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Was ist der Unterschied zwischen dem neuartigen Corona-Virus und Grippe-Viren?

Das Coronavirus ist ganz neu, die Grippe-Viren sind meist alte Bekannte

31.03.2020
3 Minuten

Vieles über das neue Sars-Coronavirus 2 (Sars-CoV-2) müssen weitere Studien noch herausfinden oder bestätigen. Das erschwert den Vergleich mit dem Influenza- oder Grippevirus. Andererseits gibt es das eine Influenza-Virus gar nicht. Vielmehr zirkulieren auf der Welt Influenzaviren aus vier Gruppen. Virologen unterscheiden zudem pro Gruppe mehrere Virenstämme.

Was Sars-CoV-2 mit Influenzaviren gemeinsam hat

Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten: Sowohl Sars-CoV-2 als auch das Influenzavirus sind behüllte RNA-Viren. Beide lösen Atemwegserkrankungen aus, und zwar in einer großen Bandbreite: Manche Menschen fühlen keine oder nur sehr milde Anzeichen, manche haut es für Wochen um, einige Menschen sterben an einer Infektion. Beide Erreger werden über direkten Kontakt, Tröpfchen oder Oberflächen übertragen. Darum lässt sich die Übertragung unter anderem durch gründliches Händewaschen mit Seife verhindern. Denn die Hülle der Viren besteht aus Fetttröpfchen, die die Seife zersetzt.

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Was Sars-CoV-2 von Influenzaviren unterscheidet

Der erste Unterschied ist die Übertragungsgeschwindigkeit: Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch von Symptomen – die Inkubationszeit – und die Zeit zwischen zwei Krankheitsfällen – das Serienintervall – sind beim Grippevirus kürzer. Die Inkubationszeit beträgt im Mittel bei der Grippe ein bis zwei Tage, bei Sars-CoV-2 fünf bis sechs Tage. In seltenen Fällen können Anzeichen aber auch schon nach einem oder erst nach 14 Tagen auftreten. Die Grippe kann sich deshalb schneller verbreiten als Sars-CoV-2, schreibt die WHO.

Sars-CoV-2-Infizierte können andere bereits zwei Tage vor dem Ausbruch von Symptomen anstecken. Die Infizierten sind am Tag, bevor sie die Erkrankung bemerken, sogar am stärksten ansteckend. Je nachdem, wie schwer die Infektion ist, kann dieser Zeitraum auch früher beginnen und länger dauern. Bei der Influenza ist eine Ansteckung ebenfalls vor dem typischerweise schlagartigen Einsetzen der Symptome möglich. Sie bleibt auch danach noch hoch, vier bis fünf Tage lang.

Ein Sars-CoV-2-Infizierter steckt ohne Hygiene- und Abstandhalten dennoch im Schnitt mehr Menschen an, als ein Grippepatient: Es sind zwischen zwei und etwas mehr als drei Menschen. Sogar bei der besonders gefährlichen Spanischen Grippe von 1918 lag dieser Wert im Schnitt nur bei 1,8.

Unterschiede bei den Risikogruppen

Die Gruppen mit dem größten Risiko bei Grippe sind Kinder, Schwangere, SeniorInnen und Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Immunschwäche. Bei Covid-19 zählen nach momentanem Stand vor allem SeniorInnen und Menschen mit Vorerkrankungen zu den Gruppen mit erhöhtem Risiko.

Sterberate und Impfstoffe

Die Sterberate ist – soweit bislang bekannt – bei Covid-19 deutlich höher als bei Influenza, vor allem im Vergleich zur sogenannten saisonalen Influenza. Denn gegen jene Stämme von Influenzaviren, die eine normale saisonale Grippewelle auslösen, haben viele Menschen bereits Antikörper. Außerdem gibt es einen Impfstoff gegen Grippe, der immerhin zehn bis sechzig Prozent der Geimpften schützt oder wenigstens die Schwere der Erkrankung verringert. Und es sind bereits einige Medikamente zugelassen, die eine Influenza-Infektion zumindest abmildern.

Dass der Grippe-Impfstoff im Vergleich zur Masern- oder Gelbfieber-Impfung schlecht schützt, liegt daran, dass sich das Influenzavirus ständig verändert. Entstünde ein Influenza-Stamm, gegen den alle bisherigen Antikörper wirkungslos wären, käme es sogar zu einer Grippe-Pandemie, in der ähnliche Infektionsraten zu befürchten wären wie jetzt bei Covid-19.

Das Sars-CoV-2 verändert sich anders als die Influenzaviren bislang anscheinend wenig. Darum glauben Virologen, Genesene seien für eine gewisse Zeit oder sogar dauerhaft geschützt. Abschließend geklärt ist das aber noch nicht. Das RKI schreibt, dass Erfahrungen mit anderen Coronavirus-Infektionen darauf hindeuteten, dass die Immunität bis zu drei Jahre andauern könnte. Auch eine Impfung böte unter diesen Umständen für mehr oder weniger lange Zeit Schutz. Influenzaviren verändern sich jedes Jahr sehr, und dennoch gibt es Impfungen dagegen, die zumindest teilweise schützen. (Joachim Budde)

Zuletzt aktualisiert am: 15.06.2020.

Siehe auch die Antworten auf folgende Fragen:

Wie unterscheiden sich die Symptome von Covid-​19 von einer Erkältung oder einer echten Grippe?

„Wie unterscheiden sich ein mäßiger, mittlerer und schwerer Verlauf von Covid-​19?“

Quellen:

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