Zum Artikel springen
  1. RiffReporter /
  2. Umwelt /
  3. Ailton Krenak: Nachhaltigkeit ist ein kolonialistischer Mythos.

Ailton Krenak: Nachhaltigkeit ist ein kolonialistischer Mythos

Statt Praktiken des Gleichgewichts zu entwickeln, treiben Politik und Unternehmen mit dem Mythos von Nachhaltigkeit die Ausbeutung der Welt voran.

16.11.2021
12 Minuten
Indigener Aktivist Ailton Krenak (1953)

Der indigene Denker Ailton Krenak spricht über die globale Klimakrise und den Naturschutz in Amazonien, die Lüge der Nachhaltigkeit und Praktiken des Gleichgewichts.

Abonnieren Sie „Klima wandeln“. Sie unterstützen so gezielt weitere Recherchen.

Mehr als hundert Regierungsvertreter haben auf der Weltklimakonferenz in Glasgow (COP26) ein Ende der Abholzung der Wälder bis 2030 versprochen, auch der brasilianische Präsident Bolsonaro. Dafür sollen etwa 20 Milliarden US-Dollar an die Entwicklungsländer fließen. Wird das den Wald retten?

Der indigene Vordenker und Umweltaktivist Ailton Krenak sieht da schwarz. Die COP26 bringe keine Lösungen. Das Konzept der Nachhaltigkeit sei nichts als Augenwischerei. Mehr noch: es sei eine Verfälschung der Zukunft. Vielmehr müsse es darum gehen, das natürliche Gleichgewicht von Mensch und Natur wieder herzustellen. Zur Rettung des Amazonas verordnet Krenak dem Westen eine Diät.

Krenak ist Philosoph und Aktivist. Berühmt wurde er für seinen Auftritt vor der verfassungsgebenden Versammlung in Brasilien im Jahr 1987. Während seiner Rede bemalte er sein Gesicht mit der schwarzen Genipapo-Farbe, um gegen die Rückschritte und Angriffe auf die Rechte der Indigenen zu protestieren. Seit dem unterstützt Krenak mit seinem originären Denken die indigene Bewegung.

Vor kurzem erschien sein provokantes Buch Ideen, um das Ende der Welt zu vertagen auf Deutsch. Es enthält acht Texte, in denen Krenak die sich zuspitzende Umweltkatastrophe analysiert und kommentiert. Darin nimmt er einige unserer westlichen Konzepte auseinander: Menschheit, Vernunft und auch die Idee der Nachhaltigkeit. Er plädiert für ein umfassenderes Verständnis der Welt, in der der Mensch nicht die Spitze der Schöpfung ist, sondern eines unter vielen anderen Lebewesen, die zusammen den Planeten erschaffen.

Ulrike Prinz sprach mit dem streitbaren Autor des brasilianischen Bestsellers.

Ulrike Prinz: Ailton Krenak, was sind die Beschlüsse des Klimagipfels COP26 in Glasgow wert?

Ailton Krenak: Dieser Klimagipfel wird zu nichts führen. Solange die Lüge der Nachhaltigkeit vorherrscht, wird es kein Klimaabkommen geben. Wir werden immer noch extreme Wetterereignisse haben: Stürme, Tsunamis und andere Katastrophen und Ungleichgewichte, Viren miteingeschlossen. Erst pandemische Krankheiten werden zu einer Umstrukturierung des globalen Finanzsystems führen und einen Bruch mit der Nachhaltigkeitsstrategie herbeiführen.

Im westlichen Verständnis bezeichnet Nachhaltigkeit eine Entwicklung, welche die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne künftige Generationen an der Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu hindern. Warum ist das Konzept der Nachhaltigkeit Ihrer Meinung nach eine Lüge?

Die Bedeutung des Konzeptes liegt in der Rechtfertigung eines Ausbeutungsmodells. Wie kann man die Ausbeutung unendlich fortführen? Durch die Einführung der Nachhaltigkeit, die allein wirtschaftlich definiert wird. So wird es immer weitergehen, bis zur Erschöpfung. Wenn die fossilen Brennstoffe zur Neige gehen, gehen wir zur Windenergie über, wenn die Windenergie nicht mehr funktioniert, gehen wir zu irgendeiner anderen Energieart über.

Dieser Diskurs glaubt, dass die Biosphäre des Planeten aus einer formbaren Masse besteht und versteht nicht, dass wir es mit einem Ökosystem zu tun haben. Dieses riesige terrestrische Ökosystem gerät aus den Fugen, wenn man nur einen Punkt verschiebt.

