„Rettet Euer Leben!“

In Kenia sterben Ärzt*innen und medizinische Helfer*innen an Covid-19

In Kenia riskieren viele Ärzt*innen und Pfleger*innen in staatlichen Krankenhäusern ihr Leben, wenn sie Covid-19-Patient*innen behandeln.

UNMEER/Martine Perret Zu sehen ist ein dunkelhäutiger Mensch mit Schutzbrille, Schutzanzug, Handschuhen und Kopfbedeckung

In Kenia riskieren viele Ärzt*innen und Pfleger*innen in staatlichen Krankenhäusern ihr Leben, wenn sie Covid-19-Patientinnen behandeln: Es gibt zu wenig Schutzanzüge, die meisten haben selbst keine Krankenversicherung,  und die Gehälter bleiben oft über Monate aus. 


In Kenia sind nach Angaben der Gewerkschaft der medizinischen Angestellten KMPDU schon mindestens 14 Ärzt*innen und 26 Pflegekräfte an Covid-19 gestorben. In vielen staatlichen Krankenhäusern müssen die medizinischen Angestellten ohne persönliche Schutzkleidung (PPE) arbeiten, vor allem Schutzanzüge fehlen. Sie haben keine Krankenversicherung und etliche schon seit Monaten ihr Gehalt nicht mehr bekommen. Die KMPDU und die Gewerkschaft der Krankenpfleger*innen haben deshalb zum Streik aufgerufen: an den staatlichen Krankenhäusern haben viele Pfleger*innen die Arbeit schon Anfang Dezember niedergelegt, ab dem 21. Dezember auch die Ärzt*innen. Am 1. Weihnachtstag unterzeichnet die KMPDU eine Einigung mit dem kenianischen Gesundheitsminister Mutahi Kagwe, deren Details zunächst unklar blieben. Laut der kenianischen Tageszeitung "Nation" hatte ein Eingreifen von Präsident Uhuru Kenyatta zur Einigung geführt. Seit acht Monaten fordern Ärzte und andere medizinische Angestellte eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, die sich durch die Corona-Pandemie weiter verschlechtert haben. Dass viele Mediziner*innen in den vergangenen Wochen an Covid-19 starben, hat die Empörung noch geschürt.

Geld sammeln für die medizinische Behandlung

Anfang Dezember rang der kenianische Arzt Stephen Mogusu auf einer Intensivstation um Atem und um sein Leben. Der 28-Jährige hatte sich bei der Behandlung von Covid-19-Patient*innen mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert, seit drei Wochen verschlechterte sich sein Zustand. Wie sein Vater Naftal Mogusu später kenianischen Medien berichtete, zog er am 7. Dezember durch ihr Heimatdorf Iranda im Südwesten Kenias und bat Nachbarn um Geld für die Behandlung seines Sohnes. Die Familie sollte 200.000 kenianische Shilling (umgerechnet knapp 1500 Euro) anzahlen, damit der erkrankte Mediziner an ein Beatmungsgerät angeschlossen würde.

Der 28-Jährige hatte nach Angaben der Gewerkschaft KMPDU seit fünf Monaten sein Gehalt nicht mehr bekommen und der staatliche Arbeitgeber ihn nicht krankenversichert. Währenddessen schrieb der Patient eine WhatsApp-Nachricht an seine Kolleg*innen, die kenianische Medien später veröffentlichten.

„Meine lieben Kolleg*innen“, tippte der Vater eines vier Monate alten Sohnes in sein Mobiltelefon, „lasst mich diese Gelegenheit nutzen um Euch zu raten, dafür zu sorgen, dass Ihr Euer Gehalt bekommt oder diesen Beruf aufzugeben, solange Ihr noch gesund seid und das noch könnt.“ Er deutet an, wie qualvoll das Ringen um Atem sei  und rät zum Schluss seiner Nachricht: „Unter normalen Umständen würde ich Euch noch viel mehr schreiben, aber heute will ich Euch nur noch sagen: Rettet Eure unglücklichen Leben aus diesen Institutionen! Als Überlebende könnt ihr anderswo Geld verdienen. ... Ich bin zu schwach, um noch mehr zu schreiben. Rettet Euch selbst!“

Wenige Stunden später war Mogusu tot. Das Geld für die Behandlung kam zu spät.


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