Mosambiks "unsichtbare" Kinder

Leben und Lernen mit Behinderung

Leonie March

80 Prozent der Menschen mit Behinderungen leben in Entwicklungsländern wie Mosambik. Auch darauf macht der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung am 3.12. aufmerksam. Sie werden oft diskriminiert und leben isoliert. Eltern verstecken Kinder mit geistigen oder körperlichen Behinderungen oft regelrecht. Daher ist in Studien auch von "unsichtbaren" Kindern die Rede. Viele gehen nicht zur Schule, auch weil diese nicht auf Kinder mit Behinderungen eingestellt sind. Was schon kleine Maßnahmen ändern können, zeigt ein Projekt für inklusive Bildung in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo.

Ein Beitrag von Leonie March aus dem Online-​Magazin Afrika-​Reporter.

Der Schulweg ist ein Kraftakt: Maria Moinhe schiebt den Rollstuhl ihres Sohnes durch tiefen Sand und über lose Steine, hebt ihn über Bordsteinkanten. Andere Hürden, sagt die 53-Jährige, seien jedoch noch schwieriger zu überwinden gewesen. Als ihr Sohn Mario sieben war, habe sie ihn zum ersten Mal zur Schule gebracht. „Doch wir wurden abgewiesen – wegen seiner Behinderung.“ Das ist kein Einzelfall, laut Handicap International haben 32 Millionen Kinder weltweit keinen Zugang zu Bildung. Mit dem Projekt #school4all will die gemeinnützige Organisation das ändern, auch in Marios Heimat Mosambik.

Mario mit seiner Mutter
Leonie March

Mario hat Glück, dass er nicht weit von einer der zwölf Pilotschulen für inklusive Bildung wohnt. Auch wenn schon der kurze Weg beschwerlich ist. „Der Unterricht macht Spaß“, sagt Mario. Mathe sei sein Lieblingsfach. Auch seine Mutter ist glücklich, dass ihr Sohn nun endlich die Schule besucht. Das sei immer Marios Wunsch gewesen. Zuhause habe er sich nur gelangweilt. „Er ist ein sehr intelligenter Junge“, fügt sie liebevoll hinzu, als sie ihn am Schultor verabschiedet.

Gesetze werden nicht umgesetzt

Mario ist 16 Jahre alt, aber erst in der zweiten Klasse. „Obwohl alle Kinder in Mosambik laut Gesetz eigentlich ein Recht auf Bildung haben“, betont Antonio Nhantumbo von der Organisation für Menschen mit Behinderungen in Mosambik, ADEMO, die angesichts der vielen Landminenopfer noch während des Bürgerkrieges (1977-1992) gegründet wurde.

Antonio Nhantumbo
Leonie March

Wie so oft, sagt Nhantumbo, hapere es an der Umsetzung der Gesetze. So habe Mosambik etwa die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben, aber diese Rechte stünden nur auf dem Papier. Jedes öffentliche Gebäude sollte auch über eine Rampe erreichbar sein, aber solche Rampen sind selbst in der Hauptstadt Maputo eine Rarität, von den ländlichen Provinzen ganz zu schweigen.

„Unsichtbare Kinder“

Schätzungen zufolge haben 14 Prozent der Kinder im Alter von 2-9 Jahren eine Behinderung. Aber die Dunkelziffer sei noch höher, meint Nhantumbo. „Viele Familien verstecken Angehörige mit Behinderungen, weil sie sich schämen, wegen gesellschaftlicher Stigmata und Tabus.“ In Studien ist deshalb auch von „unsichtbaren Kindern“ die Rede. Ein Kind, das nicht der Norm entspreche, gelte in seiner Heimat als Bestrafung, als Fluch, erzählt Nhantumbo, der selbst mit einem verkürzten Bein geboren wurde und an Krücken geht. „Kinder mit Behinderungen werden nicht als gleichwertige Menschen wahrgenommen, diskriminiert und teilweise auch misshandelt. Sie werden nur als Last erachtet.“

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