Mensch gegen Vogelwelt: Vertrieben und vom Sex abgehalten – wieviele Arten werden das überleben?

Neuer globaler Bericht zur „Lage der Vogelwelt“ warnt, dass Tausende Arten in ihrer Existenz gefährdet sind und die Stressfaktoren sich gegenseitig verstärken

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Eine große weiße Ralle mit hellrotem großen Schnabel, die Kopfpartie ist etwas zerrupft,

Die Dinosaurier sind vor 66 Millionen Jahren, als ein riesiger Asteroid die Erde traf, nicht ausgestorben. Zwar verschwanden in Folge der weltweiten Umweltkatastrophe, die der Einschlag auslöste, die meisten ihrer Vertreter. Aber eine kleine Gruppe von flugfähigen Dinosauriern überlebte die Katastrophe.

Ihre Nachfahren bevölkern heute als Spatzen und Meisen unsere Städte, umsegeln als Albatrosse die Weltmeere, gelangen als Geier bis in elf Kilometer Höhe, tauchen als Kaiserpinguine bis zu 500 Meter tief im Ozean, brüten als Hornvögel und Schwarzstörche versteckt in den Wäldern des Planeten.

Knapp 11.000 verschiedene Vogelarten unterscheiden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach mehreren Jahrhunderten ornithologischer Forschung inzwischen – und nach den Kriterien der biologischen Systematik gehören sie alle zu den Dinosauriern. Noch immer werden neue Arten entdeckt, allein 266 zwischen 1946 und 2012. Die Vielfalt der Vogelwelt hat sich in der Sprache der Evolutionsbiologie „explosionsartig” im Tertiär gebildet, dem Erdzeitalter, das mit dem Asteroideneinschlag begann und mit dem Beginn der Eiszeiten des Pleistozäns vor 2,6 Millionen Jahren endete.

Einmalig in der Geschichte des Planeten

Doch nun sind Vögel als artenreichste Gruppe der Landwirbeltiere so gefährdet wie kaum je zuvor in ihrer Geschichte. Weltweit schrumpfen die Populationen sehr vieler Arten teils dramatisch. Knapp jede vierzehnte Art ist nicht nur regional, sondern nach Millionen Jahren des Überlebens vollständig vom Aussterben bedroht.

Aussterben, Lebensraumverlust, Populationsschwund – das sind abstrakt klingende Begriffe. Hinter ihnen stecken aber Millionen dramatische Momente, in denen Vögel gejagt, aus ihrem angestammten Lebensraum vertrieben oder bei der Fortpflanzung so massiv gestört wurden, dass sie keine Nachkommen hervorbringen konnten. Diese Ereignisse summieren sich in Zeit und Raum und führen dazu, dass Millionen Jahre alte biologische Ahnenreihen abrupt enden. Von massiven Störungen beim Alltagsleben über Vergiftung bis zur Planierung vertrauter Territorien reicht das Spektrum menschlicher Angriffe auf die Vogelwelt.

„Diese neue Periode von Umbrüchen in der Biodiversität ist einmalig in der Geschichte des Planeten, weil ihre Triebkraft die Aktivitäten einer einzelnen Spezies sind – des Menschen“, schreibt nun ein internationales Team von Vogelkundlerinnen und -kundlern unter Leitung von Alexander Lees von der Manchester Metropolitan University in einer Publikation der Fachzeitschrift „Annual Reviews” mit dem Titel „State of the World´s Birds”, also Die Lage der Vögel auf der Welt”.

Pinguin auf Felsen, im Hintergrund laufen Artgenossen ins Meer.
Felsenpinguin auf den Falklandinseln
Weltkarte, die eine deutliche Zunahme von Anbauflächen vor allem in Südamerika und Afrika zeigt.
Die Ausdehnung landwirtschaftlicher Anbauflächen auf Kosten natürlicher Habitate zählt zu den wichtigsten Triebkräften des Vogelschwunds.
Eiderente im Flug, ein überwiegend weißer Vogel mit einer gründlichen Kopfpartie.
Den Eiderenten in der Ostsee setzt die Überdüngung zu, weil ihre Nahrung von Algen überwuchert wird.
Landkarte mit sechs Beispiele für Erfolge im Schutz von Vogelarten.
Diese Beispiele zeigen, dass es mit Vogelarten nicht immer nur bergab gehen muss.
Der gelb-graue Vogel sitzt auf einem Ast.
Der seltene Michiganwaldsänger gehört zu den Erfolgsstories im globalen Naturschutz.
Tausende weiße Hühner eng an eng in einer riesigen Halle.
Zahlenmäßig der erfolgreichste Vogel der Welt: Das von einem Waldhuhn abstammende Haushuhn.

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Lektorat: Claudia Ruby