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Der Amazonas ist in Wahrheit ein Kulturwald

Die Indigenen Südamerikas sehen sich als Hüter des Waldes. Ihnen gelang, woran die meisten anderen scheiterten – die natürliche Vielfalt zu mehren. Können wir von ihnen lernen?

14.12.2020
18 Minuten
Gegenlichtaufnahme eines Indigenen mit einem geschnitzten Zeremonialstab.

Fast scheint es ein Naturgesetz zu sein, dass aus blühender Vielfalt eine krisenanfällige Monokultur wird, sobald der Mensch auf den Plan tritt. Die Vorfahren der Maori beispielsweise rotteten Neuseelands große Beutetiere aus, kaum dass sie auf den Inseln angelangt waren. Das antike Rom verschlang derart viel Baumaterial, dass der Umkreis bald abgeholzt war. Und heute sind Schlagzeilen vom Niedergang der Biodiversität Alltag. Etwa eine Million Tier- und Pflanzenarten könnten in diesem Jahrhundert vom Aussterben bedroht sein, warnt der UN-Biodiversitätsrat.

Es ist wie ein Strudel: Innerhalb der letzten 40 Jahre hat der Planet die Hälfte seiner natürlichen Ökosysteme verloren, und gleichzeitig verdoppelte sich der Verbrauch an natürlichen Ressourcen. Geschätzt ein Achtel der Tier- und Pflanzenarten unserer Erde könnte in den nächsten paar Jahrzehnten verschwinden.

Doch es ist kein Naturgesetz, dass wir Menschen den Reichtum der Natur zerstören. Indigene Kulturen zeigen, dass es auch anders geht. Die Bewohner des Amazonasregenwalds – etwa die Canela, die Wayana oder die Sateré-Mawé – machen das vor.

Biodiversität von Menschenhand

Dass am Mythos von der vermeintlich unausweichlichen Zerstörungswirkung des Homo sapiens etwas nicht stimmen kann, zeigte sich bei archäologischen Studien aus dem Amazonasbecken. Die atemberaubende Vielfalt, die wir heute dort vorfinden, so erkannten die Ausgräber, ist auch ein Werk aus Menschenhand.

Wenn wir uns heute Amazonien als den Ort unberührter Natur vorstellen, so entspricht das kaum der Realität. Das Amazonasgebiet bedeckt weite Teile des südamerikanischen Kontinents. Es ist das Synonym für Diversität schlechthin – nicht allein in biologischer Hinsicht, auch die indigenen Völker haben dort ihre kulturellen Besonderheiten zu wahren gewusst. Hier findet man mit die größte Sprachenvielfalt der Erde.

Lange vor der Kolonisierung durch die Europäer haben sich im Amazonasbecken sehr diverse und komplexe Kulturen entwickelt und eng an ihre Umgebung angepasst. Experten schätzen, dass ein beträchtlicher Teil der Regenwälder, zehn bis zwölf Prozent, auf die sorgfältige Bewirtschaftung durch die indigene Bevölkerung zurückzuführen ist. Der Urwald ist in Wahrheit auch Kulturwald.

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Urwald, der bei genauerem Hinsehen ein Garten ist mit den verschiedensten Pflanzen und Obstbäumen am Itacoai-Fluss, im indigenen Schutzgebiet Vale do Javari.
Der Urwald als Garten: Die Biodiversität des Amazonasregenwaldes ist zum Teil menschengemacht. Seit Jahrtausenden sorgen seine Bewohner für Vielfalt in ihrem Umfeld.

Archäologische Daten des amazonischen Tieflands reichen über 13.000 Jahre in die Vergangenheit zurück. Sie zeigen, dass dort die Menschen seit mindestens 7000 Jahren Nutzpflanzen domestiziert haben. Die amazonische Anbaupraxis ist das Ergebnis einer langen Geschichte gegenseitiger Anpassung von Mensch und Natur. Die frühen Bewohner kultivierten den Regenwald, griffen also in die Evolution von Pflanzen und Landschaften ein.

