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COP26 in Bildern: Das Wochenende der Proteste

Die Verhandlungen auf der Weltklimakonferenz in Glasgow gehen in die heiße Phase. Am Wochenende demonstrierten Zehntausende. Momente und Szenen

06.11.2021
4 Minuten
Eine riesige Menschenmenge mit vielen Plakaten für den Klimaschutz

Weltweit sind am Wochenende Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um vor der heißen Phase der Weltklimakonferenz (COP26) von rund 200 Staaten in Glasgow für Maßnahmen zu demonstrieren, mit denen eine für Mensch und Natur gefährliche Erderwärmung gebremst wird und katastrophale Folgen vermieden werden.

In der ersten Woche der Verhandlungen hatten zunächst führende Politikerinnen und Politiker aus aller Welt einen Erfolg der Konferenz beschworen, gefolgt von mehr oder weniger unverbindlichen Bekenntnissen kleinerer Gruppen von Staaten dazu, die Methan-Emissionen zu reduzieren, den Waldschutz zu verbessern und aus der Kohlenutzung auszusteigen. Zuletzt sind die CO2-Emissionen allerdings fast wieder auf das Niveau von vor der Pandemie gestiegen.

Zwei junge Frauen in indigener Tracht mit geballten Fäusten auf einer Bühne.
Vertreterinnen indigener Völker aus Brasilien forderten am Freitag bei einer Protestkundgebung, ihre Interessen und ihre Rolle im Klima- und Naturschutz zu respektieren.

An der größten Demonstration, die in Glasgow selbst stattfand, nahmen auch zahlreiche Mitglieder indigener Gemeinschaften aus aller Welt teil. Ihnen kommt im Klima- und Naturschutz eine zentrale Rolle zu, die aber bisher nicht im Zentrum der internationalen Umweltpolitik steht.

Mit der sogenannten „Klimauhr“ weisen diese Frauen darauf hin, wieviele Jahre noch zur Verfügung stehen, um die Erderwärmung unter der Schwelle von 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu halten und welche großen Naturflächen Indigene schützen. Ab 1,5 Grad rechnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit gravierenden Schäden für Wohlstand und Ernährungssicherheit und mit einer Häufung von Extremwetter, das das normale Leben stark beeinträchtigen wird.

Ein lächelndes Kleinkind neben einem jungen Mann, der ein Protestschild hält. Auf dem Schild steht auf Englisch: Verratet unsere Kinder nicht.
Der Nachwuchs im Fokus: Auf der Großdemonstration in Glasgow am Samstag meldeten sich auch Eltern junger Kinder zu Wort.

Demonstrantinnen und Demonstranten brachten ihre Sorgen zum Ausdruck, was passiert, wenn die Weltklimakonferenz zu keinen ausreichenden Ergebnissen und Taten führt.

Menschenmenge bei der Demonstration, auf einem Schild steht: „Ich will nicht zur nächsten ausgestorbenen Art gehören.“
Zehntausende Menschen versuchten am Samstag, Druck auf die Verhandler bei der COP26 auszuüben.

Die Warnung vor einer selbstverursachten Auslöschung der Menschheit hatte zuvor schon bei der Eröffnung der COP26 die Generalsekretärin der UN-Klimakonferenz, Patricia Espinosa, ausgesprochen.

Demonstranten tragen einen großen Vogel aus Papier
Am Wochenende standen bei der COP26 die sogenannten „naturbasierten Lösungen“ für die Klimakrise im Fokus. Protestierende brachten die Bedeutung der Natur mit einem großen Vogel zum Ausdruck.

Das Wochenende stand in Glasgow auch im Zeichen der „naturbasierten Lösungen“. Denn die Natur ist der beste Speicher für Kohlenstoff – aber ihre Zerstörung droht die Klimakrise zu verschlimmern. Risiken wie Chancen sind riesig. Fortgesetzte Zerstörung von Mooren etwa kann gigantische Mengen Kohlendioxid freisetzen, ihre Renaturierung den gegenteiligen positiven Effekt bewirken. Naturschutz-Lösungen sollen deshalb auch im Ergebnis des Gipfels eine tragende Rolle spielen. Über sie wird parallel auch bei der UN-Biodiversitätskonferenz verhandelt.

Great Thunberg mit geballter Faust auf einer Bühne, sie lächelt.
Gegen das Bla-Bla: Greta Thunberg nimmt in Glasgow an zahlreichen Protesten teil und kritisiert, die COP26-Verhandlungen seien nicht ausreichend.

