Der Schatz am Storeknuten

Bisher ist Europa bei Phosphor fast vollständig abhängig von Importen. Nun will ein Unternehmen in Norwegen eine neue Phosphat-Mine eröffnen.

16 Minuten

Der Storeknuten sieht aus, als wäre er immer schon dagewesen. Ein Berg aus runden Felsen, fest und unverrückbar. Und tatsächlich ist hier lange nicht viel passiert. Doch auch am Storeknuten steht die Zeit nicht still.

Als er vor etwa einer Milliarde Jahren aus der Tiefe der Erde aufgestiegen ist, hat er nicht nur die runde Kappe aus Anorthosit-Gestein mitbekommen, die jetzt in die Landschaft ragt, sondern auch einen geschichteten Unterbau aus anderen Mineralen, darunter Magnetit, Ilmenit und Apatit.

Das klingt zunächst vielleicht nicht sehr aufregend, doch in diesen Schichten lagern Vanadium, Titan und Phosphor – drei Elemente, die im aktuellen Lauf der Welt sehr bedeutend geworden sind. Alle drei stehen auf der Liste der kritischen Rohstoffe der Europäischen Union, als „wirtschaftlich wichtigste Rohstoffe mit hohem Versorgungsrisiko“.

Besonders kritisch ist die Lage beim Phosphor. Er ist als Dünger in der Landwirtschaft und damit als Grundlage für unsere Nahrungsmittelerzeugung unersetzlich. Doch für die Versorgung mit diesem essenziellen Rohstoff ist Europa bisher nahezu vollständig auf Importe angewiesen. Dazu kommt, dass die Lagerstätten, aus denen die Welt den wichtigen Rohstoff bezieht, in wenigen Ländern konzentriert sind, vor allem in Marokko und in kleinerem Umfang in China, Algerien, Syrien und einigen anderen Staaten.

Das alles könnte nun dazu führen, dass es mit der Ruhe am Storeknuten bald vorbei ist. Der Berg liegt in der Provinz Rogaland im Südwesten Norwegens. Stavanger, die Hauptstadt der norwegischen Öl- und Gasindustrie, liegt nur sechzig Kilometer entfernt an der Küste. Jahrzehntelang lag der Fokus der norwegischen Wirtschaft auf den fossilen Schätzen unter dem Meer.

Die Vorgänge unter dem Storeknuten dagegen waren allenfalls von akademischem Interesse. Doch nun zeigt sich, dass diese Erdgeschichte wirtschaftlich und strategisch für ganz Europa relevant sein könnte.

Ein Wissenschaftler, der die ungewöhnliche geologische Formation schon früh untersucht hat, ist Henrik Schiellerup vom Norwegischen Geologischen Dienst (NGU). Die komplizierte Geologie der sogenannten „Bjerkreim-Sokndal Intrusion“, zu der der Storeknuten gehört, begeistert ihn heute noch.

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Im Vordergrund ein Hügel mit roten Baumarkierungen
Vier weiße Schafe, eins mit Glocke, schauen versonnen in die Landschaft
Ein Mann beugt sich in der felsigen Landschaft über eine Karte.
Nahaufnahme einer geologischen Karte, die die hufeisenförmige Anordnung der Schichten zeigt

Schiellerup hat nicht nur die Entstehungsgeschichte des Storeknuten und der umliegenden Berge genau untersucht.

Er verfolgt auch die Entwicklungen der Gegenwart und beobachtet, wie sich die Interessenlage rund um den Storeknuten verändert. Es sind nicht länger nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Vorgänge in der Tiefe erforschen, sondern zunehmend auch Unternehmen.

Der Gründer aus der Schweiz

Über Jahrtausende hinweg haben vor allem Flechten, Moose und Schafe von dem Phosphor profitiert, der langsam aus dem Gestein heraus verwittert und die umliegenden Wiesen nährt.

