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Australische Brände: Jetzt fehlen den Vögeln Nahrung, Brutstätten, Wasser und Schutz vor Feinden

Interview mit der Ornithologin Leah Tsang vom Australian Museum über die langfristigen Folgen des Infernos und neue Gefahren für die Vogelwelt

29.01.2020
10 Minuten

Leah R. Tsang, Ornithologin am Australian Museum in Sydney vor einer Wand mit verschiedensten Vogelpräparaten in der naturkundlichen Sammlung ihrer Institution.
Leah R. Tsang, Ornithologin am Australian Museum in Sydney.

Die Brände in Australien sind in Europa wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Dabei stehen weiter viele Gebiete in Flammen und die tieferen Folgen für Tier- und Pflanzenwelt kommen erst jetzt zum Vorschein. Wir haben deshalb Dr. Leah Tsang befragt, Leiterin der Abteilung für Ornithologie am Australian Museum, dem ältesten Museum des Landes.

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Frau Tsang, wie besorgt sind Sie als australische Ornithologin über die Auswirkungen der Feuer?

Ich bin sehr besorgt, denn riesige Gebiete sind völlig ausgebrannt, die Landschaft ist teilweise nicht mehr wiederzuerkennen. Ganze Wälder wurden vernichtet, vielerorts ist keinerlei unverbrannte Vegetation übriggeblieben. Es wird Jahrzehnte dauern, bis sich Wälder von diesen Bränden erholen, in alten Eukalyptuswäldern wird es sogar noch länger. Eine aktuelle Schätzung besagt, dass 80 Prozent des Unesco-Welterbegebietes der Blue Mountains westlich von Sydney niedergebrannt sind und die Hälfte des uralten Gondwana-Regenwaldes an der Grenze von New South Wales und Queensland verloren gegangen ist. Als jemand, der sich für unsere einzigartige Vogelwelt begeistert, war ich zutiefst bewegt von Bildern angeschwemmter toter Vögel unterschiedlichster Arten am Strand von Mallacoota im Bundesstaat Victoria…

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…dabei handelte sich um Kadaver, die über Flüsse ins Meer gespült und dann am Strand angeschwemmt worden waren oder um Tiere, die versucht hatten, in Richtung Meer zu fliehen, aber dabei gestorben waren. Können Vögel nicht einfach vor einem Feuer davonfliegen?

Das denken viele Menschen, und auf einige Arten trifft es auch zu. Es gibt jedoch auch viele, die es eben nicht schaffen. Einige, weil sind einfach keine besonders guten Flieger sind, andere, weil sie auch bei Gefahr ihren kleinen Fleck Erde nicht verlassen. Viele Vögel sterben auch an Rauchvergiftung, denn ihre Atemwege sind extrem empfindlich. Und für alle, selbst die guten Flieger, gilt natürlich, dass sie nicht immer schnell genug fliehen können oder durch Rauch und Flammen die Orientierung verlieren. Über sie rollen heftige Feuerfronten einfach hinweg.


„Der kommende Winter wird für viele Vogelarten eine große Herausforderung darstellen.“


Was genau sind die Auswirkungen der Brände auf die Vogelwelt?

Wir haben ungemein viele Individuen verloren, sowohl erwachsene Vögel als auch Jungvögel im Nest, Jährlinge und andere, die noch nicht das Erwachsenenalter erreicht hatten. Wir sprechen also über den Verlust vieler Generationen. Die Vögel, die den Bränden entkommen konnten, stehen vor neuen Herausforderungen. Weil ein so großer Teil der Vegetation verbrannt ist, fehlt es ihnen unter anderem an ausreichenden Nahrungsressourcen.

Mit welchen Folgen?

Karte von Australien in der mit Schwarz bestimmte Gebiete markiert wurden.
Schwarz eingezeichnet sind Gebiete, die nach Angaben der australischen Regierung in den vergangenen zwei Jahren gebrannt haben – Stand 29.1.2020.
Zwei Rabenkakadus sitzen auf einem Ast.
Der Rabenkakadu ist von den Waldbränden bedroht.
Überreste eines abgebrannten Eukalytuswald.
Nach den verheerenden Bränden fehlen australischen Vögeln Nahrungsquellen und Brutstätten – auch in diesem Eukalytuswald.
Aufnahme eines Graurücken-Leierschwanz (Menura novaehollandiae). Er steht auf Waldboden.
Graurücken-Leierschwanz (Menura novaehollandiae)
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Christian Schwägerl

Christian Schwägerl

Christian Schwägerl ist Journalist in den Bereichen Umwelt, Wissenschaft und Politik. Er war als Korrespondent für die Berliner Zeitung (1997–2001), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (2001–2008) und den SPIEGEL (2008–2012) tätig und arbeitet seit 2013 freiberuflich für Medien wie GEO, FAZ und Yale E360. Von ihm stammen die Bücher „Menschenzeit“ über das Anthropozän, „11 drohende Kriege“ über globale Konfliktrisiken (mit A. Rinke) und „Analoge Revolution“ über die Zukunft digitaler Technologien. Seit 2014 leitet er die von der Robert Bosch Stiftung geförderte „Masterclass Wissenschaftsjournalismus“. Schwägerl hat einen Master-of-Science-Abschluss in Biologie. Er ist Mitgründer und Vorstand von RiffReporter. Für seine journalistische Arbeit hat er zahlreiche Preise erhalten, darunter den Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus (2007) und den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus (2020, mit J. Budde).


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