Die Lüge der Nachhaltigkeit ist der Kern der kolonialen ausbeuterischen Idee

Aber die Wirtschaft glaubt, sie könne an einem Ort herumwühlen, eine Ölquelle bohren, Öl fördern, es verarbeiten, unzählige Dinge herstellen und das könne nachhaltig sein. In diesem Sinne ist die Rede von der Nachhaltigkeit ein Mythos, ein räuberischer Mythos und eine Lüge. Sie rechtfertigt sich selbst, denn sie ist der Kern der kolonialen, ausbeuterischen Idee.

Wenn dieser Gedanke von der Erde zum Mars wandert, wird er immer wieder dasselbe Loch bohren und behaupten, dass es nachhaltig sei. Wir wissen, dass das unmöglich ist. Wenn ich also sage, es ist ein Mythos, dann ist es ein Mythos, der dem Raubtierkapitalismus dient. Es ist ein räuberischer Mythos.

Kostenfreien Newsletter bestellen

Sie möchten regelmäßig über neue Beiträge dieses Magazins informiert werden? Dann bestellen Sie hier unseren kostenlosen Newsletter.

Vom Überflug sieht man auf den Regenwald hinunter, aus dem mosaikartige Stücke herausgeschlagen wurden im Gebiet unkontaktierter Indigener im Bundesstaat Pará.
Das Gebiet Ituna Itatá im Bundesstaat Pará wird von unkontaktierten Indigenen bewohnt. Es war in den letzten zwei Jahren am stärksten von illegaler Abholzung und dem Vordringen von Landräubern betroffen.

„Es beginnt als Park und endet als Parkplatz“

Sie kritisieren auch einen bestimmten Naturschutzgedanken, der ein Geschäft zu sein scheint und haben in ihrem Buch ein starkes Bild dafür geschaffen. Sie sagen: „Es beginnt als Park und endet als Parkplatz.“

In der sogenannten Umweltfrage wird der Diskurs auf andere Weise reproduziert, nämlich in der Bildung von Reserven. Die Berechnung der ökologischen Nachhaltigkeit ist die Reserve. Das ist nichts anderes als ein wirtschaftlicher Diskurs. Sparen Sie heute etwas auf, um es morgen zu essen. Das ist eine Sichtweise, die sich ausschließlich auf die Bedürfnisse der Menschen konzentriert. Andere Lebewesen sind ihr egal. Der Wal, der Elefant, der Vogel, der Wald… Dieser gesamte Diskurs dient allein der Kontrolle.

Für mich ist Naturschutz Kontrolle. Er gilt nicht für die Gesamtheit von Mensch und Umwelt. Selbst wenn die UNESCO das Programm „Men and biosphere“ für die Biosphären-Reservate auflegt.

Sie arbeiten selbst in zwei wichtigen Komitees für Biosphärenreservate der UNESCO mit. Was wird mit diesen Reservaten geschützt?

Ich bin im Komitee für den Atlantischen Wald und für das Espinhaço-Gebirge, das hier in Minas Gerais, in einer Bergregion liegt. Die Region wurde seit dem 17. Jahrhundert kolonisiert und dort wird noch immer intensiver Bergbau betrieben.

Im Rahmen des UNESCO-Protokolls haben wir nun ein Gebiet geschaffen, das vor Bergbau geschützt ist. Aber der Bergbau ist ja schon drin. Das UNESCO-Protokoll ist also flexibel, es kann mit dem Bergbau koexistieren. Seit 2015/2016 fördert die UNESCO interne Symposien, um die Flexibilisierung des Biosphärenreservat-Protokolls zu diskutieren, um Bergbauaktivitäten in diesen Gebieten zu ermöglichen. Deshalb sage ich: Es fängt mit dem Park an und hört mit dem Parkplatz auf.

Das ist eine falsche Sorge um die Zukunft! Ich möchte sagen: Es ist eine Verfälschung der Zukunft! Greta Thunberg sagt: Die Erwachsenen stehlen den Kindern die Zukunft . Ich stimme ihr zu und sage, sie verfälschen die Zukunft!


Berge der Espinhaço-Gebirge von Minas Gerais.
Das Espinhaço-Gebirge von Minas Gerais war Ziel des Goldrausches im 18. Jahrhundert. Am Rio Doce waren die Indigenen Krenak am stärksten vom Dammbruch der Eisenerzmine in Brumadinho (2019) betroffen, eine der größten Bergbau-Katastrophen der letzten Jahrzehnte.

