Ohren auf beim Beobachten: Wie Vögel ein klingendes Habitat schaffen

Vögel singen und rufen. Das ist bekannt. Doch sie machen auch noch ganz andere Geräusche. Genau hinzuhören, eröffnet uns nicht nur neue Klangwelten, sondern ist sogar gesund.

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Die Klangforscherin Patricia Jäggi richtet ihr Mikrophon auf über ihr fliegende Küstenseeschwalben.

Im Herbst ist das Vogelkonzert nicht so vielstimmig wie im Frühling. Dennoch höre ich auf einem kurzen Spaziergang durch den Zürcher Stadtwald Rotkehlchen, Zaunkönig, Hausrotschwanz, Blau- und Kohlmeisen, einen Kleiber, Bund- und Grünspecht sowie einige Rabenkrähen. Habe ich eine Vogelart an ihrer Stimme erkannt, konzentriere ich mich auf den nächsten Gesang oder Ruf.

Für etliche Hobbyornithologen sei dieses Verhalten ziemlich typisch, meint die Kulturanthropologin und Klangforscherin Patricia Jäggi. „Birders“ hörten gerne selektiv, sie richteten ihr Gehör auf eine Art nach der anderen und hakten dabei eine Vogelliste ab.

Kulturell geprägt auf Singvögel

Patricia Jäggi untersucht die Beziehung zwischen Menschen und ihrer klingenden Umwelt zusammen mit weiteren Forschenden an der Hochschule Luzern. Dabei konzentrieren sie sich auf die Lautäusserungen der Vögel. In Anlehnung an „Soundscapes“, was so viel wie „Klanglandschaften“ bedeutet, spricht Jäggi im Fall ihrer Forschungsobjekte von „Birdscapes“: „Uns interessiert, wie wir Menschen die Vögel wahrnehmen und wie diese Wahrnehmung kulturell geprägt ist.“

Denn dass ich auf dem Waldspaziergang vor allem Singvögel wahrgenommen habe, ist möglicherweise nicht nur dem Zufall geschuldet. Viele Wissenschaftler und Künstler hätten ihren Fokus lange Zeit auf die Singvögel gelegt und somit unsere Wahrnehmung der Umwelt mitgeprägt, sagt Patricia Jäggi.

Eine Nachtigall singt mit weit geöffnetem Schnabel.
Eine Meisterin unter den Singvögeln: Gerade in der romantischen Dichtung war die Nachtigall sehr beliebt.
Eine männliche Amsel am Boden mit leicht geöffnetem Schnabel.
Den Gesang der Amsel möchten viele auch auf einer einsamen Insel nicht missen.

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