Liefert Kernfusion in Deutschland in 10 Jahren Strom? Die Forschungsministerin glaubt daran

Bisher spielte die Kernfusion in der Energiepolitik keine Rolle – sie galt als Zukunftsmusik nach 2050. Doch Forschungsministerin Stark-Watzinger setzt auf Fusionsstrom in den 2030ern. Vom internationalen Großprojekt „Iter“ kann er nicht kommen. Aber von Start-ups?

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Die Politikerin mit rotem Helm for technischem Gerät.

In der deutschen Energiepolitik gibt es schon seit längerem nur noch eine Richtung: raus aus Kernkraft, Kohle und schließlich auch aus Erdgas, rein in Erneuerbare, in Wind-, Solar-, Geo- und Bioenergie. Alle Debatten, Streitigkeiten, Strategien und Entscheidungen drehten sich in den vergangenen Jahren allein um das Timing bei diesem Übergang. 100 Prozent Erneuerbare Energie – so soll die deutsche Energiezukunft aussehen.

Mit der Kernkraft wird jetzt aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr Schluss sein, mit der Kohlenutzung in Westdeutschland bis spätestens 2030 und im Osten bis 2038. Da Deutschland bis 2045 klimaneutral sein will, steht auch das fossile Erdgas schon auf der Abschussliste. Zeitgleich versucht die Regierung, beim Aufbau von Anlagen und Leitungen für 100 Prozent Erneuerbare Energie den Turbo einzulegen.

Doch Ende 2022 ist überraschend eine weitere Energiequelle ins Spiel gekommen: die Kernfusion. Auch Deutschland könnte dabei eine zentrale Rolle spielen.

Kein Kohlendioxid, kein hochgefährlicher Atommüll

Bisher galt das Vorhaben von Physikerinnen und Physikern, das Millionen Grad heiße Feuer der Sonne in Reaktoren zu zünden und daraus Energie zu gewinnen, bestenfalls als hypothetische Option für die zweite Hälfte des Jahrhunderts. „Die Fusionsforschung ist ein Beitrag zur langfristig ausgerichteten, anwendungsorientierten Grundlagenforschung“, heißt es etwa im aktuell gültigen Energieforschungsprogramm der Bundesregierung. Da Grundlagenforschung das Gegenteil von Anwendungsforschung ist, könnte die Botschaft klarer nicht sein.

Das Innere eines ringförmigen Metallgehäuses.
Im Februar 2022 simulierte ein Team von „EUROfusion“ in diesem sogenannten „JET Tokamak“ die Bedingungen in einem späteren Fusionsreaktor – doch der Weg zur Stromproduktion ist noch weit.
Die Ministerin steht am Mikrofon und spricht.
Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger (FDP) am 30. November 2022 im Deutschen Bundestag.
Frauen in Businesskleidung mit US-Fahne, eine am Rednerpult dahinter steht energy.gov.
Ein „historischer Tag“: Am 13. Dezember 2022 stellten Vertreterinnen US-amerikanischer Forschungsinstitutionen und der Regierung die neuen Ergebnisse in der Kernfusion vor.
Eine Fläche mit geometrischen Formen und einem Hohlraum. Sorry, ich kann das gerade nicht besser beschreiben.
Forschung in den USA: 192 Laser werden auf den kleinen Hohlraum am linken Rad der Fläche gerichtet, um eine Fusionsreaktion zu starten.
Forscher in einem Metallgefäß, Portrait der Wissenschaftlerin.
Plasmagefäss der Fusionsanlage „Asdex“ am IPP in München bei einem Upgrade 2010, wissenschaftliche Direktorin Sibylle Günther.
Eine riesige Halle mit komplizierten Bauteilen.
Kathedrale der Moderne: Die Versuchsanlage Iter von Innen.
Das Innere eines riesigen Gebäudes in Bau, Arbeiter sind mit einem gigantischen Gefäss beschäftigt.
In der Versuchsanlage „Iter“ in Südfrankreich soll 2026 das erste Mal Millionen Grad heißes Plasma gezündet und in einem Magnetfeld eingeschlossen werden.
Portaitfoto, Roth lächelt.
Der Physiker Markus Roth von „Focused Energy“
Drei Personen posieren vor einer Kulisse, die an James Bond erinnert.
Das Management von Marvel Fusion: Moritz von der Linden (links), Heike Freund und Georg Korn.
Ein Mann hält vor Publikum eine Power Point Präsentation und hat ein Mikrofon in der Hand.
Frank H. Laukien, Beiratsvorsitzender von Gauss Fusion und CEO des Unternehmens Bruker, bei der Konferenz „Forum Fusion“ Anfang Dezember in München.
superkomplexe technische Anlage mit Bauarbeiter bei der Montage.
Die Versuchsanlage Wendelstein 7-X in Greifswald während der Bauphase.
Textausrisse wissenschaftlicher Veröffentlichungen in physikalischer Fachsprache
Artikel von „Marvel Fusion“, Gegenrede von IPP-Forscher: „Intrinsische Widersprüche“.
Ein lila leuchtender Reaktorraum und eine helle gelbe Blase.
Plasma am Max-Planck-Institut in München, Kernfusion im Computermodell
Solarzellen in offener Landschaft glänzen in der Abendsonne.
Fusionsreaktor Sonne, Photovoltaikanlage in Bayern

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