Phosphor in Zahlen: Konzentrierte Macht auf dem Weltmarkt

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Zahlen und Daten sind eine unverzichtbare Grundlage für unsere Berichterstattung im Phosphorama. Darum tragen wir in unserer Reihe „Phosphor in Zahlen“ die wichtigsten Statistiken zusammen und bereiten sie grafisch auf, so dass sie für unsere Leserïnnen schnell greifbar und nachvollziehbar sind.

Wie bei allen Rohstoffen spielt auch beim Phosphor die geopolitische Situation eine wichtige Rolle. Wie die meisten Länder der Europäischen Union ist auch Deutschland bei Phosphor zu 100% von Importen abhängig.

Die weltweiten Reserven an phosphorhaltigen Mineralien sind zudem auf wenige Länder konzentriert. Da Phosphor für die landwirtschaftliche Produktion unverzichtbar ist, werden diese Länder langfristig großen Einfluss auf die weltweite Nahrungsmittelproduktion haben.

Um weniger abhängig von globalen Stoffströmen und Preisschwankungen zu werden, soll in Deutschland künftig ein Teil des Phosphors, den wir verbrauchen, recycelt werden.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt deutlich, wie sich die Machtverhältnisse in Zukunft verschieben könnten.

Auf einer Weltkarte sind die Länder mit den größten Phosphat-Reserven markiert. Es sind dies in absteigender Reihenfolge: Marokko (und West-Sahara), China, Algerien, Syrien, Brasilien, Saudi-Arabien, Südafrika, Ägypten, Australien, Finnland, Jordanien, USA.
Die Länder mit den größten Phosphat-Reserven

Abb 1: Mit 50 Milliarden Tonnen sind die bei weitem größten Phosphat-Reserven in Marokko und im von Marokko beanspruchten Territorium Westsahara. Die nächst größeren Reserven hat China mit 3,2 Milliarden Tonnen. Die übrigen der dargestellten Länder haben Phosphat-Reserven von 1,0 bis 2,2 Milliarden Tonnen.

Erstellt mit Datawrapper und eigene Grafik. Daten: US Geological Survey 2020.

In einem Balkendiagramm sind die Phosphat-Fördermengen in den Jahren 2017 und 2018 für die zehn größten Förderländer abgebildet.
Fördermengen Phosphat 2017 und 2018

Abb. 2: Die größten Förderländer sind China, Marokko und die USA. China förderte 2017 über 120 Millionen Tonnen Rohphosphat, 2018 mit etwa 95 Millionen Tonnen deutlich weniger. Das zweitgrößte Förderland ist Marokko mit ca. 30 Millionen Tonnen in 2017 und etwa 37 Millionen Tonnen in 2018. Die USA haben in beiden Jahren um die 25 Millionen Tonnen Phosphat abgebaut. Die übrigen dargestellten Förderländer Russische Föderation, Peru, Jordanien, Saudi-Arabien, Brasilien, Ägypten und Südafrika haben jeweils um oder weniger als 10 Millionen Tonnen Phosphat abgebaut.

Angaben für Marokko ohne Westsahara. Daten: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) 2020

In einem Liniendiagramm ist der Phosphorpreis auf dem Weltmarkt in US-Dollar pro Tonne für die Jahre 1960 bis 2019 abgebildet. 1960 liegt er bei 70 USD, 2019 bei etwa 90 USD.
Phosphorpreise global (1960–2019)

Abb. 3: Der Preis für Phosphor auf dem Weltmarkt war seit den 1960er Jahren über lange Zeit auf relativ niedrigem Niveau stabil. Ausnahmen sind die Preisspitzen in den 70er Jahren („Ölkrisen“) und um 2008 („Finanzkrise“). Anders als nach der zweiten Ölkrise 1978 ist der Preis nach 2008 bisher nicht wieder auf das ursprüngliche Niveau gesunken.

Daten: World Bank: CMO Historical Data Annual („Pink Sheet“) 2020

Ein kombiniertes Balken- und Liniendiagramm zeigt den Phosphorverbrauch in der Landwirtschaft in Deutschland und die Ausgaben für Phosphat in den Jahren 1999 bis 2019. Die Ausgaben für Phosphor betrugen im Wirtschaftsjahr 1999/2000 etwa 250 Millionen Euro. Im Wirtschaftsjahr 2018/19 waren es etwa 160 Millionen Euro. Der Phosphorverbrauch hat sich seit 1999 etwa halbiert.
Phosphor-Verbrauch in Deutschland und Preis

Abb. 4: Die Ausgaben für Phosphor in Deutschland sind über die letzten Jahre gesunken, jedoch weniger stark als die Abnahme des Phosphorverbrauchs in der Landwirtschaft erwarten lassen würde. Grund ist der gestiegene Phosphorpreis auf dem Weltmarkt, vor allem im Zeitraum seit 2008 (siehe Abb. 3).

Die Jahreszahlen beziehen sich auf das Wirtschaftsjahr, das am 1. Juli beginnt und am 30. Juni des Folgejahres endet. Phosphormengenangaben beziehen sich auf den P2O5-Gehalt. Daten: Destatis 2003–2019

Das Rechercheprojekt Phosphorama wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gefördert. Die DBU nimmt keinerlei Einfluss auf die Inhalte unserer Berichterstattung. Nähere Informationen finden Sie hier.

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