Kolonisierung führte zum Wirtschaftskollaps

Im Team mit Biologen wiesen Archäologen nach, dass in der Umgebung menschlicher Siedlungen mehr Pflanzen und auch mehr Pflanzenarten wachsen als in unbewohnten Teilen. „Es gibt einige weit verbreitete Arten wie den Paranussbaum, eine ikonische und wirtschaftlich wertvolle Art, die weite Teile des Amazonasbeckens beherrscht“, sagt die Archäologin Carla Jaimes Betancourt von der Universität Bonn. „Dieser Baum spielt seit Tausenden von Jahren eine wichtige Rolle für den menschlichen Lebensunterhalt. Seine derzeitige Verbreitung könnte ein Erbe früher menschlicher Siedlungen sein.“

Archäologisch-ökologische Studien über die Interaktion von Mensch und Natur zeigen zudem, wie sich die Bewirtschaftung der Amazonaswälder im Lauf der Zeit verändert hat. So unterbrach „die Kolonisierung die indigenen Bewirtschaftungspraktiken“, sagt Jaimes Betancourt. „Das ist wahrscheinlich auf den Zusammenbruch der präkolumbischen Gesellschaften zurückzuführen und hatte Auswirkungen auf die Wälder.“

Die archäologischen Erkenntnissen zeigen demnach, dass die indigenen Kulturen die Vielfalt ihrer Umwelt vermehrten und „sie auf integrierte Weise bewirtschafteten. Die Grenzen zwischen Natur und Kultur verschwimmen hier“, sagt die Forscherin. Wie genau die Indigenen am Amazonas vorgingen und was dies bewirkte, lohne sich zu erforschen. Davon könne die Naturschutzpolitik lernen.

Das Versprechen indigener Wissenssysteme

Das fordert auch der Weltbiodiversitätsrat IPBES. Zumal das Thema längst der Geschichtswissenschaft entwachsen ist. Inzwischen stehen die Lebensweisen heutiger indigener und lokaler Gemeinschaften im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses. Wie gehen sie um mit dem Druck, den Abholzung, Enteignung und politische Anfeindungen ausüben, einen Druck, den die Politik des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro nur noch verstärkt?

An indigenen Kulturen sticht vor allem ihre Widerstandskraft ins Auge, man nennt dies neuerdings auch „Resilienz“. Seit Jahrhunderten passen sich indigene Gemeinschaften Katastrophen wie veränderten Klima- und Ökosystembedingungen an, etwa den Folgen der Kolonialisierung und der Vertreibung aus ihren Territorien. Von ihnen könnte man lernen, wie sich sozialökologische Systeme steuern, wie sich Krisen und Veränderungen bewältigen lassen.

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Das Versprechen indigener Wissenssysteme

Das fordert auch der Weltbiodiversitätsrat IPBES. Zumal das Thema längst der Geschichtswissenschaft entwachsen ist. Inzwischen stehen die Lebensweisen heutiger indigener und lokaler Gemeinschaften im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses. Wie gehen sie um mit dem Druck, den Abholzung, Enteignung und politische Anfeindungen ausüben, einen Druck, den die Politik des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro nur noch verstärkt?

An indigenen Kulturen sticht vor allem ihre Widerstandskraft ins Auge, man nennt dies neuerdings auch „Resilienz“. Seit Jahrhunderten passen sich indigene Gemeinschaften Katastrophen wie veränderten Klima- und Ökosystembedingungen an, etwa den Folgen der Kolonialisierung und der Vertreibung aus ihren Territorien. Von ihnen könnte man lernen, wie sich sozialökologische Systeme steuern, wie sich Krisen und Veränderungen bewältigen lassen.

»Wenn wir mit Indigenen Biodiversität messen wollen, müssen wir zuerst verstehen, was für sie wichtig ist und warum« (David Lam)

Doch man muss sich damit beeilen. Auch in den verbliebenen indigenen Lebensräumen gerät die biokulturelle Diversität zunehmend unter Druck. Die Ausdehnung von Monokulturen und Raubbau beeinträchtigen die indigenen Pflanzer immer stärker in ihrer Fähigkeit, die wilde und domestizierte biologische Vielfalt zu erhalten.

Doch wären wir im Westen überhaupt bereit, das Wissen der Indigenen anzunehmen und davon zu lernen?

