Kinder mit zwei Müttern

Können homosexuelle Paare eines Tages gemeinsame Kinder bekommen?

Zumindest bei Mäusen überwinden Forscher die epigenetische Barriere, die Nachwuchs gleichgeschlechtlicher Eltern bislang unmöglich machte.

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Hamburg, 19.10.2018

VON PETER SPORK

Die unförmige, riesengroße und fast 350 Kilogramm schwere Raubkatze mit den kurzen Beinen sieht ziemlich eigenartig aus. Gefärbt ist sie wie ein Löwe. Sie hat sogar eine Mähne, wenn auch nur angedeutet. Zudem trägt sie ein paar Tiger-Streifen. Es handelt sich offensichtlich um ein Mischwesen und eine der größten Katzen überhaupt. Das seltsame Tier ist gesund und lebt. Nachwuchs kann es aber keinen bekommen. In freier Wildbahn kommt die Katze deshalb auch nicht vor. Menschen haben sie früher gezielt gezüchtet und stellten sie im Zirkus oder Raubtiershows aus. Heute verdankt sie ihre Existenz meist einem Zufall oder züchterischem Versehen.

Bei dem Tier handelt es sich um einen Liger: die Kreuzung aus einem männlichen Löwen und einem weiblichen Tiger. Auch die andere Variante existiert: Ist die Mutter Tiger und der Vater Löwe, heißt der Nachwuchs Töwe, ebenfalls unfruchtbar, sieht oft aus wie ein Tiger mit Löwengesicht und ist deutlich kleiner als ein Liger.

Was Liger, Töwen, Maulesel und Maultiere gemeinsam haben

So genannte Hybriden zwischen sehr eng verwandten Säugetierarten sind gar nicht so selten. Fast immer sind sie unfruchtbar. Sie zeigen äußere Merkmale, aber auch Verhaltensweisen beider Elternarten, wobei es einen großen Unterschied macht, zu welcher Art die Mutter und zu welcher der Vater gehört. Deutlich vertrauter als Liger und Töwe sind uns zum Beispiel das Maultier, Produkt von Pferdestute und Eselshengst, und der Maulesel, entstanden aus einem mütterlichen Esel und einem väterlichen Pferd.

Seit einigen Jahren erforschen Genetiker das biologische Geheimnis solcher Hybriden. Sie gewinnen dabei Erkenntnisse, die uns beim Verständnis mancher Krankheit helfen und auch sonst ganz praktische Bedeutung haben.

Jetzt half das neue Wissen sogar bei der Erzeugung noch viel exklusiverer Wesen als Liger und Co. Diese Wesen sehen zwar völlig normal und unauffällig aus, ihre Stammesgeschichte ist aber umso kurioser: Anfang Oktober stellte ein Team aus Chinesischen Stammzellforschern und Genetikern der erstaunten Weltöffentlichkeit Mäuse vor, die gleich zwei Mütter, aber keinen Vater oder zwei Väter und keine Mutter haben. Auch das könnte eines Tages sehr praktische Auswirkungen auf uns Menschen haben: Homosexuelle Paare könnten gemeinsam biologische Kinder bekommen.

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Modernste molekularbiologische Werkzeuge kamen zum Einsatz

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Eine neugeborene Maus.
Die kleine Maus auf diesem Foto hat zwei biologische Väter. Solche Tiere überleben bislang kaum länger als 48 Stunden.
Eine Maus mit ihren Jungen.
Eine Maus mit zwei Müttern und keinem Vater ist völlig gesund und hat sogar auf natürlichem Weg Junge bekommen.
Eine Maus mit zwei Jungen liegt auf zwei menschlichen Händen.
Eine Maus mit zwei Müttern und keinem Vater ist völlig gesund und hat sogar auf natürlichem Weg Junge bekommen.

Sind ähnliche Experimente auch bei Menschen denkbar?

Das eigentliche Rätsel: Warum gibt es überhaupt Imprinting?

Ethisch könnte die gleichgeschlechtliche biologische Elternschaft unproblematisch sein

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