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Falschparker stressen Stadtbewohner

Radaktivisten beschweren sich per Werbeplakat über Parksünder auf ihren Wegen. Die stört das wenig

07.06.2019
4 Minuten
Eine Radfahrerin hat einen blauen Transporter überholt, der ihren Radweg auf der Straße blockiert. Der Verkehr ist dicht. Direkt links von ihr fährt ein Mini.

Busy Streets – Auf neuen Wegen in die Stadt der Zukunft

Morgens zehn Uhr in der Köpenicker Straße in Berlin. Der Berufsverkehr ist längst weg. Trotzdem ist die Fahrt auf dem schmalen Schutzstreifen für Radfahrer stressig. Ihr Weg ist versperrt – von Autofahrern, die „nur mal kurz“ etwas erledigen müssen, Paketzustellern, die Lieferungen abgeben oder riesigen Sattelschleppern, die Baumaterial ausliefern. Immer wieder müssen die Radler ausweichen und sich in die schnell fahrenden Pkw-Kolonne links von ihnen drängeln. Das ist anstrengend, verlangt viel Aufmerksamkeit und ist oftmals auch gefährlich.

Um das Bewusstsein für diesen Stress zu schärfen, haben der ökologische Verkehrsclub VCD und die Initiative Clevere Städte deshalb Anfang Juni zur ersten bundesweiten Falschparker-Aktionswoche aufgerufen. Der Radaktivist und Fahrrad-Blogger Daniel Doerk aus Osnabrück (iswaf.de) und Wolfgang Driehaus vom ADFC Osnabrück haben mitgemacht. Sie haben mitten in der Stadt eine riesige Werbefläche gemietet und ein Plakat aufhängen lassen mit dem Schriftzug: Warum kümmert sich in Osnabrück eigentlich niemand um #Falschparker auf Radwegen?

Ein grau-schwarzfarbener Smart steht auf den Gehweg neben einem Radweg. Er steht direkt neben einer Plakatwerbung die Falschparker mit der Aufschrift:" Warum kümmert sich in Osnabrück eigentlich niemand um #Falschparker auf Radwegen?"
Hier breiten sich Falschparker immer wieder auf dem Rad- oder Fußweg aus. Deshalb haben Daniel Doerk und Wolfgang Driehaus diese Werbefläche für ihr Plakat gemietet.
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Busy Streets: Herr Doerk, warum haben Sie das Plakat aufhängen lassen?

Daniel Doerk: Ich kann das berühmte ‚nur mal kurz‘ nicht mehr hören. Falschparker auf Radwegen machen Radfahrerinnen und Radfahrern täglich zu schaffen. Es ist nicht das Kavaliersdelikt, für das es immer noch viele halten. Mit Wolfgang Driehaus vom ADFC Osnabrück habe ich deshalb die Werbefläche elf Tage für unser Plakat gemietet.

Busy Streets: Das Plakat hängt nun fast eine Woche, was ist seitdem passiert?

Daniel Doerk: Was immer dort passiert: Die Stelle ist beliebt bei Falschparkern. Deshalb haben wir sie ausgewählt, und tatsächlich stand jedesmal wenn ich dort war, ein Auto auf dem Fuß- oder Radweg.

Busy Streets: Sprechen Sie die Fahrer an, wenn sie noch im Auto sitzen?

Daniel Doerk: Das habe ich früher gemacht, heute nicht mehr. Die Gespräche werden schnell hitzig, weil sich die Menschen ertappt fühlen. Sie kontern, dass es mich nichts angehe, wo sie parken. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Ich möchte ja genau den Radweg nutzen, den sie mit ihrem Wagen versperren.

Busy Streets: Registrieren Falschparker das Plakat überhaupt?

Daniel Doerk: (Lacht) Ja, auf jeden Fall. Der Fahrer eines Umzugswagens stellte seinen Transporter erst direkt auf dem Radweg vor dem Plakat ab, sah es beim Aussteigen und fuhr den Wagen dann in die nächste Seitenstraße, wo er den Fußweg zuparkte. Ein anderer Falschparker wurde von einem Passanten sogar gefilmt. Der Autofahrer saß noch in dem Wagen. Der Fußgänger stand direkt neben ihm und schwenkte seine Kamera abwechselnd zum Auto und zu unserem Plakat und schüttelte dabei den Kopf. Den Fahrer störte das anscheinend nicht. Er blieb einfach in seinem Wagen sitzen.

Busy Streets: Warum ist das Zuparken von Radwegen so gefährlich?