Gegenseitiges Verstehen, lebendiger Austausch

Forscher der Leuphana Universität Lüneburg und der Universität Stockholm haben in einer gemeinsamen Studie untersucht, wie indigenes Wissen in den wissenschaftlichen Nachhaltigkeitsdiskurs einfließt. Dafür analysierten sie insgesamt 81 neuere Fachartikel. Sie fanden heraus, dass indigenes Wissen häufig nur dazu genutzt wird, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Veränderung von Umwelt, Klima oder Sozialökologie zu bestätigen und zu ergänzen.

Wirklich von indigenen und lokalen Wissenssystemen zu lernen, sähe jedoch anders aus. Es bedeutete, unsere Trennung von Natur und Kultur aufzugeben und sich auf eine holistische, spirituelle Weltsicht einzulassen, in der Pflanzen, Vögel, Flüsse und Bäume einen lebendigen Kosmos ausmachen. Das ist einfacher gesagt als getan. Denn unsere auf Objektivität und Nachweisbarkeit ausgerichtete wissenschaftliche Herangehensweise unterscheidet sich grundlegend von indigenen Weltanschauungen und kulturellen Werten. „Wichtig ist, dass jede Wissensart ihre Integrität behält und man sich gegenseitig zu verstehen versucht“, sagt der Nachhaltigkeitsforscher David Lam, Hauptautor der Studie.

Indigenes Wissen beruhe auf Beobachtungen und Erfahrungen, die über Generationen praktisch und mündlich weitergegeben würden. „Es ist oft stark von Spiritualität und Glauben geprägt“, sagt Lam, „deswegen wird es in der Wissenschaft häufig nicht ernst genommen. Aber wenn wir zusammen mit indigenen Gemeinschaften Biodiversität messen wollen, müssen wir zuerst verstehen, welche Indikatoren für diese wichtig sind und warum.“

Ein solches gemeinsames Vorgehen von Naturwissenschaftlern und Indigenen hat kürzlich der Direktor des Botanischen Gartens Berlin, Thomas Borsch, im RiffReporter-Interview gefordert. Es gehe für die Wissenschaft darum, „respektvoll mit den Menschen zusammenzuarbeiten, die in unseren Untersuchungsgebieten leben, dort die Artenvielfalt erhalten und über ein ungeheures Wissen verfügen“, sagte er.

Eine Welt voller lebendiger Beziehungen, kein Maschinenpark

Indigene Wissenssysteme bestehen im Gegensatz zur westlichen Naturwissenschaft aber auch aus spirituellen und religiösen Praktiken. Sie entwickeln sich im Prozess der Weitergabe an die nachfolgenden Generationen und passen sich so an eine sich verändernde Umwelt an. Die Beziehungen der Lebewesen – die Menschen eingeschlossen – zu dieser Umwelt werden selbst als lebendig erlebt, nicht wie in der westlichen philosophischen Tradition als etwas Maschinelles.

Naturwissenschaftler tun sich traditionell schwer damit, diese Art des Zugangs zu Wissen in ihre Arbeit einzubringen. Noch vor Kurzem hätte man schamanische Aussagen über den Wald herablassend als primitiven Glauben oder bestenfalls als exotische Metaphern bezeichnet. Heute geht es darum, dieses Wissen besser zu verstehen, genauer hinzusehen, und auch Ästhetik einzubeziehen, als Forschungszweig, dem die Max-Planck-Gesellschaft immerhin ein eigenes Institut widmet.

Frauen ernten Maniokknollen.
Die Bewohner*innen des amazonischen Tieflands sind Weltmeister*innen in der Diversifizierung. Die afroamerikanischen Aluku (Französisch-Guyana) unterscheiden 90 Manioksorten.

Die Canela im Nordosten Brasiliens wüssten beispielsweise die Schönheit ihrer unterschiedlichen Bohnensorten zu schätzen, sagt die britische Ethnologin Theresa Miller. Sie erforscht Umweltästhetik und die Erhaltung der Artenvielfalt bei den Ramkokamekra-Canela. Besonders gefallen den Canela die Bohnen, die im Design ihren Körperbemalungen gleichen. Auch ziehen sie fünf unterschiedliche Sorten der Ackerbohne, deren Muster ihren rituellen Masken ähneln.

