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Einflug der Krammetsvögel

Im Spätherbst kommen in großer Zahl Wacholder- und Rotdrosseln zu uns.

von
14.11.2018
3 Minuten
Die Rotdrossel ist ein fasugroßer Drosselvogel mit Flecken auf der Brust und dem typischen roten Fleck unter der Flügeldecke.

Als auch in Deutschland der Vogelfang noch eifrig betrieben wurde, warteten die Schlingensteller im Spätherbst sehnlichst auf die ersten kalten Tage. Dann traf, zumeist, in großer Schar, aus dem Norden und Osten die begehrte Beute ein: Drosseln, die in den seit langem verbotenen „Dohnenstiegen“ ein klägliches Ende fanden.

Mit bunten Beeren lockten die Fänger sie zwischen kaum sichtbare Roßhaarschlingen, in denen die Vögel sich dann verfingen. Hoch im Kurs standen die Wacholderdrosseln, nicht nur, weil sie am zahlreichsten heranflogen, besonders zu den Wacholderbeeren, sondern auch weil ihr Fleisch als besonders schmackhaft galt.

Wegen einer anderen bevorzugten Nahrung, den roten Früchten der Eberesche, Krammeisbeeren genannt, ist ihr zweiter Name fast der geläufigere: Krammetsvogel. In diesen Monaten sieht man die amselgroßen, in unterschiedlichen Braun- und Grautönen gefiederten Vögel scharenweise durchs Land ziehen. Solange es nicht sehr kalt wird, bleiben sie in Mitteleuropa. Bei anhaltendem Frost und hohem Schnee fliegen sie weiter süd- und westwärts. Dabei kommen sie in Länder, wie etwa Italien, wo sie noch immer oft in den Kochtöpfen landen.

Stimmfühlung im ungeordneten Verband

Dort endet auch manche Rotdrossel, die häufig im Verband der Wacholderdrosseln zu finden ist. Die mit einer Körperlänge von etwa zwanzig Zentimetern kleinste Vertreterin der Drosselfamilie hat neben Dutzenden von anderen Namen ebenfalls eine sehr geläufige Bezeichnung, die auf bevorzugte Winternahrung schließen läßt: Weindrossel, Die Vögel mit der gefleckten Kehle und Brust, mit dem hellen Streifen über den Äugen und den – namengebenden – rostroten Flanken halten sich folglich mehr im Süden als im Norden auf, dort, wo sie im Spätherbst Nachlese in den Weinbergen halten können.

Kein Wunder, dass ihr Fleisch als besonders wohlschmeckend gehandelt wurde, dass sie als „Rotsittige Krammetsvögel“ gerne von den ausgelegten Leimruten der Fänger, an denen sie festgeklebt waren, abgenommen wurden.

Wacholderdrossel, die Beeren frisst.
Im Winter ernähren sich Wacholderdrosseln gerne von Beeren.

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Carl-Albrecht von Treuenfels

Carl-Albrecht von Treuenfels

Carl-Albrecht von Treuenfels, 1938 in Schwerin/Mecklenburg geboren, kann man als Doyen des deutschen Vogeljournalismus bezeichnen. Für die FAZ hat er etwa 500 Beiträge verfasst – darunter Dutzende Porträts des jeweiligen „Vogel des Jahres“. Er war von 1990 bis 2004 Präsident des WWF Deutschland, seit 2008 ist er Vorstandsvorsitzender der von ihm initiierten Stiftung Feuchtgebiete und bemüht sich seit Jahrzehnten, praktische Hilfe für den Natur- und speziell für den Vogelschutz zu leisten. In der Serie „Meine Vogelbeobachtungen“ präsentiert von Treuenfels Artikel aus seinem Lebenswerk mit aktuellen Kommentaren.


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