Die Klimafrage ist ein globales Problem. Ein lokales Mandat richtet nichts aus

Gregório Mirabal, der Vorsitzende der indigenen Organisation COICA, hat auf dem Naturschutzkongress der IUCN den Schutz von 80 Prozent Amazoniens gefordert. Sie stehen dem westlichen Konzept von Naturschutz sehr kritisch gegenüber, befinden wir uns in einem Dilemma?

Ich kenne die Einzelheiten von Gregórios Vorschlag nicht. Ich würde ihn fragen: Warum nicht 100 Prozent? Für die Ökosysteme, die Biome, muss es einen Waffenstillstand geben und das können wir nur mit einer Global Governance erreichen. Nicht nur für Amazonien, sondern für die ganze Welt.

Die Klimafrage ist ein globales Problem. Ein lokales oder regionales Mandat richtet da nichts aus. Wir müssen sehen, ob wir einen Konsens erreichen können, um über das Amazonas-Ökosystem entscheiden zu können, in Kolumbien, Venezuela, Brasilien…

Wie könnte das aussehen?

Wir müssen eine Bestandsaufnahme im Amazonasgebiet durchführen und ein Protokoll erstellen, ähnlich wie bei der Pandemie. Diejenigen, die drinnen sind, bleiben dort, und die, die draußen sind, kommen nicht rein, und zwar für einen bestimmten Zeitraum. Während dessen können Forschungsteams den Amazonas-Regenwald besser kennenlernen und Vorschläge für seine gemeinsame Bewirtschaftung erarbeiten. Mit den Mitteln, die Europa und USA zur Unterstützung bereitstellen, könnte man den Verzicht der Gemeinden kompensieren, deren wirtschaftlichen Aktivitäten vorübergehend beeinträchtigt wären.

Die indigene Führerin Claudette Labonté aus französisch Guiana  hält ein Plakat mit der Forderung „Amazonia 80×25“ in der rechten Hand.
Die indigene Führerin Claudette Labonté aus französisch Guiana wurde von den Aktivistinnen der Organisation AVAAZ als lebendige Version „Die Freiheit führt das Volk“ von Eugène Delacroix' in Szene gesetzt. Es vergleicht den Kampf der Indigenen und ihre Anwesenheit auf dem Kongress in Marseille mit dem „Sturm auf die Bastille“ der französischen Revolution.

Praktiken des Gleichgewichts entwickeln

Während dieser Zeit kann man Praktiken des Gleichgewichts entwickeln – nicht der Nachhaltigkeit! – sondern Praktiken der Kohärenz und des Zusammenwirkens menschlicher Gemeinschaften mit dem Ökosystem. So können die ursprünglichen Praktiken der Menschen wiederhergestellt werden, die immer schon in diesem Biotop gelebt haben, ohne seine Struktur zu zerstören.

Es wäre also eine globale Entscheidung, das Amazonas-Ökosystem und andere wichtige Biome des Planeten zu Orten des globalen Interesses zu erklären, was auch die prekären Regierungsmodelle weiterentwickeln würde, die wir heute haben.

Aber sollten nicht die Indigenen Völker die Macht über ihre Territorien haben?

Die Indigenen Völker haben zum heutigen Zeitpunkt überhaupt keine Macht über ihr Land. Diese haben die Bergbauunternehmen, die Holzfäller, die Goldgräber und die korrupten Regierungen. Es wäre also sinnlos, zu sagen: „Die Indigenen bitten um die Herrschaft über ihr Land.“ Die Indigenen hatten noch nie Herrschaft über ihr Land! Ich kenne keine Belege dafür. Die Indigenen sind nur autonom solange sie keinen Kontakt zu den lokalen Behörden haben. Dann leben sie ursprünglich und können sich sicher fühlen. Doch sobald sie in Kontakt treten, werden sie unterworfen.

Die Besetzung der indigenen Territorien von innen her stoppen

Es wird ihnen der Konsum von industriell aufbereiteten Lebensmitteln aufgezwungen. Alle Indigenen, die in Kontakt mit den Weißen stehen, essen nur von Weißen verarbeitete Waren. Wie Davi Kopenawa Yanomami sagt: die Weißen sind ein Volk der Waren (o povo da mercadoría) und er meint damit, sie sind eine ansteckende Gesellschaft (Kontakt=Ansteckung). Es gibt keine „unschuldigen“ Waren, es gibt nur verlockende, ansteckende Waren.