Greta Thunberg tritt in Glasgow als Kritikerin des UN-Verhandlungsprozesses auf, dem sie vorwirft, eher Teil des Problems als der Lösung zu sein und dem Greenwashing zu dienen, also der Vortäuschung von ökologischem Handeln. Ihre Formel vom „Blah, blah, blah“ ist inzwischen weit verbreitet.

Plakate mit der Aufschrift „bla-bla-bla“ kleben auf einem Schaufenster in Glasgow.
Greta Thunbergs Warnung vor leerem Gerede ohne Folgen ist inzwischen zum Meme geworden.

Mehr Gehör forderten bei der Großdemonstration am Samstag auch Vertreterinnen pazifischer Nationen, die Angst davor haben, dass ihre Länder aufgrund des steigenden Meeresspiegels ganz verschwinden.

Frauen stehen auf einer Bühne, vor ihnen werden Fahnen von Pazifikstaaten geschwenkt.
Auch Vertreterinnen und Vertreter von Pazifikstaaten meldeten sich bei der Großdemonstration am Samstag zu Wort.

Nicht nur in Glasgow nutzten Menschen das Wochenende zum Demonstrieren, sondern auch an anderen Orten, wie in Kapstadt.

Demonstranten am Strand in Südafrika tragen ein Schild mit der Aufschrift „COP26 wir beobachten dich“.
Nachrichten aus der Ferne: Mitglieder der Gruppe „Extinction Rebellion“ demonstrieren an einem Strand in der Nähe von Kapstadt in Südafrika.

In den Konferenzhallen gingen die Gespräche von Menschen aus staatlichen Delegationen, Interessengruppen, Wissenschaft und Medien auch am Wochenende weiter.

Inneres der Konferenzhalle, Menschen sitzen unter einem großen leuchtenden Modell der Erde.
In der Konferenzhalle finden viele wichtige Gespräche informell statt. Delegierte treffen sich zum Kaffee und versuchen, strittige Punkte zu klären.

Ab Montag treten die Verhandlungen in ihre heiße Phase. Gegen Ende von UN-Umweltgipfeln wird oftmals um jede Formulierung hart gerungen.

Delegierte in den ordentlich nach Ländern getrennten Reihen des Plenarsaals.
Ab Montag wird es ernst: Dann gehen die Verhandlungen der Staatenvertreter in die Schlussrunde.

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Zu welchen Ergebnisse der COP26 die Vertreterinnen und Vertreter der 200 Staaten bereit sind und ob es zu einer verbindlichen Einigung darüber kommt, wie das Klimaabkommen von Paris umgesetzt wird, wird sich in den kommenden Tagen entscheiden.

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Christian Schwägerl

Christian Schwägerl

Ich bin Journalist in den Bereichen Umwelt, Wissenschaft und Politik sowie Mitgründer und Vorstand von RiffReporter. In früheren Stationen war ich Korrespondent für die Berliner Zeitung (1997–2001), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (2001–2008) und den SPIEGEL (2008–2012). Von mir stammen die Bücher „Menschenzeit“ über das Anthropozän, „11 drohende Kriege“ über globale Konfliktrisiken (mit A. Rinke) und „Analoge Revolution“ über die Zukunft digitaler Technologien. Seit 2014 leite ich die von der Robert Bosch Stiftung geförderte „Masterclass Wissenschaftsjournalismus“.


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Der Reichtum des Lebens auf der Erde ist in Gefahr. Es geht um die Zukunft unzähliger Tier- und Pflanzenarten und Lebensräume. Das betrifft uns Menschen existenziell. Es geht auch um sauberes Trinkwasser, unsere Nahrung und ein lebensfreundliches Klima. Ein Team von 25 Journalistïnnen von RiffReporter berichtet bei "Countdown Natur" über den Wettlauf gegen die Zeit und über Lösungsansätze. Wissenschaftlerïnnen sagen: Bisher hat der globale Naturschutz fast alle Ziele verfehlt. Kommt nun die Wende zum Besseren?

2021 entscheiden die Staaten der Erde bei zwei UN-Umweltgipfeln darüber, ob und wie sie gemeinsam die weitere Zerstörung der Lebensvielfalt aufhalten wollen. Dazu braucht es vertiefte Recherchen, ausführliche Berichterstattung und eine große Öffentlichkeit. Die Recherchen werden von der Hering-Stiftung Natur und Mensch, dem European Journalism Centre, der Andrea von Braun Stiftung und dem Hofschneider-Preis gefördert. Auch Sie können uns unterstützen!

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