Zum Artikel springen
  1. RiffReporter /
  2. Umwelt /
  3. Die Wiesenweihe braucht menschliche Hilfe

Die Wiesenweihe braucht menschliche Hilfe

Der anmutige Vogel hat es in der modernen Agrarlandschaft schwer

14.06.2017
12 Minuten
Man sieht eine Wiesenweihe am Gelege, das sich am Boden in einer Wiese befindet. Im Nest mehrere flauschige Jungvögel.

Mein erstes Portrait der Wiesenweihe aus dem Jahr 1978 liest sich aus heutiger Sicht fast wie ein Abgesang. 50 Exemplare gab es damals noch im ganzen Westen Deutschlands. Seither hat sich die Lage zum Glück etwas gebessert – aufgrund aktiver Schutzmaßnahmen. Als ich 2006 den zweiten Wiesenweihen-Artikel schrieb, war ich gerade als Beobachter von einer aufregenden Naturschutzaktion im bayerischen Teil Mainfrankens nach Frankfurt am Main zurückgekehrt. Manche der im Text genannten Namen und Daten sind nicht mehr aktuell, doch das Programm zum Schutz der selten gewordenen Greifvogelart gibt es seitdem bis heute in verstärktem Maß.

In Bayern ist der Schutz der Wiesenweihe zu einem wichtigen Projekt des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV) und der Landesnaturschutzbehörden geworden. Auch in anderen Bundesländern, wie etwa in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, haben sich Arbeitsgemeinschaften zum Schutz der Wiesenweihen gebildet. Diese sind im Prinzip nach derselben Methode des Horst- und Biotopschutzes vor allem zur Brutzeit tätig. Nicht ohne Erfolg: Auf 470 bis 550 Paare beziffert der 2014 erschienene Atlas Deutscher Brutvogelarten den Bestand, der allerdings von Jahr zu Jahr schwankt. Dennoch ist davon auszugehen, dass auch 2017 wieder gut 500 Brutpaare in ganz Deutschland einen Versuch gestartet haben, erfolgreich vier bis fünf Eier in ihrem Bodennest auszubrüten und die daraus geschlüpften Jungen bis zum Ausfliegen aufzuziehen.

Das regional unterschiedlich starke Nahrungsangebot, vor allem die von Jahr zu Jahr schwankenden Bestandszahlen von Mäusen, spielt neben der Sicherheit der Brutplätze eine entscheidende Rolle. Dass der zweite Faktor sich weiter positiv entwickelt, dafür sorgen immer mehr engagierte Menschen. Auch die Menge der verfügbaren Nahrung – wie Mäuse und kleine Feldvögel – wird zu einem bedeutenden Anteil vom Menschen beeinflusst. Meistens aber in negativer Weise.

Eine Wiesenweihe rüttelt über einer Wiese, auf der Suche nach Nahrung.
Ein Terzel bei der Jagd: V-förmig gestellte Flügel und ein gaukelnder Flug sind für die Weihen typisch.
Abonnieren Sie „Flugbegleiter – die Korrespondenten aus der Vogelwelt“. Sie unterstützen so gezielt weitere Recherchen.

Gleitstoßgreifer unter dem Kreiselmäher (1978)Von Carl-Albrecht von Treuenfels

Die Wiesenweihe sitzt, wie sollte es anders sein, in einer Wiese.
Graziler Greifvogel: Wiesenweihen ernähren sich von Nagetieren und Kleinvögeln.

Schutzinseln im Getreidemeer (2006)Von Carl-Albrecht von Treuenfels

Die Naturschützer Claudia Pürkhauer und Edgar Hoh kümmern sich um ein Gelege von Wiesenweihen und versuchen, einen Jungvogel zu beringen.
Die Naturschützer Claudia Pürkhauer und Edgar Hoh im Jahr 2006 – Vereinbarungen mit Landwirten sind für den Wiesenweihenschutz essentiell.

Kostenfreier Newsletter: Die Flugbegleiter

Tragen Sie sich hier ein – dann bekommen Sie jeden Mittwoch die neuen Beiträge über Natur und Vogelwelt von den Flugbegleiter-Journalisten zugeschickt.

Abonnieren Sie „Flugbegleiter – die Korrespondenten aus der Vogelwelt“. Sie unterstützen so gezielt weitere Recherchen.
Carl-Albrecht von Treuenfels

Carl-Albrecht von Treuenfels

Carl-Albrecht von Treuenfels, 1938 in Schwerin/Mecklenburg geboren, kann man als Doyen des deutschen Vogeljournalismus bezeichnen. Für die FAZ hat er etwa 500 Beiträge verfasst – darunter Dutzende Porträts des jeweiligen „Vogel des Jahres“. Er war von 1990 bis 2004 Präsident des WWF Deutschland, seit 2008 ist er Vorstandsvorsitzender der von ihm initiierten Stiftung Feuchtgebiete und bemüht sich seit Jahrzehnten, praktische Hilfe für den Natur- und speziell für den Vogelschutz zu leisten. In der Serie „Meine Vogelbeobachtungen“ präsentiert von Treuenfels Artikel aus seinem Lebenswerk mit aktuellen Kommentaren.


Flugbegleiter – die Korrespondenten aus der Vogelwelt

Sie wollen guten Journalismus zu Ornithologie, Artenvielfalt, Naturschutz, Umweltpolitik? Herzlich willkommen bei den „Flugbegleitern“. Wir sind neun Journalistïnnen, die sich auskennen und für Sie recherchieren. Die UN-Dekade für Biologische Vielfalt hat uns dafür ausgezeichnet. Unsere Beiträge gibt es jeden Mittwoch im Einzelkauf, im Flugbegleiter-Abo und als Teil der RiffReporter-Flatrate. Und wir haben ein tolles Buch für Sie!

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Carl-Albrecht von Treuenfels

Alter Gutshof 2
23883 Horst, OT Neu-Horst

E-Mail: cavtreuenfels@gmx.de

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter