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Der dann doch überraschende Nobelpreis für CRISPR/Cas9!

von
07.10.2020
etwa eine Stunde
Nobelpreis für CRISPR/Cas9

Soeben hat das Nobelpreiskomitee bekannt gegeben, dass Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier den Nobelpreis für Chemie 2020 verliehen bekommen für die Entwicklung „einer Methode zur Genom Editierung“. Gemeint ist die Genschere Cas9.

++++ Warum die Genschere CRISPR/Cas9 überhaupt würdig für den Nobelpreis ist, habe ich in diesem Artikel erklärt: #CRISPRhistory aktuell: CRISPR und Cas bekommen einen Nobelpreis, aber wann? +++

Der Preis kommt für viele überraschend. Auch wenn klar war, dass die Entwicklung nobelpreiswürdig ist, hatten viele vermutet, dass es noch ein wenig dauern könnte. Zum einen wegen der Streitigkeiten um die Patente mit dem Broad-Institut, zum anderen, weil durch die CRISPR-Babies die ethische Dimension massiv in den Vordergrund drängte. Auch ist die Technologie weltweit in den Laboren verbreitet, aber noch gibt es keine auf dem Markt erhältlichen Anwendungen, auch wenn zum Beispiel erste klinische Studien auf dem Weg sind, in denen das Tool in Gentherapien eingesetzt wird.

Überraschend ist auch die Vergabe an die beiden Frauen allein. Viele hatten vermutet, dass der US-Forscher Feng Zhang als dritter möglicher Forscher bedacht werden könnte, weil es ihm als einem der Ersten mit seinen Kollegen (darunter George Church) gelungen war, CRISPR/Cas9 in menschlichen Zellen einzusetzen.

Auch war über einen Preis für den litauischen Forscher Virginijus Šikšnys spekuliert worden. Er hatte 2012 wenige Monate nach Doudna und Charpentier einen ganz ähnlichen Artikel veröffentlicht, in dem er und seine Kollegen Cas9 als Genschere vorschlugen.

+++ Wie das alles Ende der 80er Jahre begann mit CRISPR/Cas9 könnt ihr hier nachlesen: CRISPR-Beginn: Herr Ishino und die wunderbare Ahnungslosigkeit +++

Überraschend war der Preis letztlich auch für die Preisträgerinnen, zumindest für Jennifer Doudna. Im Video der PR-Abteilung der University of California in Berkley (siehe ganz unten), erzählt sie (ab 0:16 Min.), wie sie vom Gewinn des Nobelpreises erfuhr.

Die Nature-Journalistin Heidi Ledford rief sie in der Nacht um 2:53 Uhr an und bat Doudna um einen Kommentar zum Nobelpreis. Doudna, noch ganz schlaftrunken, dachte, sie solle sich zum Gewinn eines anderen Wissenschaftlers äußern, und war verwirrt, weil sie gar nicht wusste, wer denn gewonnen hatte – bis ihr Ledford sagte, dass sie, Doudna, es sei.


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Eine Journalistin (Min. 27:46) fragt nach weiteren potenziellen Preisträgern: „Did you ever consider anyone else in the prize?“ Antwort: „This is a question, that we never answer.“ Das Komitee sei sehr froh über die Entscheidung, es sei ein großes Feld und es gebe eine Menge guter Forschung: „But we have decided this year to award the prize to Charpentier and Doudna.“

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Science zitiert George Church zu dem Umstand, dass er und vor allem Feng Zhang nicht berücksichtigt wurden:

"Harvard University chemist George Church says the Nobel committee made “a really great choice.” Church published a study showing CRISPR could edit mammalian cells at the same time as Zhang, who previously was a postdoc in his lab. But Church doesn’t think either of them was slighted by not being included in the prize. As he sees it, Charpentier and Doudna made a discovery, which is what the committee prefers to reward, and he and Zhang were inventors. “If anyone wants any tips on how not win a Nobel Prize, it’s pretty easy, ” Church says. “I’ve carefully avoided all this kind of brouhaha by focusing on inventions.” And, he says, Zhang is young. “Feng Zhang is so full of creative ideas that I have no doubt that he will get one or two in the future.”

Da könnte man entgegnen: Doudna und Charpentier haben es nicht nur entdeckt (vor allem Charpentier), sondern sie haben es auch erfunden. Die geniale Idee, die sie in im Fachartikel in Science beschreiben ist ja, dass sie die CRISPR-RNA, die Cas9 natürlicherweise nimmt, um das angreifende Virus zu erkennen und an dieser Stelle das Virus zu zerstören, modifizieren, es sogar verkürzen, und den Dreh finden, dass sie dies durch jede beliebige RNA-Sequenz, die sie brauchen und die Cas9 finden soll, ersetzen. Sie sind nicht nur Entdeckerinnen, sondern auch Erfinderinnen, zusammen mit ihren Teams.

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Marcus Anhäuser

Marcus Anhäuser

Marcus Anhäuser arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren als Wissenschafts- und Medizinjournalist und war als freier Autor und Redakteur für verschiedene regionale und überregionale Medien wie Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online, Handelsblatt oder National Geographic Deutschland tätig. Die letzten Jahre unterstützt der gelernte Biologe als Leitender Redakteur beim Projekt Medien-Doktor.de KollegInnen bei der Medizin- und Ernährungsberichterstattung. Die Wissenschaftsserie #CRISPRhistory auf Riffreporter.de ist seine bisher umfassendste Recherche und Geschichte. Daneben produziert er Podcasts wie zuletzt den BücherRausch für die Städtischen Bibliotheken Dresden.

Bei den Flugbegleitern sind außerdem seine Hörstücke aus der Natur Die Geschichte vom Tröten im Walde und Biberland bei den Flugbegleitern zu hören.

Foto: Marc Hillesheim


#CRISPRhistory

Mit dieser Schere soll vieles möglich werden, was bisher kaum denkbar war: Erbkrankheiten heilen, Krebs besiegen, Nutzpflanzen widerstandsfähiger und ertragreicher machen und auf den Klimawandel vorbereiten. WissenschaftlerInnen in den Laboren dieser Welt haben auf ein Werkzeug wie die Gen-Schere CRISPR/Cas9 nur gewartet, weil sie so präzise, so einfach und so billig ist. Aber was ist dieses CRISPR/Cas9 eigentlich? Wo kommt sie her? Wer hat sie entdeckt? Und was bedeutet CRISPR/Cas9 genau?

In einer mehrteiligen Wissenschaftsserie erzählt Marcus Anhäuser die Biografie der Gen-Schere CRISPR/Cas9. Die Geschichte vor dem Hype. Eine Zeitreise in die Welt der Wissenschaft, der Labore und der molekularen Kriegsführung zwischen Bakterien und Viren. Ihr lernt die Meilensteine wie auch die Flops der internationalen CRISPR/Cas-Forschung kennen, auf dem Weg zu einem Werkzeug, das unsere Welt verändern wird.

Serien-Updates: Hinweise auf die jeweils neueste Folge gibt's per Newsletter (kostenfrei, inkl. zusätzlicher Infos und Ankündigungen, Link folgt) und sozialer Medien: Twitter, Facebook, Instagram.

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