Der Sternenhimmel im Mai 2019

Joseph von Fraunhofer und die dunklen Linien im Sonnenlicht

Als Joseph Fraunhofer am 6. März 1787 im niederbayerischen Straubing das Licht der Welt erblickte, waren die Aussichten für den kleine Jungen keineswegs rosig. Die Kindersterblichkeit zu jener Zeit war hoch, sechs seiner zehn vor ihm geborenen Geschwister hatten bis dahin nicht überlebt. Doch Joseph schien das Schicksal gewogen und er sollte es schaffen. Schon als Kind kam er in der Werkstatt seines Vaters mit dem Handwerk der Glasmacherei in Berührung. Allerdings verstarben beide seiner Eltern früh, und bereits im Alter von elf Jahren war er Vollwaise. Ein Vormund veranlasste, dass Joseph Fraunhofer nach München in die Lehre kam, und zwar zu dem Spiegelmacher und Glasschleifermeister Philipp Weichselberger. Fraunhofers Leben nahm erneut eine jähe Wende, als Werkstatt und Wohnhaus von Weichselberger einstürzten, in dem auch der Lehrling wohnte. Doch Fraunhofer hatte Glück im Unglück und überlebte, obwohl er dabei verschüttet wurde. Wie es der Zufall wollte, wurde durch die Rettungsaktion der Techniker und Politiker Joseph von Utzenschneider auf ihn aufmerksam. Er nahm sich seiner an und ermöglichte ihm eine Schulausbildung, doch wichtiger noch: Er erkannte Fraunhofers außergewöhnliches Talent und stellte ihn bald in seinem eigenen optischen Institut an.

Joseph Fraunhofer zeigte nicht nur großes Talent bei der Herstellung von Spiegeln und Linsen, sondern auch Experimentierfreude und Erfindungsreichtum. Die von Fraunhofer hergestellten Linsenfernrohre waren von bester Qualität und bald international bekannt. Seine Refraktoren standen unter anderem in den Sternwarten von Königsberg, Dorpat, Berlin und München. Das größte Objektiv maß neun Zoll Durchmesser.

Der Fraunhofersche Refraktor mit einem Objektivdurchmesser von 28,5 Zentrimetern in der Universitäts-Sternwarte München Bogenhausen wurde dort 1835 aufgestellt. Fraunhofer selbst hatte mit dessen Bau begonnen, nach seinem Tod stellte ihn Georg Merz fertig.
Jan Hattenbach
Noch heute wird der Fraunhofer-Refraktor von 1835 für Studentenpraktika genutzt.
Jan Hattenbach

Als er das Brechungsverhalten von Licht am Glasprisma untersuchte, entdeckte er 1814, dass das Sonnenspektrum durch und durch von unzähligen feinen schwarzen Linien unterbrochen war. Einige stärkere dieser Linien waren wenige Jahre zuvor bereits dem britischen Chemiker William Wollaston aufgefallen. Dieser betrachtete sie jedoch nicht als neues, wichtiges Phänomen, sondern sah in ihnen eine Abgrenzung zwischen den unterschiedlichen Farben im Spektrum und untersuchte sie nicht weiter.

Fraunhofer hingegen studierte die Linien ausgiebig und zeichnete sorgfältig das Spektrum mit über 350 Linien; erwähnt hat er sogar 574. Sie sind heute als Fraunhofer’sche Linien bekannt. Die markantesten von ihnen kennzeichnete er mit den Buchstaben A bis K. Die Linien entstehen, da die Atome in der Photosphäre der Sonne Strahlung bei ganz charakteristischen Wellenlängen absorbieren, wie Gustav Kirchhoff und Robert Bunsen einige Jahrzehnte später erkannten. Beispielsweise stammt die Linie C im roten Bereich des Spektrums bei 656,87 Nanometer von Wasserstoff, die Doppellinie D bei 589 und 589,59 Nanometer von Natrium (orange) und H und K von Kalzium bei 396,85 Nanometer (gelb). Fraunhofers Beobachtungen legten die Grundlage für die Spektralanalyse von Sternen, die daraufhin unter anderem die Astronomen William Huggins in den USA und Jesuit Angelo Secchi am Vatikanobservatorium entwickelten (s. auch Sternenhimmel September 2018 ). Später, 1817, untersuchte Fraunhofer – unabhängig von dem französischen Physiker Augustin Jean Fresnel – das Beugungsphänomen des Lichts und verhalf damit der Wellentheorie des Lichts zum endgültigen Durchbruch. Mit einem eigens hergestellten Beugungsgitter aus Glas mit 300 parallelen Furchen pro Millimeter konnte er erstmals die absolute Wellenlängen von Spektrallinien vermessen.

1824 wurde Joseph von Fraunhofer mit dem bayerischen Zivilverdienstorden ausgezeichnet und damit in den Ritterstand erhoben. Bereits im Alter von 39 Jahren starb er 1826 an Tuberkulose.

Der Sternenhimmel Anfang Mai gegen 22:30 Uhr MESZ über Frankfurt am Main.
stellarium/F. Mokler

Position der Sternbilder

Der Monat Mai begrüßt uns mit den typischen Frühlingskonstellationen. Im Nordwesten steht zu Beginn der Nacht der Fuhrmann bereits tief am Horizont. Weiter im Westen verabschieden sich langsam die Zwillinge. Der Ekliptik in Richtung Osten folgend treffen wir zunächst auf das unscheinbare Sternbild Krebs, schließlich auf den Löwen mit seinem hellsten Stern Regulus und auf die Jungfrau mit der strahlenden Spica. Höher am Himmel finden wir in südöstlicher Richtung den Bärenhüter Bootes mit Arktur als Hauptstern. An diesen drei auffälligen Sternen können wir uns zu dieser Jahreszeit gut orientieren. Sie bilden das Frühlingsdreieck. Noch weiter im Osten steht Herkules; hinter ihm ziehen bereits die Sommersternbilder Leier und Schwan mit Vega beziehungsweise Deneb aus dem Nordosten herauf. Hoch im Zenit befindet sich derzeit der Große Bär, dessen Teil der Große Wagen ist.

Lauf des Mondes

Zu Neumond steht der Erdtrabant am 5. Mai zwischen Stier und Walfisch. Am 12. des Monats befindet sich der zunehmende Halbmond im Löwen. Der Vollmond hält sich am 18. Mai zwischen Waage und Skorpion auf. Der wieder abnehmende Halbmond zieht am 26. Mai durch den Wassermann.

Lauf der Planeten

Merkur erscheint zu Monatsende abends knapp über dem Nordwesthorizont. Der rötliche Mars ist den gesamten Mai über am Abend bis in die erste Nachthälfte hinein zu sehen. Der Gasriese Jupiter betritt in der ersten Nachhälfte das Firmament und dominiert die gesamte Nacht. Der Ringplanet Saturn ist gut in den frühen Morgenstunden zu beobachten. Neptun steht im Wassermann und lässt sich am Morgenhimmel mit dem Fernglas erspähen.


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