Zum Artikel springen
  1. RiffReporter /
  2. Umwelt /
  3. Lebensmittelverschwendung ist Phosphorverschwendung

Lebensmittelverschwendung ist Phosphorverschwendung!

Vier(einhalb) Tipps, wie jedër helfen kann, unseren Phosphor-Fußabdruck zu verringern

von
31.05.2021
4 Minuten
Stapel von Hokkaido-Kürbissen und Blumenkohlköpfen auf dem Markt

Mitarbeit: Rym Nouioua

***

Phosphatgestein ist eine lebenswichtige und nicht erneuerbare Ressource. Dennoch gehen wir sehr verschwenderisch damit um. Dieser Phosphorüberschuss belastet Meere und Seen. Um sie zu schützen und um sicherzustellen, dass die Phosphat-Reserven auch noch für die nachfolgenden Generationen reichen, müssen wir Phosphor effizienter nutzen und besser recyceln. Aber wie?

Phosphor? Damit hatte ich noch nie etwas zu tun!

Das denken wahrscheinlich die meisten. Doch tatsächlich kann jedër einen Beitrag zu mehr Phosphor-Effizienz leisten. Und es ist gar nicht so schwierig. Denn wir alle essen. Und die Produktion unserer Nahrungsmittel ist mit Abstand die größte Verbraucherin von Phosphor, vor allem in Form von Dünger und als Zusatz in Tierfutter.

Weniger Fleisch

Seit 1961 hat sich der weltweite Phosphorverbrauch nahezu verdreifacht, von 5,9 auf 17,6 Megatonnen. Eine Ursache ist das Bevölkerungswachstum in vielen Ländern, doch auch veränderte Ernährungsgewohnheiten machen mit 28 Prozent mehr als ein Viertel dieses Anstiegs aus.

Ein besonders wichtiger Faktor ist dabei der Fleischkonsum, der mit zunehmendem Wohlstand in vielen Ländern deutlich gestiegen ist. Die Produktion von Fleisch, insbesondere von Rindfleisch, verbraucht mehr Phosphor als die anderer Lebensmittel. Deswegen schlägt sie auch bei der Berechnung des Phosphor-Fußabdrucks besonders zu Buche, also bei der Menge Phosphor, die pro Kopf und Jahr in einem Land für die Lebensmittelproduktion verbraucht wird.

Weniger Fleisch zu essen würde vor allem in reichen Ländern, in denen der Phosphorverbrauch ohnehin hoch ist, helfen, die Reserven zu schonen und auch den Verbrauch einiger anderer wichtiger Ressourcen senken.

Wem aber die Umstellung seiner gesamten Ernährung (vorerst) zu radikal ist, der oder die kann auch damit beginnen, weniger Lebensmittel zu verschwenden.

Unterstützen Sie „Phosphorama“ mit einer einmaligen Zahlung. Oder lesen und fördern Sie alle Themenmagazine mit einem RiffReporter-Abo.

Lebensmittelverschwendung ist Phosphorverschwendung

Dass man Essen nicht wegschmeißen soll, weiß eigentlich jeder. Trotzdem wird ein beträchtlicher Teil der Lebensmittel, die wir aufwändig erzeugen, vernichtet. Siebzehn Prozent gehen nach Schätzungen der Vereinten Nationen weltweit in Handel, Gastronomie und Privathaushalten verloren – 931 Millionen Tonnen im Jahr, 74 Kilogramm pro Kopf. Weit über die Hälfte dieser Verluste (61 Prozent) findet in privaten Haushalten statt – also bei uns.

Verschwendete Lebensmittel sind nicht nur Essen, das an anderer Stelle fehlt, sie bedeuten auch Ressourceneinsatz für nichts – also doppelte Verschwendung. Doch wie wichtig die Ressourcen in den Nahrungsmittelabfällen sind, gerade auch der nicht ersetzbare und endliche Phosphor, das hat man lange übersehen.

Die genaue Menge an Phosphor, der in den Lebensmitteln steckt, lässt sich kaum abschätzen. Zu vielfältig sind Anbaumethoden und Umweltbedingungen, von denen der Phosphorgehalt abhängt. Doch man kennt die Mengen an Dünger und Futterzusätzen, die weltweit für die Produktion von Lebensmitteln verbraucht werden. Wird dieses Essen nicht gegessen, ist ihr Einsatz sinnlos.