Das soll sich nun ändern. Zumindest wenn es nach den Vorstellungen des Schweizers Michael Wurmser geht. Denn der wittert in den schroffen Felsen ein gutes Geschäft. Darum hat er 2018 ein eigenes Bergbau-Unternehmen gegründet, Norge Mining, und sich seitdem 61 Bergbau-Lizenzen gesichert – ein Gebiet fast so groß wie der Bodensee.

Wurmser kommt aus dem Finanzwesen. Er lebt in London und hat über viele Jahre Regierungen, Investoren und Unternehmen beraten. Aus einer Hotel-Lobby am Rande einer Batterie-Konferenz in Deutschland beschreibt er per Video-Call mit viel Elan seinen business case, spricht von leverage und impact, von Wertschöpfung und Lieferketten, von Bevölkerungswachstum und food security, von Nachhaltigkeit und green transition.

In alledem könnten die Rohstoffe vom Storeknuten eine wichtige Rolle spielen: Phosphat nicht nur als Dünger, sondern in Form von Lithium-Eisenphosphat (LFP) zunehmend auch als Bestandteil von Batterien, Titan in der Metallverarbeitung und Vanadium ebenfalls als Stromspeicher. Und die veränderte geopolitische Lage mache es nur noch dringender, diese Rohstoffe innerhalb von Europa zu fördern, so Wurmser.

„Als wir mit der Erkundung in Südnorwegen angefangen haben“, erzählt er, „da interessierten wir uns zunächst für das Potenzial des Phosphat-Marktes, der ein gesundes Wachstum verspricht. Aber dann, als der Krieg in der Ukraine ausgebrochen ist, hat sich unser gesamter Fokus komplett verändert. Jetzt geht es nicht mehr darum, wieviel das Unternehmen von dem künftigen Wachstumspotenzial des Phosphat-Marktes abschöpfen kann, sondern zusätzlich wie viel von dem weggefallenen supply können wir ersetzen? Denn Sie können davon ausgehen, dass aus Russland und aus China so gut es geht niemand hier mehr Rohstoffe beziehen will.“ Stattdessen werde nach sicheren und vertrauenswürdigeren Quellen gesucht, so Wurmser.

Doch bevor der Phosphor aus Norwegen irgendeinen supply ersetzen oder eine Nachfrage befriedigen kann, sind noch viele Arbeitsschritte notwendig. Denn die Rohstoffe lagern tief unter der Erde und die früheren Messungen sind nicht annähernd genau genug, um eine Mine planen zu können.

Deswegen hat Norge Mining in den vergangenen Jahren über 150 Erkundungsbohrungen in der Region durchführen lassen, jede einige hundert Meter tief in den Fels, eine sogar über zweitausend Meter tief. Viele lagen an Straßen und Wegen, andere abseits im Gelände, so dass das Bohrgerät mit dem Hubschrauber eingeflogen werden musste.

Die Bohrteams kommen aus aller Welt. Sie arbeiten im Sommer tagsüber in zwei Schichten, im Winter rund um die Uhr, damit die Bohrer nicht festfrieren.

Bohrvorrichtung am Ufer eines spiegelglatten Sees
Nahaufnahme des Bohrgestänges
Techniker in oranger Sicherheitskleidung sitzt im Fahrstand der Bohrvorrichtung
Ein Bohrkern wird aus dem Bohrloch entnommen.
Ein Mann arbeitet mit einer sehr großen Zange an einem Bohrstab
Ein Ende des Bohrkerns aus der Nähe: dunkelgrauer, nasser Stein
Ein Techniker vermisst einen Bohrstab.
Ein Mann in legt mehrere dunkelgraue Bohrkerne parallel in eine passgerechte Plastikwanne

Der rumänische Teamleiter Romică Apetroaiei und seine Kollegen Ungureanu Laurențiu und Bulzesc Bogdan sind Spezialisten für Tiefbohrungen.

Sie achten auch darauf, dass die Spülflüssigkeit im Kreislauf geführt wird. Sie dient unter anderem dazu, das Bohrgestänge zu schmieren und zu kühlen.

