Chefin des Weltbiodiversitätsrats: „Es geht nicht um Luxusfragen, es geht um Existenzfragen“

Die Biologin Anne Larigauderie sieht Deutschland in der Verantwortung, bei internationalen Verhandlungen Druck zu machen

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Es handelt sich um ein Luftbild, das auf der linken Seite intakten tropischen Regenwald und auf der rechten Seite eine leere Fläche mit Baggern und Lastwagen zeigt. Dargestellt wird Waldzerstörung in Malaysia, um Platz für Ölpalmenplantagen zu schaffen.

2021 wollen die Staaten der Erde beschliessen, ob sie bis 2030 gemeinsame Ziele für den Naturschutz verfolgen und wie sie diese erreichen können. In der vergangenen Dekade sind ähnliche Bemühungen weitgehend gescheitert. Wird sich das nun ändern?

Die französische Biologin Anne Larigauderie widmet ihr Leben dem Schutz der Biodiversität – zuerst als Forscherin und nun als Generalsekretärin des Weltbiodiversitätsrats IPBES, einer zwischenstaatlichen Organisation unter dem Dach der UN-Umweltbehörde. Der Rat soll in den entscheidenden Monaten für die Lebensvielfalt auf der Erde die Stimme der Wissenschaft sein.

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Frau Larigauderie, Sie leiten den Weltbiodiversitätsrat, der wissenschaftliche Empfehlungen für den Schutz der biologischen Vielfalt gibt. Doch viele Menschen wissen gar nicht, was Biodiversität ist. Einer Umfrage des Bundesamts für Naturschutz zufolge konnte mehr als die Hälfte der Deutschen mit dem Begriff „biologische Vielfalt“ wenig bis gar nichts anfangen.

Larigauderie: Ich habe das auch gelesen, kann es mir aber irgendwie gar nicht vorstellen, denn die Deutschen sind doch sehr umweltbewusst und wissen doch eigentlich gut Bescheid. Vielleicht ist es nur eine Frage des Begriffs? In meinem Heimatland Frankreich ist Biodiversität inzwischen ein regelrechtes Modewort. Früher habe ich diesen Begriff kaum verwendet, wenn ich über meine Arbeit gesprochen habe. Neulich beim Friseur ist er mir aber rausgerutscht und die Reaktion war: „Biodiversität? Das ist so cool.“ Ich glaube da tut sich was.

Wie würden Sie jemanden erklären, was Biodiversität ist, der nichts mit dem Begriff anzufangen weiß?

Larigauderie: Biodiversität ist der Reichtum des Lebens auf der Erde, vom Kleinsten, wie einem Virus oder dem Erbgut einer Pflanze, über zur großen Vielfalt der Arten bis hin zu ganzen Ökosystemen, die so unterschiedlich sein können wie arktische Tundra und tropische Regenwälder. Dieser Reichtum des Lebens ist auch die Grundlage unserer Existenz, unserer Nahrung, unseres Wassers, vieler Medikamente und anderer Dinge, die wichtig und bedeutend für unseren Alltag sind.

Die Wissenschaftler des Weltbiodiversitätsrats warnen davor, dass im 21. Jahrhundert jede achte Art aussterben könnte und die Korallenriffe abzusterben drohen. Doch noch immer ist der Schutz der Lebensvielfalt nur ein Randthema der Politik. Warum?

Larigauderie: Beim Schutz der Lebensvielfalt geht es nicht nur um seltene Arten, es geht auch nicht nur darum, Praktiken in der Landwirtschaft zu verändern oder die Umwelt weniger zu verschmutzen. Die Wurzel dafür, dass wir den Reichtum der Natur zerstören, ohne dass dies tagtäglich Schlagzeilen macht, liegt viel tiefer – in unseren Werten, unserem Verhalten und unserer grundsätzlichen Beziehung zur Natur. Daran müssen wir jetzt auf dem Weg zu der großen UN-Konferenz 2021, bei der die Staaten der Erde neue Ziele für den Schutz der Lebensvielfalt bis 2030 beschließen sollen, arbeiten.

„Hunderte Milliarden Dollar“ für Naturzerstörung

Über Klimaschutz spricht die Welt, über Naturschutz dagegen nicht. Warum gelingt es nicht, für das Artensterben die gleiche Aufmerksamkeit zu erreichen wie für den Klimawandel?

Dargestellt ist Anne Larigauderie mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck. Sie hat die Hände vor dem Gesicht zusammengefaltet und blickt in die Ferne.
Die Stimme der Wissenschaft: Die Biologin Anne Larigauderie hat in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn untersucht, wie Pflanzen auf Umweltstress und eine erhöhte Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre reagieren. Seit vielen Jahren ist sie damit beschäftigt, weltweite Forschungsanstrengungen zur Biodiversität zu stärken.
Gibt es von den meisten Vogelarten zumeist keine besonders positiven Nachrichten zu berichten, verhält es sich beim Kranich anders. Die Kranichpopulation in Europa ist in den vergangenen drei Jahrzehnten sehr stark angestiegen.

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