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Das Menschenzeit-Projekt, Folge 4: Die Erde als Labor – von Käseglocken, Sowjet-Containern und Wüstenträumen

10 Minuten
Verschiedene Pflanzen, Botanischer Garten Berlin

Was zuletzt geschah: Paul Crutzen stellt die revolutionäre Anthropozän-Hypothese auf: Sie besagt, dass wir Menschen die Erde nicht nur in geschichtlichen, sondern in erdgeschichtlichen Dimensionen verändern. Vor uns haben das schon andere Lebewesen getan, vor allem Cyanobakterien, die unsere Atmosphäre schufen. Im Gegensatz zu ihnen gehen wir Menschen aber in neuerer Zeit bewusst vor…

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Über Jahrhunderte interessierten sich die Gesellschaften im christlichen Kulturkreis relativ wenig dafür, wie die Welt um sie herum funktioniert und wie existenziell wir Menschen auf die Natur angewiesen sind. Sie begnügten sich mit der Idee eines Schöpfergotts, der den Menschen an die Spitze seines Werks gesetzt hat. Wie Tiere, Pflanzen, Atmosphäre und Menschen zusammenwirken, wie die Vielfalt der Arten und die Luft zum Atmen entstanden war, spielte aufgrund der simplen religiösen Behauptungen keine Rolle.

Das änderte sich erst mit der Neugierde und dem Experimentierdrang, der mit der modernen Wissenschaft in die Welt kam. Und mit der Methode, Phänomene in ihre Bestandteile zu zerlegen und isoliert zu untersuchen.

Einer der ersten Wissenschaftler, der damit begann, das Zusammenwirken von Lebewesen auf der Erde systematisch zu ergründen, war der britische Chemiker, Theologe, Philosoph und Physiker Joseph Priestley. 1772 begründete er unwissentlich die Disziplin der Erd-Modellierung. Heute steht den Forschern in diesem Bereich ein Schwarm von Satelliten zur Verfügung, um die Erde zu vermessen; Sonden an Land und im Meer, die rund um den Globus verteilt sind; Supercomputer, mit denen sie Daten auswerten können.

Die Geheimnisse der Luft

Priestley, der in seiner Experimentierstube dem Element Sauerstoff auf der Spur war und zu dessen Entdeckern zählen sollte, arbeitete mit ungleich einfacheren Mitteln – mit Mäusen und Käseglocken.

In seinem Haushalt starben die Mäuse nicht wie üblich durch Springfallen und Katzen, sondern im Dienst der Wissenschaft. Priestley fand es bemerkenswert, dass Mäuse ihr Leben aushauchten, wenn er sie unter einer Glasglocke einsperrte. Noch größer war seine Überraschung, als er ausprobierte, was passiert, wenn man eine lebende Pflanze mit dazugibt: die Mäuse überlebten.

Skizze von verschiedenen Werkzeugen und Utensilien von Joseph Priestley
Am Anfang stand die Isolation.
Weltweit beachtet: Das „Biosphere Project“ in der Wüste von Arizona war der bisher aufwändigste Versuch, ein geschlossenes künstliches Ökosystem zu betreiben. Die Bewohner erlebten zahlreiche Überraschungen.
Weltweit beachtet: Das „Biosphere Project“ in der Wüste von Arizona war der bisher aufwändigste Versuch, ein geschlossenes künstliches Ökosystem zu betreiben. Die Bewohner erlebten zahlreiche Überraschungen.
Eine Art Terrarium in dem man Steine und Pflanzen sieht. An der Vorderseite befindet sich eine Klappe.
Ökosystem en miniature: Nach den Pionierversuchen von Priestley kamen isolierte Formen von Natur in Mode, die aber nicht vollkommen abgeschlossen waren. So nutzten Botaniker die sogenannten Wardschen Kästen, um Pflanzen um die Welt zu transportieren. Das Exponat im Bild ist im Naturmuseum der California Academy of Sciences in San Francisco zu sehen.
Beleuchtete Gewächshäuser in der Dämmerung.
Das Prinzip, künstliche Mikrowelten zu schaffen, hat sich zu wissenschaftlichen Zwecken schnell durchgesetzt. Gewächshäuser wie hier im Botanischen Garten Berlin sind schon länger ein Weg, Pflanzen außerhalb ihrer natürlichen Klimazonen wachsen zu lassen.

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