Der Sternenhimmel im Juni 2019

Die Milchstraße und unsere kosmische Heimat

Jan Hattenbach

Unter guten Sichtbedingungen zieht die Milchstraße am Sommerhimmel unsere Aufmerksamkeit auf sich. Als blass leuchtendes Band sich diesen Monat in der zweiten Nachthälfte gut sichtbar von Nord nach Süd nahezu über das Himmelsgewölbe. Wir blicken hier in die Scheibenebene unserer Heimatgalaxie und sehen das Licht der dort konzentrierten Sterne als schwachen Schimmer.Das Milchstraßensystem zählt zur Klasse der Balkenspiralgalaxien. Diese Sternsysteme sind abgeplattet und besitzen in der Mitte eine längliche Verdickung, von Fachleuten auch „Bulge“ genannt. In seinem Zentrum ruht ein extrem massereiches Schwarzes Loch. In der Scheibenebene der Milchstraße finden sich vier Spiralarme, in denen sich ein Großteil der Sterne und der interstellaren Materie aus Gas- und Molekülwolken konzentriert. In Regionen mit besonders hoher Materiedichte entstehen dort auch heute noch fortlaufend Sterne, obwohl die Milchstraße fast so alt ist wie das Universum. Des Weiteren ist das Spiralsystem in einen kugelförmigen Halo aus nicht sichtbarerer Dunkler Materie eingebettet, der sich weit über den leuchtenden Bereich der Galaxie hinaus erstreckt. Durch ihn bewegen sich auch die Kugelsternhaufen, die ältere Sterne enthalten und das Zentrum der Milchstraße in weitläufigen elliptischen Bahnen umkreisen.

Die uns nächste größere Spiralgalaxie können wir in einer klaren Nacht und dunkler Umgebung noch mit bloßem Auge sehen: Um sie aufzufinden, lassen wir den Blick vom zweithellsten Stern (beta Andromedae) im Sternbild Andromeda ein Stück in Richtung Nordwesten schweifen. Dort treffen wir auf ein blasses Nebelfleckchen mit hellem Kern: die Andromedagalaxie, auch bezeichnet als M31 (Messier 31). Sie ist bei einer Entfernung von 2,5 Millionen Lichtjahren das am weitesten entfernte Objekt, das wir ohne optische Hilfsmittel erkennen können!

Übrigens besitzen sowohl unsere Milchstraße als auch Andromeda einige masseärmere Satellitengalaxien von unterschiedlicher Form: Die beiden bekanntesten Begleiter der Milchstraße sind die große und die kleine Magellansche Wolke. Diese irregulären Zwerggalaxien sind allerdings nur von der Südhalbkugel aus zu sehen.

Zum Wachstum von Galaxien beigetragen haben seit jeher vermutlich galaktische Gezeitenkräfte. Heute gehen die Forscher davon aus, dass Galaxien sich hierarchisch entwickelt haben. So bildeten sich recht bald nach dem Urknall vereinzelt Verdichtungen aus Dunkler Materie, deren Schwerkraft auch die gewöhnliche Materie folgte. Bald entstanden in diesen Regionen die ersten Sterne und Galaxien. Dabei waren viele der ersten Galaxien möglicherweise masseärmer als die heutigen Spiralgalaxien wie unsere Milchstraße oder auch die Andromedagalaxie. Erst nach und nach sind diese zu ihrer heutigen Größe herangewachsen, indem sie Materie aus ihrer Umgebung aufsammelten. Vermutlich fielen viele Zwerggalaxien, von denen Astronomen mittlerweile rund 60 Stück in der Umgebung der Milchstraße entdeckt haben, der Schwerkraft ihrer größeren Brüder und Schwestern zum Opfer.

Dieser Prozess des Galaxienwachstums dauert bis in die heutige Zeit hinein an. Zeugnis davon sind so genannte Sternenströme, die auch unsere Milchstraße in ihrem Halo umlaufen. Sie sind die Überreste einer Zwerggalaxie, die unserer Galaxis einst zu nahe kam. Die Milchstraße zwang sie mit ihrer Schwerkraft in eine Umlaufbahn und riss sie dabei immer mehr auseinander. Nach und nach verleibt sich die Milchstraße deren Sterne nun ein und integriert sie in ihre eigene Struktur. Als Überreste davon sehen wir diese Sternenströme im Halo, aber auch vereinzelte Sternenschwärme, die sich bereits in der Scheibenebene niedergelassen haben.

Solche Sterne, die sich die Milchstraße einmal von einer anderen Galaxie einverleibt hat, lassen sich anhand ihrer chemischen Signaturen von jenen unterscheiden, die aus ihr selbst hervorgegangen sind. Dank dieser Fingerabdrücke, die den Sternen von Geburt an aufgeprägt sind und sich im Laufe ihres Lebens praktisch nicht verändern, lässt sich die Geschichte der Milchstraße rekonstruieren. Dieses Forschungsgebiet der galaktischen Archäologie ist allerdings noch verhältnismäßig jung, und wir dürfen gespannt sein, welche Erkenntnisse es über unsere kosmische Vergangenheit noch hervorbringen wird.

Der Sternenhimmel Anfang Juni gegen 23:00h MESZ über Frankfurt am Main.
stellarium/F. Mokler
Der Sternenhimmel Anfang Juni über Frankfurt am Main. Die Milchstraße zieht erst später herauf und wird erst nach Mitternacht deutlich sichtbar.
stellarium/F. Mokler

Position der Sternbilder

Im Juni verlassen bald nach Einbruch der Nacht die Frühlingssternbilder die Himmelbühne: Im Westen sinkt der Krebs mit Praesepe gen Horizont, auf der Ekliptik folgt ihm der Löwe. Hinterdrein zieht die Jungfrau mit der hellen Spika. Höher gen Zenit stehen im Südwesten das „Haar der Berenike“ und, noch etwas weiter südlich, Bootes mit dem Hauptstern Arkturus. Der große Bär versucht dem Bärenhüter bereits nach Nordwesten zu entkommen. Hoch im Südosten begegnen wir Herkules mit den beiden sehenswerten Kugelsternhaufen M 13 und M 92. Unterhalb davon erstreckt sich die weitläufige Konstellation des Schlangenträgers. Im Osten zieht das Sommerdreieck herauf: Mit Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler bietet es in den lauen Nächten eine gute Orientierungshilfe am Himmel.

Lauf des Mondes

Zu Neumond steht der Erdtrabant am 3. Juni im Sternbild Stier. Am 10. des Monats hält sich der zunehmende Halbmond am Rand der Jungfrau auf. Am 17. Juni ist der Vollmond unterhalb des Schlangenträgers anzutreffen. Der wieder abnehmende Halbmond zieht am 25. Juni zwischen Walfisch und den Fischen vorüber.

Lauf der Planeten

Merkur lässt sich im Juni am abendlichen Westhorizont erspähen. Bis ins zweite Monatsdrittel hinein steht auch der rötliche Mars am Abend noch tief am Nordwesthorizont. Der helle Riesenplanet Jupiter ist den ganzen Monat über am Nachthimmel zu sehen; ebenso der Ringplanet Saturn, der allerdings recht tief am Himmel steht. Uranus betritt am frühen Morgen das Firmament und ist gegen Monatsende mit dem Teleskop zu beobachten. Neptun im Wassermann ist ebenfalls ein Objekt für Fernglas oder Teleskop.

Sommersonnwende: Am 21. Juni ist astronomischer Sommeranfang, die Sonne erreicht ihren Jahreshöchststand. Danach werden die Tage wieder kürzer.

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