"Niemand kann Haushalte sanieren, indem er bei der Kultur den Rotstift ansetzt"

Der Präsident des Deutschen Museumsbundes Eckart Köhne findet, dass in der Kultur meist Symbolpolitik gemacht wird. Ein Statement

BLM/ Schönen Zwei ältere Frauen betrachten ein kunstvoll geschmücktes Kettenhemd.

17. April 2017

Warum brauchen Museen eine Lobby?

Als Kulturinstitutionen werden Museen sehr positiv wahrgenommen. Museal ist oft ein wertvolles Prädikat, wenn es um die Bedeutung einer Sache geht. Aber im Gegenzug haben wir heute den Fall, dass die Gesellschaft leider oft erst dann intensiv über Kultur debattiert, wenn es ums Sparen geht. Als erstes kommen die Fragen: Können wir uns das leisten? Kostet die Kultur nicht sowieso schon zu viel? Wir diskutieren zu wenig über Inhalte und Ziele der Kulturarbeit. Wir sollten zuerst fragen: Was soll die Kultur in der Gesellschaft leisten, was ist ihr Auftrag? Wenn über die Ziele Einigkeit besteht, dann können wir über die dafür benötigten Ressourcen reden.

Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe.
Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe, versteht die Spardebatten rund um die Kultur nicht.
Uli Deck

Erklären Sie das bitte genauer.

Es gibt einfach Bereiche, bei denen wir nicht in erster Linie über Geld reden sollten, sondern über Notwendigkeiten. Kulturelle Einrichtungen und Bildungsangebote sind wichtige und zentrale Bausteine für eine positive gesellschaftliche Entwicklung. Ich glaube, dass die Kulturpolitik, wenn es um das Sparen geht, oft eine Symbolpolitik ist. Die Etats, die man hier einspart, sind ja wirklich marginal. Niemand kann Haushalte sanieren, indem er bei der Kultur den Rotstift ansetzt. Trotzdem tun alle so, als lägen hier Lösungen – die Deutschen sparen eben gerne.

Was könnte besser gehen?

Das Museum ist keine Institution, die man grundsätzlich in Frage stellen kann. Museen erreichen mit ihren Angeboten für Schulen die Gesellschaft in ihrer ganzen Breite. Museen sind Orte, an denen sich die Bürgerinnen und Bürger treffen. Neben dem älteren Museumspublikum sind es gerade Familien mit kleinen Kindern, die unser Kernpublikum darstellen. Mir leuchtet nicht ein, wieso man bei uns so oft erst Diskussionen über Geld führt und nicht darüber spricht, wie man den Museumsbesuch für Jugendliche attraktiver machen kann oder die Zusammenarbeit mit den Schulen verbessert. Ich empfehle sehr, die Bildungspläne mit den Museen abzustimmen und dafür zu sorgen, dass die Museen von den Schulen besser als Bildungspartner genützt werden können.

Mehr zu Eckart Köhne bei DebatteMuseum finden Sie hier: Eckart Köhne will Museumsbesucher zu Museumsnutzern machen.

Lesen Sie jetzt…

  1. DebatteMuseum

Arbeiten und promovieren

Die Lüneburger Kunsthistorikerinnen Barbara Söntgen und Susanne Leeb haben ein neues Ausbildungsmodell konzipiert, das Geisteswissenschaftlern das Promovieren im Museum (PriMus) ermöglichen soll. PriMus läuft als Validierungsprojekt an der Leuphana. Geplant ist ein Handbuch, das die Leitlinien und Erfahrungen bündetlt.

Zwei Frauen mittleren Alters lächeln in die Kamera
  1. DebatteMuseum
  2. Digitalisierung
  3. Partizipation

Unterwegs im Museum der Zukunft

Das Karlsruher ZKM ermöglicht Besucherbeteiligung, freie Snacks und Getränke bei freiem Eintritt. "Open Codes - Leben in digitalen Welten" zeigt mehr als 200 künstlerische und wissenschaftliche Projekte und bietet Raum für Meet-ups, Workshops und Kongresse.

Eine Frau nimmt eine Schatulle aus einem Regal
  1. DebatteMuseum
  2. Flugbegleiter

Die Aras sind bedroht, weil wir Fleisch essen

Das Naturkundemuseum Berlin zeigt Schönheit und Schicksal der südamerikanischen Vögel. Von Christiane Habermalz

3 Aras
  1. DebatteMuseum
  2. Kunst

Ein Haus wird durchgelüftet

Mit Ayşe Erkmen und Mona Hatoum startet das Museum der bildenden Künste Leipzig in eine neue Ära. Ein Gastbeitrag von Sarah Alberti

farbiger Lichtraum
  1. DebatteMuseum
  2. Tagung

Das Privatmuseum als Chance?

Eine bedenkliche Entwicklung? Milliardäre bauen weltweit Museen und gewinnen kulturell an Macht, Einfluss und damit auch Diskurshoheit. Privatmuseen könnten jedoch für manche Regionen auch ein Segen sein oder sie sind traditionell sowieso nicht die Ausnahme, sondern vielmehr die Regel.

Gebäude aus Glas und Stahl
  1. DebatteMuseum
  2. Kunst

Zum Lachen und Weinen

In seiner Gesellschaftssatire "The Square" lässt Ruben Östlund ein Museum für neue Kunst kollabieren. Selbstbild und Außenansicht der modernen Gesellschaft treffen aufeinander, ein fulminanter Kino-Abend.

Ein Mann und zwei Mädchen betrachten ein Quadrat am Boden
  1. DebatteMuseum
  2. Kolonialismus

Koloniales Nachbeben

Lorenz Rollhäusers Feature "Haus der Weißen Herren" erhellt den Hintergund der aktuellen Kritk am Humboldt Forum. Es geht es nicht nur um juristische Tatbestände, sondern auch um Befindlichkeiten, Symbolik und ein andauerndes Herrschaftsgefälle zwischen Europa und Afrika.

Kopf aus Bronze
  1. DebatteMuseum
  2. RiffBuch

Das Auge Napoleons

Natürlich ist Kunstraub kein Kavaliersdelikt. Als aber Vivant Denon in der Nachhut von Napoleons Kriegszügen Kunstwerke konfizierte, hatte das einen spannenden Nebeneffekt. In Paris entstand ein Weltmuseum, geordnet nach Ländern und Schulen, der spätere Louvre.

Bronzestatue, im Hintergrund Bäume im Herbst
  1. DebatteMuseum
  2. Digitalisierung

Sprachkürze bringt Denkweite

Museen brauchen Internet-Profis, oder aber die Kuratoren müssen selbst am Ball bleiben. Es lässt sich aber auch lernen von den Fehlern der Pioniere, etwa des Metropolitan Museum.

Menschen auf den Stufen eines großen Museums
  1. DebatteMuseum

Projektmanagement

Paul Spies, Direktor des Stadtmuseum Berlin, sagt, warum neue Teamstrukturen im Museum von zentraler Bedeutung sind. Er erläutert seine Pläne und spricht über seine Werte und Überzeugungen.

Paul Spies
DebatteMuseum