Je nach Gesteinstyp bohrt das Team zwanzig bis vierzig Meter am Tag.

Der steinerne Bohrkern wird in einem Metallgehäuse durch das Bohrloch an die Oberfläche geholt.

Die Probebohrungen sind für ein Bergbau-Projekt eine kritische Phase. Das unternehmerische Risiko ist hoch, vor allem, wenn in dem Gebiet bisher noch kein Bergbau stattfindet.

„Als wir Ende 2019 anfangen wollten mit den Bohrungen, da waren alle Bohrtürme mitsamt den zugehörigen Teams ausgebucht“, berichtet Michael Wurmser von den frühen Tagen des Projekts.

„Bohrtürme sind große technische Geräte, die unter normalen Umständen schwierig zu finden sind und zudem ein Vermögen kosten, was für viele Start-up Bergbauprojekte problematisch ist. Darum waren wir froh, als wir uns als frisch gegründetes Jung-Unternehmen gerade noch einen Bohrturm mit Bohrteam sichern könnten. Den haben wir dann in letzter Minute vor dem weltweiten Corona-Lockdown im März 2020 nach Norwegen einfliegen lassen. Und eine Woche später wurden wir dann von überall auf der Welt mit Angeboten geradezu überschwemmt“, erzählt Wurmser weiter. “Alles ging plötzlich in den silent mode über. Pandemie. Niemand wollte noch einen Cent ausgegeben. Und da haben wir gesagt, cool, da mieten wir doch grad sechs Stück zum Preis von einem!“

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Großer Lagerschuppen aus Holz, daneben lange Stapel mit Bohrkernkästen
Blick ins Lagerhaus mit langen Tischreihen, auf denen die Kästen mit den Bohrkernen liegen.
Ein junger Mann in neongelber Arbeitsjacke beugt sich über einen langen Tisch, auf dem viele Bohrkerne ausgelegt sind.
Große Holzkiste mit ca. zwanzig Zentimeter langen Bohrkernabschnitten in Plastiktüten verpackt

Die Bohrteams liefern alle Bohrkerne ein paar Kilometer entfernt in einem Lagerhaus ab, das alle nur „den Kern-Schuppen“ nennen.

Dort nehmen der Geologe Askil Bryn und seine Kolleginnen und Kollegen sie zum ersten Mal genauer in Augenschein.

Nach der ersten Datenerfassung werden die Bohrkerne der Länge nach aufgesägt. Eine Hälfte geht am Stück ins Archiv, die andere zerlegt und abgepackt ins Labor zu weiteren Untersuchungen.

Ein Muster aus verschiedenen Kristallen, ähnlich einer Landkarte eines Archipels
Im Labor werden unter anderem Dünnschliffe angefertigt, hauchdünne, fast durchsichtige Scheiben aus Stein. Und hier, unter dem Mikroskop, kann man die winzigen Apatitkristalle (ap), die den Phosphor enthalten, zum ersten Mal sehen.

Alle Daten aus dem „Schuppen“ und aus dem Labor fließen weiter in den Computer von Jonathan Russill, dem Projektmanager bei der britischen Bergbau-Beratungsfirma SRK. Russill ist Geophysiker und begleitet schon seit vielen Jahren Rohstofferkundungen in aller Welt. In seinem 3D-Modell entwickelt sich mit der Zeit ein immer präziseres Bild von der Verteilung der Minerale in den verschiedenen Schichten unter dem Storeknuten. Schritt für Schritt, Bohrkern für Bohrkern, wird in seinem Computer aus den erstarrten Magmaströmen der Vorzeit eine Ingenieursaufgabe.

„Das Modell hilft uns, die Informationen aus den Bohrlöchern zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen“, erklärt Russill. „Das ist auch die Basis für die geostatistische Analyse aus der sich dann abschätzen lässt, wie ergiebig das Vorkommen ist.“ Bisher seien die Daten vielversprechend, so Russill, an einigen Stellen würden sie sogar die Erwartungen übersteigen. Für eine abschließende Schätzung sei es aber noch zu früh.

