Diktator im Anflug

Flug-Sensordaten überwachen Diktatoren

Ein Beispiel für investigativen Journalismus der Dinge.

Jakob Vicari Spielzeugflugzeug zwischen bunten Kabeln

Journalismus der Dinge– Strategien für den Journalismus 4.0 

Ganz ähnlich wie der “ISS-Wächter” aus meiner Anleitung funktioniert auch der Twitter-Bot “GVA Dictator Alert” (@GVA_Watcher). Der freie Investigativ-Journalist François Pilet und sein Cousin, der IT-Spezialist Julien Pilet, haben ihn gemeinsam installiert, um zu überwachen, welche Flugzeuge im Besitz diktatorischer Regimes auf dem Flughafen von Genf starten oder landen.  

Headerbild des Dictator Alert
Der Header der Flugsensor-Seite Dictator Alert


So heißt es dann in einer Twitter-Mitteilung etwa:

“A dictator's plane left #GVA airport: 7T-VPM used by the government of Algeria (Gulfstream IV) on 2018/09/01 at 14:48:53”

Als Sensor dienen sogenannte ADS-B-Empfänger: Alle Flugzeuge senden permanent Daten über Position, Geschwindigkeit, RIchtung, Flughöhe. Flug-Enthusiasten, so genannte Plainspotter, fangen die Daten in ihrem lokalen Gebiet mit Antennen ab und bereiten sie auf. Die Pilets nutzen Empfänger im Kreis Genf.

Auf diese Weise überwachen die Pilets eigenständig beinahe 200 Flugzeuge, die autoritären Regimes gehören, etwa Angola, Algerien oder Kuwait. Sobald eines davon in Genf startet oder landet, versendet Pilets Twitter-Account automatisch eine Nachricht.  Die Auswahl der Maschinen richtet sich dabei nach dem Democracy Index der Economist Intelligence Unit.

Sie mögen sich jetzt fragen, wen das denn interessieren könnte? Der “GVA Dictator Alert” hat derzeit mehr als 17.000 Follower auf Twitter - also weit mehr als so manches andere journalistische Angebot im Internet. Er schafft Transparenz, zeigt, was ansonsten verborgen bliebe. So dient er als Grundlage für weitere journalistische Produkte, etwa eine TV-Dokumentation über das Leben von Diktatoren und deren Familien in Genf. Allein auf Youtube erzielte das Video 165.000 Aufrufe.


Das ist nur ein Beispiel aus dem Journalismus der Dinge. Da draußen gibt es noch viel mehr zu entdecken:: Datenlogger in Flüssen, Städte mit Schusswaffen-Sensoren, Fahrräder mit Abstandssensoren und Hauskatzen mit Kameras: Sie alle sind Rechercheure in unserem Leben. Wie Reporter sie heute schon einsetzen, um Geschichten zu erzählen, diese Beispiele sammle ich in dieser Koralle. Folgen Sie mir für gute Ideen!

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