Daniel Doerk: Wenn die Wege blockiert sind, müssen Radfahrer in den fließenden Verkehr ausweichen. Das ist kein Spaß. und gerade für Kinder kann das sogar sehr gefährlich werden. Das wollen viele Eltern nicht riskieren. Deshalb lassen Mütter und Väter ihre Kinder nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren, sondern bringen sie mit dem Auto. Das führt zu einem absurden Kreislauf: Die Elterntaxis tummeln sich vor den Schulen, versperren die Wege, nehmen den Kindern die Sicht beim Überqueren der Straße oder halten auf Radwegen, um die Kinder rauszulassen.

Busy Streets: Was erhoffen Sie sich von der Aktion?

Daniel Doerk: Mehr Öffentlichkeit für unsere drei Forderungen. Wir wollen, dass die Autofahrer sich an die Regeln halten und ihre Fahrzeuge auf Parkplätzen abstellen oder am rechten Fahrbahnrand. Außerdem soll die Stadt mehr kontrollieren. Wenn Politik und Verwaltung es ernst meinen und den Radverkehr stärken wollen, dann müssen sie konsequenter gegen Radwegeparker vorgehen. Im aktuellen ADFC-Fahrradklima-Test hat Osnabrück in diesem Punkt eine Fünf kassiert. Aber auch das Bundesverkehrsministerium muss endlich reagieren und die Bußgelder deutlich erhöhen. Die aktuelle Petition „Knolle statt Knöllchen“, die ein Bußgeld für Falschparken von mindestens 100 Euro fordert, ist der richtige Weg, um die weitgehend wirkungslose Kombination aus geringer Kontrolldichte und Bußgeldern zu Discountpreisen zu durchbrechen.

Ein Sportwagen von BMW steht quer auf dem Rad und Fußweg. Es steht mit dem Heck vor dem Plakat mit dem Schriftzug „Warum kümmert sich in Osnabrück eigentlich niemand um #Falschparker auf Radwegen?“
Der BMW blockiert den Rad- und Fußweg und zudem noch die Ausfahrt.
Ein großer Transporter steht mitten auf dem Rad- und Fußweg vor dem Plakat.
Der UPS-Transporter braucht viel Platz. Laut Straßenverkehrsordnung darf er am rechten Fahrbahnrand halten.
Eine dunkle Limousine steht vor dem Falschparker-Werbeplakat auf dem Radweg.
Früher hat Doerk Falschparker auf Radwegen angesprochen. Das macht er heute nicht mehr, weil die Gespräche oftmals hitzig endeten.

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So reagiert die Stadt auf das Plakat

Der Stadtbaurat von Osnabrück, Frank Otte, ist selbst Radfahrer und täglich in seiner Stadt mit dem Fahrrad unterwegs. Auch er muss immer wieder Autos ausweichen, die seine Wege blockieren. „Falschparker sind ein großes Problem in der Stadt“, sagt er. Die Zahl der verteilten Knöllchen für Parksünder liege in Osnabrück jedes Jahr im hohen Zehntausenderbereich. Auch die Stadtbewohner fühlen sich von den regelwidrig abgestellten Autos gestört. In Bürgerforen beschweren sie sich laut Otte seit Jahren über Autofahrer, die mit ihren illegal abgestellten Wagen Anwohner und Passanten behindern und selbst winzige Grünflächen rund um Bäume blockieren.

„Es fehlt nicht das Geld, höchstens der Wille noch mehr Leute einzustellen, die in der Stadt in den Straßen kontrollieren“, sagt der Stadtbaurat. Allerdings stellt er auch fest: „Der Job ist nicht beliebt.“ Es werde immer schwieriger, Mitarbeiter für offene Stellen zu finden. Otte weiß auch, warum das so ist. Wenn die Besitzer zu ihrem Wagen zurückkehren, während die Ordnungsbeamten noch die Bußgeldbescheide ausstellen, komme es immer wieder zu Konflikten. „Mir wurden auch schon Prügel angedroht, als ich mit meinem Handy ein Fahrzeug fotografierte, das falsch parkte“, sagt Otte. Er findet die Plakat-Aktion der Fahrradaktivisten gut. In ein paar Monaten wird die Stadt nachziehen. Dann beginnt eine umfangreiche Aktionen gegen Falschparker, zunächst soll nur aufgeklärt werden, bevor im nächsten Schritt die Kontrollen verstärkt werden.

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Andrea Reidl

Andrea Reidl

Andrea Reidl arbeitet als Journalistin, Moderatorin und Buchautorin


Busy Streets

Wie soll die Stadt von morgen aussehen? Bei „Busy Streets“ geht es um nachhaltige Mobilität und die Entwicklung unserer Städte. Ich berichte schon seit längerem für große Medien über Sharing-Angebote, Radverkehr, autonome Fahrzeuge und Stadtbewohner, die Plätze und Grünflächen zurückerobern.

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Lektorat: Stefan Hentz
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