktisch mit Crèmeschnitten auffangen.

Peter Wild, Jahrgang 1946, steht in einem Kreuzgang.
Der Meditationslehrer und Buchautor Peter Wild lebt in der Schweiz.

9. Tanzen Sie?

Klar! Meine Frau ist Psychomotoriktherapeutin, Tanztherapeutin und Lehrerin für orientalischen Tanz. Wir tanzen gerne Standard-Tänze und frei.

10. Sie kommen nach einem anstrengenden Tag nach Hause, welche Musik hören Sie?

Keine. Ich ziehe die Literatur vor.

11. Ein freier Tag liegt vor Ihnen, was machen Sie am liebsten?

Wandern.

12. Singen Sie unter der Dusche?

Nein!

13. Wie sehen kleine Atempausen in Ihrem Alltag aus?

Mittagsschlaf. Lektüre. Musik. Eigenes Musizieren (Saxophon). Vorbereitung neuer Kochrezepte.

14. Zeitung lesen: Papier oder digital?

Digital.

15. Urlaub: immer das gleiche Ziel oder jedes Mal Neues entdecken?

Beides.

16. Wie wichtig sind Ihnen gemeinsame Mahlzeiten mit der Partnerin/dem Partner, der Familie?

Sehr wichtig. Wir beide sind durch unsere Tätigkeiten öfters mehrere Tage außer Haus. Umso wichtiger sind uns an den anderen Tagen die gemeinsamen Mahlzeiten. Unter 45 – 60 Minuten gibt es bei uns nichts zu essen.

17. Partnerschaft, Ihre Erfahrung: „Gegensätze ziehen sich an“ oder „Gleich und gleich gesellt sich gern"?

Körperlich machen wir beide auf “Gegensätze”, herzmäßig auf “gleich und gleich”.

18. Lesen Sie vor dem Einschlafen? Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

Ich, wir beide lesen eher, bevor wir ins Bett gehen. Neben meinem Bett liegt “Saute de vent” von Inga Âbele.

19. Gibt es eine Zahl, die eine besondere Bedeutung in Ihrem Leben hat?

Nein.

20. Welche Rituale oder Rhythmen sind Ihnen unangenehm?

Wenn ich in die Inszenierung einer narzisstischen Persönlichkeit gerate.

21. Was fällt Ihnen zum Begriff „Taktvoll“ ein?

Respekt, freier Raum, Staunen, Schwingungen.

Bücher von Peter Wild:

Vor deinen Füssen. Der Weg, den du geführt wirst (gemeinsam mit Andrea Küthe Albrecht, 2019) – Mein Yogaweg zur Quelle. Ein Tagebuch (2015) – Sinnesmomente – Sinnmomente. Wie Spiritualität alltäglich wird (2014) – Schritte in die Stille. Die grosse Schule der Meditation (2011) – Von der Wachheit des Wartens. Robert Lax spirituell gelesen (2010)

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Dr. Ulrike Gebhardt

Dr. Ulrike Gebhardt

Ulrike Gebhardt ist Biologin, freie Journalistin und Buchautorin. Sie arbeitet unter anderem für die „Neue Zürcher Zeitung“ und „spektrum.de“. Anfang 2019 erschien ihr Buch „Gesundheit zwischen Fasten und Fülle“.


TAKTVOLL

"Der Wechsel ist eine notwendige Bedingung des Lebens überhaupt." (Henri Bergson, 1859-1941)

Ohne den Wechsel geht es nicht. Das Leben ist entstanden, eingebettet in die großen Wechsel dieser Erde und untrennbar mit ihnen verbunden: mit Tag und Nacht, Sommer und Winter, Ebbe und Flut. Leben ist Wechsel, Leben ist Rhythmus. Wo Rhythmen ignoriert werden oder aus dem Tritt geraten, ist das Leben in Gefahr. In diesem Riffreporter-Projekt geht es um die Rhythmen und Zyklen (in) der Natur, die kleinen und die großen, bei Pflanze, Tier und Mensch.

Alle Texte sind frei verfügbar. Wer das TAKTVOLL-Projekt unterstützen möchte, kann dies einmalig oder regelmäßig mit einem selbstgewählten Kostenbeitrag tun. Die Autorin liebt die journalistische Arbeit, aber sie lebt auch davon.


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