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Küken ohne Lehrmeister

Kuckucksjunge wachsen bei Eltern anderer Arten auf. Wer also bringt ihnen bei, was sie als große Kuckucke wissen müssen?

von
25.07.2018
7 Minuten
Ein dunkelgraues Küken mit hellen Flecken reißt sein leuchtend oranges Maul auf.

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Der Kuckuck ruft zwar so schön melodisch zweisilbig Kuck-uck, hat aber einen schlechten Ruf. Seine Eier in fremde Nester zu legen und sich nachher nicht die Bohne um den Nachwuchs zu kümmern, ist allerdings auch wirklich nicht der Normalfall unter Vögeln. Dazu kommt noch, dass es bei dem gemeinen Kuckuck unserer Breiten, wissenschaftlich: Cuculus canorus, überhaupt keine Paarbindung zwischen Männchen und Weibchen zu geben scheint. Wenn die männlichen Kuckucke Mitte April aus Zentralafrika hier herkommen – die Weibchen kommen eine Woche später – bilden sie zuerst ihre Reviere und beginnen zu rufen. Das halten sie mit wechselnden Intensitäten bis Ende Juli durch, wenn die Alten beginnen zurückzufliegen.

Ihre Lage ist zu Beginn in Mitteleuropa aber alles andere als rosig und sie wird nicht leichter werden in der nahen Zukunft. Der Naturschutzbund wies im Frühjahr daraufhin, dass sich die Lage der Kuckucke im Zuge des Klimawandels bedrohlich verschlechtern könnte. Weil durch die wärmeren Temperaturen hierzulande viele Zugvögel eher aus ihren Winterquartieren im Süden zurückkehren und deshalb auch früher mit dem Nestbau und dem Brutgeschäft beginnen, könnte es für Kuckucke schwierig werden, noch den richtigen Zeitpunkt für ihre Eiablage in den Nestern von Teichrohrsängern oder Heckenbraunellen zu treffen. Dagegen kann man wenig einwenden, jedenfalls solange nicht wie Kuckucke keine Verhaltensänderung in Bezug auf ihre Zugzeiten zeigen, was sie bisher nicht tun.

Ein männlicher Kuckuck im April.
Im April kommen die ersten Kuckucke in ihre Brutreviere nach Mitteleuropa – so wie dieses Männchen – und halten Ausschau nach Raupen zum Fressen und Artgenossen zum Paaren.
Das runde Nest aus trockenen Halmen enthält vier weiße Eier mit olivgrünen Sprenkeln.
In dieses Gelege eines Teichrohrsängers hat ein Kuckucksweibchen ihr Ei gelegt. Der junge Kuckuck schlüpft als erster und wirft nach und nach seine Stiefgeschwister aus dem Nest.
Flügger Kuckuck wird von Teichrohrsänger gefüttert.
Kuckucke suchen sich kleine Insektenfresser wie diesen Teichrohrsänger als Wirtseltern für ihre Jungen aus. Denn die beschaffen den Küken die ideale Nahrung.

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Cord Riechelmann

Cord Riechelmann

Cord Riechelmann, zu dessen vielen Publikationen die Bücher „Krähen“, „Wilde Tiere in der Großstadt“ und „Bestiarium“ zählen, lebt als Publizist und Autor in Berlin.


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