Doch selbst wenn das Vorkommen sich als ganz ausgezeichnet erweisen sollte, gäbe es noch viele andere Faktoren, die berücksichtigt werden müssten, bevor man wirklich eine Phosphormine eröffnen könne, so Russill. „Es ist nicht nur die Geologie, die eine Rolle spielt“, sagt er, „sondern zum Beispiel auch die Bewegung des Wassers in der Erde, oder die Stabilität der Felsen, sowohl an der Oberfläche als auch in der Tiefe.“ All dies müsse bei der Konzeption einer Mine berücksichtigt werden.

„Ja, es sind eine Menge Ringe, durch die wir springen müssen, bevor wir mit dem Abbau beginnen können“, sagt auch Monika Øksnes und lacht dabei. Sie ist die Geschäftsführerin von Norge Mineraler AS, der Tochterfirma von Norge Mining mit Sitz in Egersund, einem wichtigen Fischereihafen nur wenige Kilometer südlich des Storeknuten. Bei ihr laufen die Stränge des Explorationsprojekts zusammen – sowohl die Arbeit der Geologen und Ingenieure als auch die vielen Genehmigungsprozesse und die Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden und den Anwohnern in der Region.

„So ein Bergbau-Vorhaben ist ein langer Planungsprozess mit vielen klar definierten Stufen“, sagt sie. „Das geht von den ersten Erkundungen über eine Machbarkeitsstudie bis hin zu einem Konzept für die komplette Mine inklusive Verkehrskonzept, Energiekonzept, Umweltkonzept, einer Planung für die verschiedenen Neben- und Abfallprodukte, einer Planung für mögliche Erweiterungen der Mine und noch viele anderer Aspekte bis schließlich zum Rückbau und den Renaturierungsmaßnahmen. Wir müssen die Mine über ihre gesamte Lebenszeit betrachten. Und die kann durchaus einige Generationen umfassen. Es liegt also noch eine Menge Arbeit vor uns.“

Bergbau in Europa – Lohnt sich das?

Im Planungsprozess wird sich auch zeigen, ob das Ganze am Ende wirtschaftlich ist. Lange galt Bergbau in Europa als nicht profitabel. Zu viele Auflagen, zu teuer. „Aber an sich“, hält Jonathan Russill dagegen, „ist Bergbau in Europa nicht viel teurer als anderswo.“ Die Personalkosten seien zwar oft höher, dafür sei aber auch die Infrastruktur meist wesentlich besser. „Wenn Sie erst sechshundert Kilometer Eisenbahn bauen müssen, damit Sie Ihren Rohstoff überhaupt auf den Markt bringen können, dann sind das ja auch erhebliche Kosten“, sagt er.

Eine junge Frauim schwarzen Anzug sitzt im Fenster eines Büros mit Blick auf die Hafenausfahrt
Eine große leere Büroetage mit großen Fenstern und Blick auf den Hafen; in der fernen Ecke eine Sitzgruppetbd

Normalerweise dauere es von den ersten Probebohrungen bis zum Beginn des Abbaus zehn bis fünfzehn Jahre, so Øksnes. „Wir haben 2018 angefangen. Und wir hoffen, dass wir es bis 2028 schaffen.“

Das neue Büro von Norge Mineraler im Hafen von Egersund ist jedenfalls auf Zuwachs ausgelegt. Sollte das Vorhaben die nächste Phase erreichen, erwartet Monika Øksnes eine ganze Reihe neuer Mitarbeiter.

Ein Mann im mittleren Alter, kurze graue Haare, in Daunenweste und kariertem Hemd in einer weiten, hügeligen Landschaft
Erik Joa am Storeknuten

Erik Joa ist schon da. Seine Aufgabe ist es, die Menschen vor Ort, die von dem Bergbau-Vorhaben betroffen sein könnten, in die Planungen einzubeziehen. Er kennt inzwischen fast alle Landeigentümer im Explorationsgebiet, geht regelmäßig von Tür zu Tür, um die Anwohnerinnen und Anwohner zu informieren und auch, um zu hören, wo es möglicherweise Vorbehalte gibt.

