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Ist schon klar, dass Joe Biden die US-Wahl gewinnen wird? Weit gefehlt

Unterdessen: Die Anhänger von US-Präsident Donald Trump bleiben loyal, die meisten stimmen seiner umstrittenen Politik zu

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01.09.2020
2 Minuten
Das Foto zeigt eine Gruppe von Unterstützerinnen von US-Präsident Donald Trump am 30. August 2020 in Sterling, Virginia. Es sind hauptsächlich junge Frauen und Teenagerinnen, die Fahnen und Transparente in Händen halten.

Fragt man die Deutschen, dann sollte der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl klar sein. 86 Prozent der Befragten wünschen sich laut ZDF-Politbarometer vom 28. August, dass der Demokrat Joe Biden die Wahl im November gewinnt. Nur sechs Prozent würden für Amtsinhaber Donald Trump stimmen.

Doch die Stimmung in den USA sieht ganz anders aus. In Meinungsumfragen liegen Trump und sein Herausforderer nahe beieinander. Eine Analyse des amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Pew vom 24. August macht deutlich, warum: Typisch für die Amtszeit von Trump ist, dass es seit 1953 noch nie eine so große Kluft bei den Zustimmungswerten zwischen den Anhängern von Republikaner und Demokraten für einen Präsidenten gegeben hat.

Einer extremen Ablehnung des Präsidenten durch die demokratischen Wähler steht eine sehr hohe Zustimmung bei republikanischen Wählern gegenüber. Zusammengenommen deuten beide Werte darauf hin, dass diese Präsidentschaftswahl alles andere als gelaufen ist, zumal im US-Wahlsystem ohnehin Besonderheiten gelten und die Wahl vor allem in wenigen sogenannten swing states, also denen mit knappen Mehrheiten entschieden wird.

Die Spaltung begann schon weit früher

Erstaunlicherweise stimmen die Deutschen nach den Umfragen in ihrer Bewertung fast völlig mit den US-Demokraten überein. Deren Zustimmung zu Trump beträgt laut Pew-Zahlen im Schnitt der Jahre seit 2016 nur sechs Prozent. Allerdings bewegen sich die Zustimmungswerte der Republikaner für den Präsidenten ihrerseits mit 87 Prozent auf einem sehr hohen und vor allem fast konstanten Niveau. Diese riesige Kluft scheint das in den letzten Jahren oft beschriebene Auseinanderfallen der US-Gesellschaft zu belegen.

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Die Pew-Analyse macht allerdings auch deutlich, dass die Polarisierung der US-amerikanischen Gesellschaft lange vor Trump begonnen hat. Interessant ist dabei vor allem der Blick auf Trumps Vorgänger Barack Obama, der in deutschen Medien im Gegensatz zu Trump sehr positiv beschrieben wurde.

Schon in der Amtszeit des ersten schwarzen US-Präsidenten war eine ähnliche Polarisierung zu beobachten: Im Schnitt waren 81 Prozent der Demokraten mit Obamas Amtsführung zufrieden. Aber nur 14 Prozent der Republikaner-Anhänger waren dieser Meinung.

Ein Blick auf die Zeitreihe, für die Pew aus früheren Jahren auch Gallup-Daten benutzte, zeigt, dass der Abstand zwischen den Zustimmungswerten beider politischen Lagern in früheren Jahre häufig um die 40 Prozentpunkte betrug. Bei Ronald Regan wuchs die Kluft auf mehr als 50 Prozent, was dann auch bei Bill Clinton der Fall war.

Bei George W. Bush betrug sie schon fast 60 Prozent. Bei Obama wichen die Einschätzungen von Republikanern und Demokraten dann aber schon um fast 70 Prozent voneinander ab. Und bei Trump stieg dieser Wert nun auf mehr als 80 Prozent. Wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl ist dies ein untrügliches Zeichen dafür, wie unversöhnlich sich die beiden politischen Lager in den USA gegenüberstehen.

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Andreas Rinke

Andreas Rinke

Andreas Rinke ist seit 2011 Chefkorrespondent der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. Der promovierte Historiker hat zuvor als Redakteur bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und als Politikkorrespondent in Berlin beim Handelsblatt gearbeitet. Mit Christian Schwägerl hat er das Buch „11 drohende Kriege“ (2012, aktualisiert 2015) verfasst. Sein Buch „Das Merkel-Lexikon“ ist im Herbst 2016 beim Verlag zu Klampen erschienen. Bei RiffReporter entwickelt er das „Merkel-Lexikon“ zu einem ständig aktualisierten und erweiterten Projekt fort.

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