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Idyllisches Currywurstland

Imbisseinkehr im ältesten Berlin der Welt

04.09.2019
1 Minute
Ortsschild von „Holstein-Berlin“, an dem das Rad des RadelndenReporters lehnt.

Derzeit ist sie in aller Medien Munde, die Currywurst. Am 4. September 1949 soll sie in Berlin erfunden worden sein. Derweil mehren sich die Indizien, dass das Rezept für „Wurststücke plus rotbraune Mantsche“ einige oder gar dutzende Monate älter ist als 70 Jahre. In Hamburg, Bremen, ja selbst am Nordrhein oder gar in Niedersachsen könnte die Rezeptur wurzeln. Die erste und einzigartige Berliner Currywurst – ein Fake-Schmaus?

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Historische Fakten sind es, die auch ein Stück weit den Nimbus Berlins ankratzen: Die deutsche Hauptstadt ist mitnichten das älteste Berlin. „Ur-Berlin“ liegt etwa 350 Fahrradkilometer nordwestlich von der Hauptstadt Berlin in der Holsteinischen Schweiz. Das 550-Seelen-Dorf gehört zur Gemeinde Seedorf, Amt Trave-Land. „Unser Berlin ist 22 Jahre älter als die Hauptstadt“, heißt es auf der amtlichen Webseite. Zum ersten Mal erwähnt wurde es 1215, gegründet seinerzeit von einem Fürsten namens Berolin.

Unser Berlin ist 22 Jahre älter als die Hauptstadt.

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Nahaufnahme einer Portion Currywurst.
Die Plastikschale lässt sich wiederverwenden – der Inhalt gottlob nicht.
Das Fahhrad lehnt neben dem offenen Eingang des „Berliner Ecks“.
Nach 2.451 Kilometern endlich geöffnet: Imbiss, in dem original Holstein-Berliner Currywürste verkauft werden.
Straßenschild „Kurfürstendamm“ vor einem Dorfhaus und Sandweg in Berlin/Schleswig-Holstein.
Das Straßenschild stammt aus „Hauptstadt-Berlin“, steht aber in „Holstein-Berlin“, das nur rund 500 Einwohner hat.

Meine 2.451 Kilometer lange Rundfahrt durch alle Bundesländer begann und endete unweit von Ur-Berlin. Bei der Durchfahrt auf der ersten Etappe notierte ich mir die Öffnungszeiten des „Berliner Ecks“ – einen Currywurst-Imbiss! Nach Abschluss der letzten Etappe zog es mich noch einmal ins holsteinische Berlin. Ich bestellte Currywurst. Auch wenn mir das Fleisch zu derb und die Soße zu abgestanden und fad schmeckte: Wegen der herrlich wortkargen Mitkundschaft, des klischeehaft misslaunigen Service am Tresen und der kuriosen Adresse „Unter den Linden 1“ habe ich die Einkehr trotzdem genossen, im ältesten Berlin der Welt.

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Martin C Roos

Martin C Roos

Ich texte und fotografiere seit 1996 freiberuflich für Internetmedien, Magazine und Zeitungen. Themen schöpfe ich aus den LifeSciences, aus der Geographie und mitten aus unserem Land, dem ich seit 2018 als RadelnderReporter auf den Zahn fühle. Mit dem Ende 2021 erhaltenen Neustart-Stipendium der VG Wort entsteht eine Art „Kultur-Lexikon des Fahrrads“.


RadelnderReporter

Meine Radrecherchen beginnen oft spontan, immer mit unverstellter Neugierde und gern bei vollem körperlichem und geistigen Einsatz. Unter dem Motto Wie geht’s Deutschland? gab ich 2019 meinen Einstand als RadelnderReporter. Er ist mein Signum und eine Hommage an Egon Erwin Kisch, denn gesellschaftliche Themen treiben mich um. Hier sind Links zu meinen 2021 meistgeklickten Beiträgen, aus den Bereichen Ernährung, Reise und Umwelt. Über das Erscheinen von Texten, Bildern & Clips informiert der kostenlose Newsletter, und hier stehen Infos zu meiner Person sowie zum Deutschlandbuch.


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