Generell sei die Stimmung gegenüber dem Minen-Vorhaben nicht schlecht, sagt Joa. Am Anfang habe es mehr Bedenken gegeben, aber langsam gewöhnten sich die Menschen an den Gedanken. „Ich warte allerdings darauf, dass wir bald in die nächste Projektphase kommen und das Minen-Konzept klarer wird.“ Dann könne er viel konkreter mit den Menschen vor Ort sprechen.

Vor allem die Frage, ob die Rohstoffe im Tagebau oder untertage durch ein Tunnelsystem gefördert werden sollen, beschäftigt die Leute, denn der oberirdische Abbau würde einen deutlich größeren Eingriff in die Landschaft mit sich bringen. „Das sind dieselben Fragen, die wir uns auch stellen“, sagt Øksnes. „Im Moment prüften die Experten beide Varianten.“ Es sei jedoch bei dieser Art von Lagerstätte durchaus üblich, die Rohstoffe im Tagebau zu fördern, so Øksnes. „Wenn sich zeigt, dass das auch in diesem Fall die beste Variante ist, dann werden wir das auch transparent kommunizieren.“ Sie ist zuversichtlich, dass ein solches Projekt in der Region Akzeptanz findet. „Ich denke, wir haben gezeigt, dass wir sorgfältig und professionell arbeiten, und dass wir die Frage der Nachhaltigkeit sehr ernst nehmen.“

„We have to walk the talk“, sagt Erik Joa auf dem Weg vom Firmensitz im Hafen zurück zum Storeknuten. „Wir müssen zu dem stehen, was wir behaupten.“ Er ist selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen, hat Agrarwissenschaften und Landtechnik studiert, war eine Zeitlang bei der Armee und ist in Sachen Landmaschinen und später auch Bergbau-Gerät weit in der Welt herumgekommen. „Ich bin nicht von hier“, sagt er. Aber, und das zähle viel mehr, „eben auch nicht aus Oslo!“ Die Leute auf dem Land merkten sehr schnell, wenn man ihnen etwas vormachen wolle, so Joa. „Deswegen müssen wir klar und offen mit ihnen sprechen. Denn ohne die Zustimmung der Menschen vor Ort kann das ganze Projekt nicht gelingen.“

Die Gegend um den Storeknuten ist dünn besiedelt, der Boden karg. Der Dybing-Hof zwischen den Felsen ist seit Jahrhunderten in Familienbesitz. „Wahrscheinlich seit der Reformation“, sagt Geir Asmund Dybing, „mindestens aber seit 1603.“ Das könne man in den Kirchenbüchern genau nachvollziehen. Seine drei Monate alte Tochter ist die achtzehnte Generation der Familie, die hier lebt. Die Straße zum Hof heißt Dybingveien, der See Dypingstjørni. Auch Dybings Eltern, Annette und Aadne Hetland, leben auf dem Hof.

Ihre gut fünfzig Hektar Land, siebzig Schafe und vierzehn Milchkühe bewirtschaftet die Familie im Nebenerwerb. Annette Hetland arbeitet bei der Landwirtschaftskammer, ihr Mann ist Logistikplaner bei einer Firma in der Nähe, der Sohn ist Baggerführer. Schon jetzt finden einige der Probebohrungen auf ihrem Land statt. Dafür hat das Bergbau-Unternehmen einige Wege neu geschottert, das Minenprojekt bringt also nicht nur Nachteile. Joa ist oft vor Ort und spricht mit der Familie über den Projektfortschritt.

