Nonstop über den Pazifik: Neuseeländer begrüßen Zugvögel mit Glockenläuten

Wissenschaftler stufen Wanderung der Pfuhlschnepfen über den Pazifik als „eines der größten Rätsel der Biologie“ ein. Niedriger Energieverbrauch und präzise Navigation „noch nicht erklärt.“ Gefahr durch Klimawandel und Zerstörung des Lebensraums

9 Minuten
Drei Pfuhlschnepfen fliegen in Formation über dem Wasser.

Am Sonntag läuten in der neuseeländischen Ortschaft Nelson die Glocken der Kathedrale aus einem besonderen Grund: Die Menschen in der 53.000-Einwohner-Stadt am nördlichen Rand der Südinsel wollen damit Besucher begrüßen, die jeweils zwischen September und Oktober zu ihnen kommen und bis etwa März oder April bleiben.

Der Glockenklang gilt aber nicht den vielen Touristen, die von Nelson aus in den nahegelegenen Abel-Tasman-Nationalpark aufbrechen, sondern besonderen Vögeln, die einen mehr als 10.000 Kilometer langen Non-Stop-Flug hinter sich gebracht haben, um hier zu landen.

„Wir begrüßen die Pfuhlschnepfen bei uns schon seit 2013 mit Glockenläuten”, sagt Paul Griffiths, der in Nelson die Vogelschutzorganisation Birds New Zealand leitet. Ihren Anfang nahm das Ritual bereits 2005 in Christchurch an der Ostküste, doch die dortige Kathedrale wurde 2011 bei einem Erdbeben schwer beschädigt.

Ornithologen und Naturfreunde in Nelson sprangen ein und sorgen seither dafür, dass die Ankunft der Langstrecken-Zugvögel mit einem menschlichen Willkommensgruß einhergeht.

Schier unglaubliche Flugleistungen

Pfuhlschnepfen (Limosa lapponica), die vom Pazifik her Neuseeland ansteuern, landen in verschiedenen Regionen Neuseelands entlang der Küsten, wo sie nach meist neun bis zehn Tagen Flug ohne Nahrung und wahrscheinlich auch ohne Schlaf wieder etwas zu sich nehmen und sich ausruhen können. Die Pukorokoro-Miranda-Bucht nahe Auckland zählt ebenso dazu wie die Avon-Heathcote-Flussmündung bei Christchurch – und das Waimea Inlet bei Nelson.

Sobald Ornithologen im September, also im neuseeländischen Frühling, die ersten Pfuhlschnepfen sichten, rufen sie den Pfarrer an, der einen Freilichtgottesdienst samt Glockenläuten organisiert. „In diesem Jahr mussten wir das Ganze wegen der Trauerperiode für Königin Elisabeth II. etwas verschieben, da in dieser Zeit keine Glocken läuten durften”, sagt Griffiths, „die Tiere sind schon eine Weile da.”

Bild der Stadt im Sonnenlicht von Hügel aus gesehen mit Blick über die Meeresbucht.
Nelson auf der neuseeländischen Südinsel, im Hintergrund der Abel-Tasman-Nationalpark.

Zugvogel-Rituale gibt es weltweit, auch die auch die Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer Mitte Oktober gehören dazu. Dass die Ankunft der Zugvögel in Neuseeland aber derart feierlich begangen wird, liegt an den schier unglaublichen Flugleistungen und dem besonderen Lebensstil der Pfuhlschnepfen.

Es ist nicht wirklich wie ein Marathon, sondern eher wie ein Flug zum Mond.

Christopher Guglielmo, Tierphysiologe
Landkarte, die Flugbewegung zwischen Alaska, Neuseeland und Gelbem Meer zeigt.
Die Gesamtstrecke der jährlichen Wandung beträgt rund 30.000 Kilometer.

Je mehr ich über Pfuhlschnepfen lerne, desto erstaunlicher finde ich sie.

Theunis Piersma, Ornithologe
Die Pfuhlschnepfe macht mit ihren hohen Beinen und ihrem sehr langen Schnabel einen eleganten Eindruck. Der Vogel steht im Wasser,
Pfuhlschnepfe im Wattenmeer an der Nordsee

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Christian Schwägerl


Pommersche Straße 11
10707 Berlin
Deutschland

www: https://christianschwaegerl.com

E-Mail: christianschwaegerl@gmail.com

Tel: +49 421 24359394

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Redaktion: Thomas Krumenacker