COP28 in Dubai: Das Montreal-Abkommen droht zum Lippenbekenntnis zu werden

Vor der COP28 in Dubai zeigt eine Studie: Der 30×30-Naturschutz-Plan des Montreal-Abkommens bezieht die Indigenen unzureichend ein. Die von ihnen getragenen naturbasierten Lösungen drohen von marktorientiertem Klimaschutz verdrängt zu werden.

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Eine Luftaufnahme zeigt die Siedlungsgebiete um die Flüsse Krueng-Aceh-und-Krueng Daroy als eine fast unberührtes biodiverses Landschaft

Der Klimawandel und die Biodiversitätskrise sind zwei Seiten derselben Medaille, sagt Pamela McElwee, Professorin für Humanökologie an der Universität Rutgers, doch oftmals werden sie einseitig betrachtet. Für den Weltbiodiversitätsrat IPBES forscht McElwee über die Zusammenhänge der Megakrisen. Ginge man diese Zwillingskrise gemeinsam an, sagt sie, könne man wirksamere Lösungen finden.

Es sei effektiv, so McElween, auf den Werten und dem Wissen der indigenen Völker und lokalen Gemeinschaften (IPLCs) aufzubauen. Der Beitrag der indigenen Völker für die Artenvielfalt, der Erhalt ökologisch wertvoller Landschaften und Ökosysteme, wurde vom Weltbiodiversitätsrat regelrecht gepriesen. Ein Ansatz, der ihr Land und ihre Rechte schützt, könne die Schäden an empfindlichen Ökosystemen mindern und das Risiko des Aussterbens von Hunderttausenden von Arten verringern. Gesunde Ökosysteme tragen entscheidend zur Stabilisierung des Weltklimas bei und fördern naturbasierten Klimaschutz.

30×30: Ambitionierte Beschlüsse zur Rettung der Arten

Dieser rechtebasierte Ansatz wurde bei der letzten Weltbiodiversitäts-Konferenz versprochen und empfohlen. In den Abschlussvereinbarungen der COP15 in Montreal im Dezember 2022 hatten sich 188 Regierungen dazu verpflichtet, ein Set von ehrgeizigen Zielen zum Schutz der Biodiversität und ihrer Wiederherstellung zu erreichen. Dazu gehört insbesondere das 30×30 Ziel. Es sieht vor bis 2030 30 Prozent der globalen Land- und Wasserflächen zu erhalten, insbesondere Gebiete mit wichtiger biologischer Vielfalt.

Um dies zu erreichen, müssen die weltweit geschützten Landflächen fast verdoppelt werden und die Meeresflächen müssen sich im Vergleich zu 2020 vierfachen.

Nachdem es bei der vereinbarten 30×30 Lösung vor allem um indigene Territorien gehen wird, wurde auch der Respekt für ihre Rechte in die Formulierungen in die Abschlusserklärung der COP15 aufgenommen.

Studie: Forderung nach einem rechtebasierten Naturschutz weiterhin ignoriert

Die Empfehlungen der COP15 sind eine Sache – die Umsetzung, die nun den nationalen Regierungen obliegt, eine andere. Eine jüngst erschienene Studie des Forest Declaration Assessment untersuchte, inwiefern die Regierungen der Länder, die Empfehlung der COP15 umsetzen und die betreffenden Gemeinschaften als vollwertige Partner in ihre Biodiversitäts-Strategien einbeziehen.

Dazu überprüfte sie 27 Nationale Biodiversitäts-Strategien und Actionpläne (NBSAP) aus allen Kontinenten, in denen indigene Völker und lokale Gemeinschaften in ausgedehnten Waldökosystemen mit hohen Biodiversitätswerten leben. Demnach ignoriert die Mehrzahl der Länder den Beitrag der Indigenen weiterhin: Nur ein Drittel der untersuchten Pläne zielen darauf ab, die Rechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften zu stärken und nur ein Prozent bezieht die Frauen ein, die über das beste ökologische Wissen verfügen.

Eine indigene Frau sammelt die Pflanzenasche ein, aus der sie Salz herstellen wird. Im Hintergrund ist die Lagune zu sehen, in der die Algen wachsen.
Indigene Frau bei der Herstellung von Salz aus Algen
Abgeholztes Land und trockener Boden
Fortschreitende Entwaldung auch im Tourismus-Paradies El Nido, Palawan, auf den Philippinen
Im Vordergrund ist eine Ogiek-Frau zu sehen mit traurigem Blick, im Hintergrund die Überreste ihres abgebrannten und zerstörten Hauses in Kenia.
Die Ogiek-Frau Elisabeth Tabinoy sitzt vor den Überresten ihres Hauses in Kenia. Hier wurden Anfang November mehr als 700 Ogiek-Kinder, -Frauen und -Männer, gewaltsam von ihrem Land vertrieben, typisch für den weit verbreiteten kolonialen Ansatz des „Festungsnaturschutzes“, der indigene Völker als potentielle Bedrohung für die Natur ansieht.

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