Die Canela-Gärtner vergleichen die physischen Charakteristika von Bohnen und Menschen. Kulturpflanzen wie Erdnuss, Süßkartoffel, Kürbis und Mais sind für sie in der Lage, Entscheidungen zu treffen, sie hören die Gesänge der Menschen, erinnern sich und können Empfindungen haben. Die Pflanzen sind Teil ihrer Ökogesellschaft, und viele Rituale sollen sie mehren und ihr Wachstum begünstigen. Diese enge und kommunikative Verbindung zwischen Menschen und Pflanzen ist typisch für das gesamte amazonische Tiefland.

Weltmeister der Diversifizierung

Viel zu wenig wissen wir noch über die Agrodiversität traditioneller Völker im Amazonasgebiet. Die Südamerika-Ausgabe der Studienreihe „Knowing our Lands and Resources“, die im Auftrag der UNESCO und des Weltbiodiversitätsrats erstellt wurde, zeigt, dass in den Gärten der afroamerikanischen Aluku aus Französisch-Guyana eine beeindruckende Vielfalt wächst. Von ihren 38 Nutzpflanzenarten verwendeten sie insgesamt 156 verschiedene Sorten, allein beim Maniok unterscheiden sie rund 90 Varianten.

Ihre Nachbarn, die Wayana, kultivieren 28 Arten und 129 Sorten. Die Bewohner des amazonischen Tieflands sind vor allem Weltmeister in der Diversifizierung von Maniokknollen, es gibt auch Spezialisten im Anbau des wilden Pfeffers. So ziehen die Baniwa vom unteren Içana-Fluss nicht weniger als 78 unterschiedliche Pfeffersorten. Das Interesse am Experimentieren mit den unterschiedlichen Arten ist für Amazonien vielfach belegt. Neben den heimischen Spezies verstehen sich die Bewohner des amazonischen Tieflands auch auf die Diversifizierung exotischer Pflanzen wie Zuckerrohr oder Bohnen. Schnell nehmen sie diese Pflanzen in ihre Kollektion auf und variieren sie.

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Genau das scheint ein wichtiges Merkmal und eine Besonderheit indigener Pflanzer zu sein: Sie haben es wohl weniger auf die vollständige Domestizierung der Pflanzen und damit auf eine Fixierung ihrer Merkmale abgesehen als vielmehr auf das ständige Experimentieren mit neuen Wildsorten, die sie in ihren Gärten wachsen lassen, so Manuela Carneiro da Cunha und Ana Gabriela Morim de Lima, die Autorinnen von Kapitel 5 der UNESCO-Studie.

Flexibles Hegen und Pflegen

Besonders deutlich zeigt sich das am Beispiel der Sateré-Mawé. Sie sind die Erfinder des Extraktionsprozesses der Guaraná-Frucht, einer wilden Kletterpflanze. Die Sateré sind auf deren „Nichtdomestizierung“ spezialisiert und weigern sich, standardisierte Guaranásorten zu benutzen, die mittlerweile großflächig für industriell hergestellte Guaraná-Limonade angebaut werden.

Stattdessen graben sie immer wieder neue Ableger wilder Ranken aus, pflanzen sie in ihren artenreichen „Waldgärten“ an und vertreiben die Ernte innerhalb eines Fair-Trade-Unternehmens, dem Consórcio dos Produtores Sateré-Mawé.

Hierin könnte der Schlüssel zum Verständnis der besonderen Resilienz der indigenen Völker des Amazonasbeckens liegen, die sie gegenüber der ständigen Veränderung und Bedrohung ihrer Lebensgrundlagen aufbringen müssen: Sie bleiben flexibel, hegen und pflegen die Vielfalt ihrer Nahrungsgrundlagen und passen sich so den Gegebenheiten ihrer biosozialen Umwelt bestmöglich an – statt diese komplett für ihre eigenen Bedürfnisse zu unterjochen. Doch seien die Vorteile, die sich daraus ergäben, immer noch nicht genügend anerkannt, so die Autorinnen der Studie. Von der offiziellen Politik würden sie viel zu wenig zur Kenntnis genommen.

Grenzen indigener Resilienz

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit indigenen Wissenssystemen sollte zu einer weiteren Einsicht beitragen: Wenn sich die indigenen Völker, die nicht nur in Brasilien Verfolgung, Mord und Übergriffen auf ihr Land ausgesetzt sind, als „Hüter des Regenwaldes“ bezeichnen, so sind das keine leeren Phrasen. Sie haben es über Jahrhunderte hinweg bewiesen.

In diesem Wissen liegt für die ganze Menschheit ein wichtiger Erfahrungsschatz. Von Indigenen lernen heißt überleben lernen – und lernen, mit der Natur zu wirtschaften, nicht gegen sie. UN-Generalsekretär António Guterres hat kürzlich den Krieg der Menschheit gegen die Natur angeprangert. Indigene zeigen uns eine friedfertige Lebensweise – das ist Schlüsselwissen für ein Jahrhundert der Klimakrise.

Es würde dabei natürlich nicht darum gehen, exakt wie Indigene zu leben, sondern darum, ihr Wissen, ihre Entwicklungsprinzipien, Werte und Praktiken ernstzunehmen, an uns heranzulassen und zu prüfen, ob und wie wir sie in unsere Lebensweise einbeziehen könnten.

Einen nicht rein zahlenorientierten Ansatz im Umgang mit Natur, Klima und Artenvielfalt fordert zum Beispiel auch der Arzt und Psychotherapeut Joachim Bauer: "Die ökologische Debatte ist zu verkopft. Wir Wissenschaftler erwarten, dass unsere Daten die Bevölkerung vom Sofa reißen – tun sie aber nicht! Was Menschen in Bewegung bringt, sind Gefühle.“

In den kommenden Monaten bietet sich für eine solche Wertschätzung und Öffnung gegenüber zu indigenen Kulturen eine einmalige Chance. Denn die Staaten der Erde stellen ihre Zusammenarbeit im Naturschutz und bei der Erhaltung von Biodiversität für die kommenden zehn Jahre völlig neu auf. Welche Rolle dabei indigene Erfahrungen und indigene Interessen spielen, wird dabei ein entscheidendes Maß für die Lernbereitschaft westlicher Kulturen sein.

Lebensweise unter Beschuss

Doch noch nie war die Verteidigung indigener Territorien, der Wälder, Berge und Flüsse Lateinamerikas, so gefährlich wie heute. Auf der Internetplattform „Tierra de Resistentes“ veröffentlichten kürzlich 30 Journalisten die Ergebnisse ihrer Recherchen.

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Es wird deutlich: Die indigene Bevölkerung Lateinamerikas zahlt einen hohen Preis für die Verteidigung der Diversität. Gemeldet wurden für den Zeitraum von 2009 bis 2018 insgesamt 1356 Angriffe auf indigene Menschen und lokale Gemeinschaften, die ihr Land verteidigen. Davon endeten 375 tödlich.

„Wir schützen den Wald für alle. Wir arbeiten mit unseren Schamanen zusammen, die sich gut darauf verstehen und deren Weisheit aus dem Kontakt mit ihrem Land kommt“, sagt Davi Kopenava, Yanomami-Indianer und frisch gekürter Träger des alternativen Nobelpreises, dem Magazin „Mongabay“. „Die Weißen können unser Haus nicht zerstören, denn wenn sie es tun, wird es für die ganze Welt nicht gut ausgehen.“

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Eine Version dieses Texts erschien zuerst auf www.spektrum.de

Im Projekt „Countdown Natur“ berichtet ein Team von 25 Journalistinnen und Journalisten mit Blick auf den UN-Naturschutzgipfel Ende 2021 über die Gefahren für die biologische Vielfalt und Lösungen zu ihrem Schutz. Unser Newsletter informiert über neue Beiträge, Recherchen und Veranstaltungen.

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Ulrike Prinz

Ulrike Prinz

Ulrike Prinz ist promovierte Ethnologin und Journalistin. Sie lebt in München und Barcelona.


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Der Reichtum des Lebens auf der Erde ist in Gefahr. Es geht um die Zukunft unzähliger Tier- und Pflanzenarten und Lebensräume. Das betrifft uns Menschen existenziell. Es geht auch um sauberes Trinkwasser, unsere Nahrung und ein lebensfreundliches Klima. Ein Team von 25 Journalistïnnen von RiffReporter berichtet bei "Countdown Natur" über den Wettlauf gegen die Zeit und über Lösungsansätze. Wissenschaftlerïnnen sagen: Bisher hat der globale Naturschutz fast alle Ziele verfehlt. Kommt nun die Wende zum Besseren?

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