„Wir müssen als Gesellschaft entscheiden, ob wir uns diese Schädigung unseres Planeten leisten wollen.“

Tiefseebergbau: Interview mit dem Expeditionsleiter Matthias Haeckel vom GEOMAR-Forschungszentrum

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Das Bild zeigt eine Manganknolle, ein unförmiges Stück Gestein, das weder glänzt noch schimmert.

An 19 Forschungsexpeditionen zu See hat der Chemiker Matthias Haeckel schon teilgenommen. In ein ganz besonderes Meeresgebiet war er nun von Ende März bis Ende Mai als Expeditionsleiter mit dem Forschungsschiff „Sonne“ im Auftrag des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel unterwegs: Im Pazifik westlich von Mexiko liegt die Clarion Clipperton Zone, in der ein großer Reichtum an metallischen Rohstoffen vermutet wird. Diese kommen dort in Form der „Manganknollen" (Titelbild) vor. Das sind über geologische Zeiträume entstandene Klumpen mit einem sehr hohen Metallgehalt.

Bergbau auf dem Meeresboden – das ist längst kein Science-Fiction mehr, sondern wird zur Realität. Mehrere Firmen, etwa die belgische Global Sea Mineral Resources, sind längst am Explorieren. Das Ziel: Manganknollen zu heben, die begehrte Rohstoffe enthalten, die vor allem für die Produktion von Hightech-Geräten wichtig sind, vom Handy über Windräder bis zum Satelliten.

Doch wie würde sich Meeresbergbau in großem Stil auf das Ökosystem auswirken? Darum ging es bei Haeckels Forschungsfahrt. Das Interview wurde Anfang April 2019 geführt.

Herr Haeckel, was genau ist das Ziel Ihrer Mission und wer ist mit an Bord?

Haeckel: Unser Ziel ist die Untersuchung des Manganknollen-Ökosystems sowie der potentiellen Auswirkungen, die der Abbau der Manganknollen auf die Umwelt in der Tiefsee haben wird. An der Expedition sind daher 65 Experten aus verschiedenen Fachdisziplinen, wie Ozeanographie, Biologie, Mikrobiologie, Meereschemie, Geologie, beteiligt. Die Teilnehmer kommen von 30 verschiedenen europäischen Instituten.

Ist der Hunger der Menschheit nach metallischen Rohstoffen wirklich so groß und Recycling so teuer, dass mit Bergbau auf dem ökologisch sensiblen Meeresboden begonnen werden muss?

Zwei Expeditionsteilnehmer stehen auf dem Deck des Schiffes und unterhalten sich. Im Hintergrund arbeiten weitere Teilnehmer an einer Maschine.
Der Expeditionsleiter Matthias Haeckel im Gespräch mit einer Kollegin an Bord des Forschungsschiffs RV Sonne.
Das Forschungsschiff auf dem Meer. An der Seite befindet sich ein großer „Science“-Schriftzug.
Das Forschungsschiff RV Sonne.

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Christian Schwägerl


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