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Zickzackflug und Ziegengemecker

Die Bekassine – früher ein Allerweltsvogel, heute bei uns eine Rarität.

27.03.2019
4 Minuten
Bekassine

Der ungewöhnliche Name der Bekassine stammt aus dem Französischen und nimmt Bezug auf den langen Schnabel („bec“) des Bewohners von Feuchtgebieten: „Bécassine des marais“ nennen ihn die Franzosen, „Common snipe“ die Engländer. In Deutschland wurde der Vogel, eine von mehr als 80 Schnepfenarten der Welt, lange als Sumpfschnepfe bezeichnet. Doch die Jäger gaben dem französischen Namen schon immer den Vorzug und setzten ihn schließlich durch. Das erleichterte bei den vielen Namen für andere Schnepfen in Europa (Doppelschnepfe, Zwergschnepfe, Waldschnepfe, Uferschnepfe, Pfuhlschnepfe) die Unterscheidung. Aber wenn es um Namen geht, schlägt die Bekassine ohnehin alle Verwandten: Gut 70 verschiedene Bezeichnungen finden sich in manchen vogelkundlichen Büchern. „Himmelsziege“ ist die wohl populärste unter ihnen.

Wer Feuchtgebiete trockenlegt, schadet dem Vogel

Diesen weiteren ungewöhnlichen Namen verdankt die Bekassine einem Geräusch, das die Männchen während ihres Balzflugs in der Luft mit den zwei abgespreizten äußeren Schwanzfedern erzeugen. Nachdem sie über ihrem Brutrevier in eine Höhe von mitunter mehr als 50 Meter aufgestiegen sind, lassen sie sich mit leicht angewinkelten Schwingen in die Tiefe fallen. Beim Sturzflug bringt der „Fahrtwind“ die beiden ausgestellten Federn zum Vibrieren, so dass sie wie das Meckern einer Ziege klingen.

Bis zu einer Stunde können manche Bekassinenmännchen ohne Unterlass auf und ab fliegen und so ein Weibchen auf sich und einen geeigneten Brutplatz am Boden aufmerksam machen. Landen sie schließlich im Gras auf feuchtem Untergrund, geht die Werbung mit lauten Rufen (djeppe-djeppe, tücke-tücke-tücke oder ticka-ticka-ticka) weiter. Jahrhundertelang wurde übrigens erbittert gestritten, ob die Vögel die Meckerlaute mit der Stimme oder mit dem Gefieder erzeugen.

Eine Gruppe Bekassinen steht auf einer überschwemmten Wiese.
Auf überschwemmten Wiesen suchen Bekassinen nach Würmern, Schnecken, Käfern und Larven.
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Carl-Albrecht von Treuenfels

Carl-Albrecht von Treuenfels

Carl-Albrecht von Treuenfels, 1938 in Schwerin/Mecklenburg geboren, kann man als Doyen des deutschen Vogeljournalismus bezeichnen. Für die FAZ hat er etwa 500 Beiträge verfasst – darunter Dutzende Porträts des jeweiligen „Vogel des Jahres“. Er war von 1990 bis 2004 Präsident des WWF Deutschland, seit 2008 ist er Vorstandsvorsitzender der von ihm initiierten Stiftung Feuchtgebiete und bemüht sich seit Jahrzehnten, praktische Hilfe für den Natur- und speziell für den Vogelschutz zu leisten. In der Serie „Meine Vogelbeobachtungen“ präsentiert von Treuenfels Artikel aus seinem Lebenswerk mit aktuellen Kommentaren.


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