Kostenfrei den Phosphorama-Newsletter bestellen

Sie möchten regelmäßig über neue Beiträge im Phosphorama informiert werden? Dann bestellen Sie hier unseren Newsletter.

Was kann ich selbst gegen Phosphorverschwendung tun?

Mit einer Wurmkiste können Sie den Phosphor aus Essensresten ganz direkt zurückgewinnen. Dafür braucht Sie nicht einmal einen Garten oder Balkon, sie ist auch für eine Großstadtwohnung geeignet. Die Kompostwürmer in der Kiste wandeln Küchenabfälle und andere organische Abfälle in Humus um, den man dann als Dünger für seine Pflanzen verwenden kann. Ein eigener kleiner Phosphor-Kreislauf für zu Hause.

Blick in eine Holzkiste mit zwei Abteilen, eins mit Humus, eins mit frischen Küchenabfällen. Eine Hand hält einen rotbraunen Wurm.
In dieser selbstgebauten Wurmkiste verwandeln Würmer der Art Eisenia foetida Essensabfälle in Kompost. Phosphorkreislauf für Zuhause.

Viele der verschwendeten Lebensmittel kommen gar nicht bis in die Haushalte, sondern werden schon im Verladehafen und in den Supermärkten weggeschmissen. Sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, Verpackungen beschädigt oder das Obst und Gemüse etwas angeschlagen sind, landen sie im Müllcontainer, obwohl sie oft durchaus noch genießbar wären. Beim “Containern” holen Menschen solche weggeworfenen Lebensmittel aus den Abfall-Containern der Supermärkte und verwerten sie weiter. In Deutschland ist das Containern jedoch verboten und kann strafrechtliche Konsequenzen haben (Urteil).

Wer dieses Risiko nicht eingehen möchte, kann auf anderen Wegen helfen, diese Abfälle zu verringern: Einige Supermärkte haben sich der Foodsharing-Initiative angeschlossen, die überproduzierte Lebensmittel aus kleinen und großen Betrieben rettet.

Supermärkte und Einzelhändler haben so die Möglichkeit, diese Lebensmittel an die vernetzten Aktivistïnnen zu geben, welche diese wiederum an Verteilpunkte weitergeben. Einige Gruppen bereiten die Lebensmittel sogar gleich zu und verteilen sie unkommerziell über Volxküchen (VoKü) und Küche für Alle (KüfA)-Projekte. In vielen Städten gibt es auch für Privathaushalte Möglichkeiten, überschüssige Lebensmittel weiterzugeben.

An einem hohen Gitterzaun hängen weiße Plastiktuten mit Lebensmitteln und Pappschilder, die zum Spenden und Mitnehmen aufrufen.
Am Gabenzaun in Bremen können Lebensmittelspenden abgegeben werden.

Auch kleine Betriebe und Restaurants müssen ihre Lebensmittel nach Feierabend nicht wegschmeißen. Mehr und mehr Plattformen und Apps greifen diese Probleme auf. „Too good to go“ ist zum Beispiel eine mobile Anwendung, die Nutzerïnnen an Geschäfte vermittelt, die unverkaufte Lebensmittel übrig haben und diese dann zu einem vergünstigten Preis an die jeweiligen Selbstabholer verkaufen.

Screenshot der Gruppe „Lebensmittel teilen in Bremen“. Eine Hand hält einige rote und gelbe Tomaten und ein Radieschen.
Eine Foodsharing-Community in Bremen.

Kampagnen gegen den Schönheitswahn auf dem Gemüsemarkt gibt es bereits seit Jahrzehnten. Gemüse darf zu dünn, unförmig, übergroß oder zu klein sein. Es ist trotzdem genießbar. Die Initiativen reichen von regionalen Gemüsekisten bis hin zu Reduzierungen und Labels in Supermärkten. Am einfachsten ist natürlich der Einkauf vor Ort ab Hof, aber es gibt auch überregionale Angebote.

Natürlich lassen sich nicht alle globalen Phosphorprobleme allein durch unser Verhalten als Konsumentïnnen beheben. Doch wir sind auch nicht machtlos. Mit Lebensmitteln hantieren wir alle jeden Tag. Je bewusster und sparsamer wir damit umgehen, desto schmaler wird auch der Phosphor-Fußabdruck, den wir hinterlassen.