Eine Ansammlung Häuser in einer weiten hügeligen Landschaft
Vier Menschen stehen im Halbkreis und reden; auf dem felsigen Hang hinter ihnen grasen Kühe
Zwei Männer und eine Frau im Gespräch
Ein junger Mann mit Schirmmütze und Arbeitskleidung im lebhaften Gespräch

„Wenn es wirklich passiert, können wir es sowieso nicht aufhalten“, sagt Dybing über die mögliche Phosphormine auf seinem Land. Als Baggerfahrer habe er in anderen Projekten miterlebt, dass Menschen gezwungen werden können, ihr Land aufzugeben. „Wir würden wahrscheinlich kooperieren. Aber dann erwarten wir, dass wir angemessen entschädigt werden.“

Natürlich seien sie sich der großen Bedeutung bewusst, die Phosphor für die Landwirtschaft und potenziell auch für die norwegische Wirtschaft habe. „Wenn die Welt den Phosphor braucht“, sagt Aadne Hetland, „dann wollen wir nicht im Wege stehen.“ Doch als sich die Gruppe auflöst und Erik Joa wieder in sein Auto steigt, ergänzt Annette Hetland leise: „Aber wir hoffen, dass es nicht so weit kommt.“

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Schotterfläche am Straßenrand in bergiger Landschaft; aus dem Wald steigen Wolken auf
Eine Schotterfläche am Rand einer schmalen Straßen in einer bewaldeten, bergigen Landschaft

Noch ist in der Landschaft von dem neuen Bergbau-Vorhaben nicht viel mehr zu sehen als ein paar geschotterte Bohrstellen.

Und doch kann es sein, dass es die Zukunft Norwegens bald entscheidend mit beeinflusst.

Bergbau oder Recycling?

“An sich finde ich es richtig, Phosphor auch in Europa abzubauen“, sagt Ludwig Hermann, der Vorsitzende der European Sustainable Phosphorus Platform (ESPP), einer Vereinigung von über 150 Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die sich mit nachhaltigem Phosphormanagement in Europa beschäftigen. „Höhere Resilienz bei der Rohstoffversorgung, wie sie ja auch von der EU-Kommission gefordert wird, heißt einfach, auch in Europa eigene Bergbauvorhaben zu haben“, erklärt Hermann. „Ich bin allerdings gespannt, wie das ausgeht. Wenn ich immer wieder lese, wie schwer es ist, irgendwo einen Solarpark zu bauen oder ein Windrad, wie wird das erst, wenn jemand eine Mine aufmachen will?“

Natürlich dürfe man trotz neuer Vorkommen das Recycling nicht aus den Augen verlieren, betont er. Aber möglicherweise würde der Phosphorabbau in Europa die Rückführung des Rohstoffs in den Kreislauf sogar befördern. „Wenn die Kosten für den Phosphatabbau steigen“, sagt Hermann, also etwa durch strengere Umweltauflagen oder höhere Personalkosten, „dann wird das Recycling konkurrenzfähiger.“

Wer am Ende vom Phosphor am Storeknuten profitieren wird, entscheidet sich in den kommenden Jahren.

Phosphor ist ein essenzieller Rohstoff und es gibt wirtschaftlich und strategisch gute Gründe für einen Abbau in Europa. Und wenn das in Norwegen nicht nachhaltig möglich ist, wo dann?

Doch auch wenn der Phosphat-Abbau nachhaltig betrieben wird – ein Beitrag zu einer Kreislaufwirtschaft, die vorhandene Rohstoffe immer wieder neu nutzt, ist er nicht. Mit dem Projekt in Norwegen würde sich die Menge an Phosphor, die wir Menschen aus dem Untergrund heraufholen und in die Umwelt freisetzen, weiter erhöhen, oft mit schwerwiegenden Folgen für Gewässer und Ökosysteme.

Das zu ändern ist eine weitaus größere Aufgabe.

Das Rechercheprojekt Phosphorama wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gefördert. Die DBU nimmt keinerlei Einfluss auf die Inhalte unserer Berichterstattung. Nähere Informationen finden Sie hier.

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