CRISPR-Beginn: Herr Ishino und die wunderbare Ahnungslosigkeit

#6 | Die Aufsehen erregenden CRISPR-Babies haben die Welt aufgeschreckt und die Diskussion über CRISPR/Cas9 angeheizt. Begonnen hat das alles vor über dreißig Jahren, als ein junger Wissenschaftler auf der Suche nach einem Protein etwas findet, das noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

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Vier symmetrische angeordnete Grafiken des Cas9-Proteins schweben vor blauem Hintergrund und den Titeln und Jahreszahlen wichtiger Fachartikel des CRISPR-Historie. Im Zentrum das Jahr 1987.

Jeder Tag ist der Anfang von irgendetwas Neuem auf diesem Planeten. Der 27. November 1987 ist der offizielle Start der Geschichte von dem, was heute als CRISPR/Cas9 bekannt ist. An diesem Tag, einem Freitag, erscheint die Dezemberausgabe des Journal of Bacteriology, einer altehrwürdigen Fachzeitschrift, die schon seit 1916 von der Amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie herausgegeben wird. Sie veröffentlicht monatlich Forschungsergebnisse aus der Welt der Bakterien, der Archaeen und ihrer molekularbiologischen Prozesse.

Wissenschaftliche Fachzeitschriften werden seit jeher zu mehreren Exemplaren in feste Einbände gepackt und durchnummeriert, um sie in Universitätsbibliotheken zu archivieren. Die Verlage zählen die Seiten der Journals nicht je Ausgabe, sondern jeweils für einen gesamten Einband oder Jahrgang. Und so reicht Ausgabe 12 in Band 169 von Seite 5339 bis 5891. Auf über 550 Seiten präsentiert das umfangreiche Heft 87 Forschungs- und einen Korrekturartikel. Auf Seite 5433 erscheint ein Text fünf japanischer Forscher der Universität Osaka, der nur bedingt Aufregendes zu berichten hat und dessen etwas sperriger Titel auch nur für Spezialisten verständlich ist:

„Nucleotide sequence of the iap gene, responsible for alkaline phosphatase isozyme conversion in Escherichia coli, and identification of the gene product“.

Die ganz besondere Bedeutung dieses Berichts sollte sich erst viele Jahre später zeigen.

Yoshizumi Ishino (links), erste Seite des Fachartikels im Journal of Bacteriology (rechts), in dem er und seine Kollegen von der Universität Osaka erstmals die heute als CRISPR bekannte Struktur beschrieben.
Yoshizumi Ishino (links) und die erste Seite seines Fachartikels im Journal of Bacteriology (rechts), der in der Dezemberausgabe 1987 ab Seite 5433 neben 87 weiteren Artikeln erschien.
Auf einer grauen Karte liegt rot markiert Osaka, dem Forschungsort von Yoshizumi Ishino, dem Entdecker der ersten CRISPR-Sequenz.
Osaka ist der Forschungsort von Yoshizumi Ishino, dem Entdecker der ersten CRISPR-Sequenz.
Der letzte Absatz im Artikel im Journal of Bacteriology.
Der letzte Absatz im Fachartikel von 1987 im Journal of Bacteriology, in dem Ishino und seine Kollegen die „ungewöhnliche Struktur“ beschreiben, die nie ein Mensch zuvor gesehen hatte.
Abbildung zum Fachartikel über Basensequenz
Abbildung 5 in Ishinos Fachartikel mit der Basensequenz der „ungewöhnlichen Struktur“ aufgeteilt auf fünf Zeilen. Dies ist die erste Abbildung einer CRISPR-Sequenz.
Zwei Artikel über die Beschreibungen der CRISPR-Strukturen.
Die beiden Fachartikel aus Atsuo Nakatas Labor: die ersten Beschreibungen der CRISPR-Strukturen.

Dies ist ein Beitrag der Serie #CRISPRCas9 – Die Biografie der revolutionären Gen-Schere CRISPR/Cas9 von Marcus Anhäuser. Verpasse keine Folge und abonniere den Newsletter oder verfolgeTwitter, FacebookundInstagram. Die Einführungsartikel sind gratis.. Die Hauptartikel der Story gibt es für die, die bereit sind, einmalig 4,99 Euro zu zahlen (über den Kaufbutton unten rechts in der Leiste). #CRISPRhistory ist wie ein Buch: Du zahlst einmal und bekommst die ganze Geschichte.

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