Chat-Verlauf. Ein Chemiker berichtet, dass er seinen Kühlschrank nun mit Zeolith-beschichteten Matten ausgelegt hat, die unter anderem Ethylen adsorbieren, das bei vielen Lebensmitteln den Reifeprozess beschleunigt.
Der eigene Kühlschrank ist der beste Ort, um mit dem Ausstieg aus der eigenen Lebensmittel-(und Phosphor!) Verschwendung zu beginnen. Vor dem Einkaufen erst einmal verbrauchen, was noch da ist. Und nach dem Einkaufen gut lagern. Hier ein Tipp von einem Chemiker.

Das Rechercheprojekt Phosphorama wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gefördert. Die DBU nimmt keinerlei Einfluss auf die Inhalte unserer Berichterstattung. Nähere Informationen finden Sie hier.

Unterstützen Sie „Phosphorama“ mit einer einmaligen Zahlung. Oder lesen und fördern Sie alle Themenmagazine mit einem RiffReporter-Abo.
Kerstin Hoppenhaus

Kerstin Hoppenhaus


Phosphorama

Ohne Phosphor können Sie nicht leben. Sie nicht, Tiere nicht, Pflanzen nicht - niemand auf der Erde, und nichts. Phosphor ist ein lebenswichtiger Rohstoff und anders als zum Beispiel Erdöl durch nichts zu ersetzen.

Phosphor ist kein seltenes Element. Trotzdem könnte er in einiger Zeit knapp werden. In großen Teilen der Welt ist er das schon.

Hierzulande ist Phosphor* bisher eher durch Überfluss aufgefallen als durch Knappheit, als Gewässerverschmutzer in Waschmittel oder Dünger, oder als Zusatzstoff im Essen.

Beide Szenarien, Mangel ebenso wie Überfluss, machen deutlich, wie wichtig ein nachhaltiges Phosphormanagement für unsere Zukunft ist. Denn Phosphor ist eine von allen begehrte, aber endliche Ressource. Unsere gesamte Lebensmittelversorgung ist von ihm abhängig. Und: Die Vorkommen an mineralischem Phosphor auf der Erde sind nicht nur begrenzt, sie sind auch sehr ungleichmäßig verteilt. Schon jetzt beherrschen wenige Staaten den Weltmarkt. Ihre Macht wird in den kommenden Jahren wachsen.

Die Prognosen darüber, wann die globalen Phosphatreserven aufgebraucht sein werden, schwanken stark. Nach anfänglichen Warnungen, dass sie schon in einigen Jahrzehnten zuneige gehen könnten, gehen die meisten Experten inzwischen davon aus, dass die Vorräte noch einige hundert Jahre reichen werden. Doch unabhängig davon, wann der letzte Krümel tatsächlich verbraucht sein wird, zeigen Überdüngung und tödliche Algenblüten, Konzentration und steigende Weltmarktpreise schon jetzt, dass es notwendig ist, den Phosphorkreislauf zu schließen.

Doch der Weg in die Kreislaufwirtschaft ist schwierig und es sind noch viele Fragen offen. Am Beispiel des Phosphors begleiten wir diesen Weg ein Jahr lang und schauen uns die Welt für Sie durch die "Phosphorbrille" an - von Gülle bis Goldstaub. Willkommen im Phosphorama!

Ihre Fragen und Kommentare sind herzlich willkommen. Auch Ihre Themenwünsche in Sachen Phosphor nehmen wir gerne auf und versuchen, ihnen gerecht zu werden. Schreiben Sie uns unter kontakt@phosphorama.de. Wir sind gespannt!


Über uns | @Phosphorama auf Twitter

______

* In seiner elementaren Form kommt Phosphor in der Natur praktisch nicht vor, sondern meist in seiner oxidierten Form als Phosphat. Umgangssprachlich werden die Begriffe oft synonym verwendet und so handhaben wir es auch in unseren Texten. In Zusammenhängen, in denen die Unterscheidung des chemischen Zustands relevant ist, werden wir entsprechend darauf hinweisen.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Kerstin Hoppenhaus

Engeldamm 20
10179 Berlin

www: https://hgmedien.com

E-Mail: mail@hgmedien.com

Tel: +49 30 55200488

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

VGWort Pixel