Wie Sie die RICHTIGEN Ideen finden

Alles außer Brainstorming

Der Tag der Ideenfindung ist immer der Moment der Wahrheit. Hat ihr Team das Zeug, etwas Neues zu erfinden?

Wenn wir Prototypen bauen, fangen wir am Dienstagmorgen analog an. Wir brainstormen nicht. Das ist einer unserer Grundsätze. Brainstormen führt meist ins Nirgendwo und dort zur kreativen Ermattung. Statt in langen Diskussionen die wichtigen Kerngedanken zu verlieren, sammeln wir lieber alle Ideen auf Post-its und kleben sie an die Wand im Büro. Daraus entsteht ein Post-it-Wikipedia für unser Projekt mit allen Ideen und Priorisierungen. Immer wieder stehen wir vor diesem Wand-Wikipedia. Am Dienstagabend sehe ich die Wand voll gelb-flatternder Post-its, den Stapel Papier, den überquellenden Mülleimer und befürchte, dass wir scheitern werden. Dabei ist dieser Moment der Gipfel – und ich merke es nicht. Die Hauptarbeit ist geschafft. 

Das Team ist ausgelaugt. An der Wand hängen mehr oder weniger strukturiert Ideen. Ideen, die einen Sprung markieren. Das ist die Macht des Kritzelns. Egal ob der Chef die Idee skizziert oder der Praktikant: Sie hängt an der Wand und jemand anderes muss sie in zehn Sekunden interpretieren und erklären. Die Ideen sprechen lassen. So lautet die Idee hinter der Sketch-Methode: “Working alone together”. Allein Zusammenarbeiten. Die Ideen des Dienstags werden die Woche beflügeln. Die besten werden immer wieder auftauchen, sie werden in den Köpfen kleben wie Kaugummis. Sammeln, Doodlen, Varianten malen. Die Runden werden vom Time-Timer gestoppt.

Und so gelingt es:

Titeln Sie wie ein Werber

Sie können eine Mal-Maschine für Post-its erfinden oder den Format-o-mat. Hauptsache der Titel schlägt einen Haken im Hirn derjenigen ein, die Ihre Idee zum ersten Mal hören. Ein Post-it ist kein Leitartikel, sondern ein hilfloser gelber Zettel, der in einem Meer aus gelben Zetteln um Aufmerksamkeit ringt. Lassen Sie ihn nicht ertrinken!

Machen Sie es selbsterklärend

Jemand anderes wird in wenigen Minuten Ihre Idee auf einen Blick erklären müssen. Wenn es ihm oder ihr gelingt, wird es auch den Nutzern gelingen. Lassen Sie alle Details weg. Geben Sie der Idee eine Form. Beschriften Sie die Knöpfe. Und haben Sie Ihre Erika Fuchs griffbereit. Schluck, drück, platsch und klimper: Solche Onomatopoesie macht aus Skizzen auf kleinen gelben Zetteln lebendige Anwendungen.

Bleiben Sie anonym

Niemand muss Ihre Handschrift erkennen. Die Idee darf wild sein, sie darf bescheuert sein. Wenn Sie sich schämen, malen Sie sie mit Links. Aber halten Sie Ihre Idee nicht in Ihrem Kopf gefangen. Sie wird es auch ohne Sie schaffen, da draußen!

Hässlich ist besser

In unserem Projekt Superkühe habe ich viele hundert Kühe gekritzelt. Die besseren sahen aus wie Pferde, die schlechteren wie Tetrapacks auf Beinen. Es war egal. Was zählte, war die neue Perspektive für die Berichterstattung über Kühe zu generieren. Hässlich ist gut. Wenn die anderen lachen, hat Ihre Idee schon mal Sympathiepunkte. Und eine Idee mit Zeichnung an einer Wand voller Ideen schlägt jede Idee ohne Zeichnung.

Werden Sie zum Begriffe-Erfinder

Wenn Sie Neues erfinden, werden Sie neue Wörter brauchen. Erfinden Sie die gleich mit. Ein Sprecher ist etwas anderes als eine Stimme ist etwas anderes als ein O-Ton. 

Dienstagabend sollte eine Lösung da sein. Oder sie können den Sprint als gescheitert ansehen (übrigens auch eine Option, die allen womöglich Lebenszeit spart.) Eine der Lösungen, die in einem unserer Sprints aufkam, war ein “Navi für Supermärkte”. An den denke ich beim Einkaufen jedes Mal, wenn ich wieder Knopfzellen oder Mangosaft suche. Viele Ideen lassen sich besser skizzieren als erklären. Viele Ideen brauchen mehr als eine Notiz in einem Brainstorming-Baum.

User Stories

Um Ideen in gemischten Teams zu entwickeln, muss man sich auf eine gemeinsame Sprache einigen. Bei Software-Entwicklungen gehören Epics und User Storys dazu. Epics sind kurze Beschreibungen von Anforderungen an eine neue Software. Zerlegt man diese Anforderungen in Details und übersetzt sie in Alltagssprache, entstehen User-Storys, kleine Geschichten, die ein spezifisches Problem für einen speziellen Nutzer beschreiben. User-Storys haben eine festgelegte Form:

As I want so that

oder auch Als möchte ich , um .

Ein Epic könnte heißen´: “Als Redakteur möchte ich einen Editor, um meine Texte zu erfassen.” Die User-Story dazu lautet: “Als Redakteur möchte ich einen Button zum Fetten von Text haben, so dass ich wichtige Stellen hervorheben kann.” 

Das strenge Arbeiten mit User-Storys hält das Team davon ab, Zeit (und Geld) für unnötige Funktionen einer Software zu verplempern. 

Linktipp

Roman Pichler liefert zehn Tipps, wie man gute User Stories schreibt.

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Jakob Vicaris Journalismus der Dinge