Die Tentakel des Kolonialismus, die in Amazonien eingepflanzt wurden, müssen blockiert werden. Europa muss aufhören, Fleisch, Soja, Mineralien und Holz aus dem Amazonasgebiet zu konsumieren! Es müssten nicht nur die Menschen im Amazonasgebiet ihre Gewohnheiten ändern, sondern auch diejenigen, die es gewohnt sind, den Amazonas zu konsumieren. Hört auf, die Welt zu verschlingen! Ändert Eure Gewohnheiten. Macht eine Diät. Eine Diät für 10 Jahre. Und während dieser 10 Jahre erforschen und studieren wir das Amazonas-Ökosystem.

Aber wie soll der Amazonas geschützt werden?

Ich kenne den Vorschlag von Gregorio do 80 Prozent nicht im Detail. Aber er scheint sehr konservativ zu sein, nichts Revolutionäres. Er wird gar nichts schützen. Er sollte wissen, dass Brasilien in den 1980er und 1990er Jahren die Kolonisierung des Amazonas befördert hat. Es kamen Leute aus dem Nordosten, aus São Paulo und Paraná um nach Amazonien gehen und 100.000 Hektar Wald in Besitz zu nehmen. Davon mussten sie 80 Prozent schützen. Sie holzten 20 Prozent ab und den Rest verkauften sie an den nächsten, der nach fünf Jahren wieder 20 Prozent abholzte! Weiden, Viehhaltung, Soja, Gras…

Man muss sich das mal ansehen, diese sinnlosen Versuche! Nicht nur in Brasilien: Auch in Kolumbien erteilte die Regierung Landkonzessionen zur Kolonisierung. Die Siedler holzten den Wald ab.

Die Tentakel des Kolonialismus reichen bis in den Amazonas

Wir müssen also die sich reproduzierende Logik des Systems der Besetzung der Territorien von innen her stoppen. Die einheimische Bevölkerung würde dadurch nichts verlieren.

Ein kleines Totenkopfäffchen guckt durch die Blätter.
Ein kleines Totenkopfäffchen im Nationalpark Yaguas, Peru.

Das Wissen und die Weisheit der Indigenen Völker ist für Europäer erstaunlich. Sie machen sich nicht die Mühe, Monokulturen anzulegen, sondern vermehren ständig die biologische Vielfalt. Was ist die Idee dahinter? Ist es Religion?

Es ist eine Ontologie (Lehre vom Sein), die in eine Weltanschauung eingebunden ist. Wo das Heilige keine Religion ist. Wie zum Beispiel bei Sumak kawsay...

…dem "buen vivir“, dem Guten Leben.

Dieser Begriff stammt aus der andinen Erkenntnistheorie. Man kann ihn nicht in die Logik des Westens übersetzen. Es geht dabei um eine systemische Praxis, bei der die Natur im Ursprung schon enthalten ist. Der Mensch hat darin keine Privilegien. […] Der Jaguar, die Boa constrictor, die Fische, die Vögel – auch sie bestimmen das Leben auf dem Planeten.

Die westliche Logik stellt den Menschen an höchste Stelle. Er kann alles verschlingen, er kann Haie, Elefanten, Delphine, Fische, Wälder, Flüsse und Berge verschlingen. Er kann alles essen. Der Mensch ist eine Plage für den Planeten, ein Virus.

Eine Rinderherde steht inmitten des Rauchs der Brände in der Region Nova Fronteira in Novo Progresso, Brasilien
Der Regenwald ist durch massive Abholzung stark bedroht. Im brasilianischen Amazonas treibt vor allem die Viehzucht die Abholzung an. Novo Progresso, Brasilien

Wenn der Mensch eine Plage ist. Was können wir dagegen tun?

Wenn wir radikal lebendig sind, können wir diesem Virus widerstehen. Radikal lebendig zu sein bedeutet, auf das Privileg des homo sapiens, auf die Sonderstellung des Menschen zu verzichten. Sie ist ein Krebsgeschwür. Deshalb wollen sich einige Milliardäre auf den Mars schießen lassen. Sie verzichten auf den Planeten und bevorzugen den technologischen Apparat.

Aber was können wir für die Menschen tun? Denn die Zerstörung der Welt wäre eine Katastrophe. Wo bleibt die Hoffnung?

Ich versuche zu unterscheiden zwischen der Hoffnung, die sich auf Wissen stützt und der Placebo-Hoffnung. Hoffnung, die auf Wissen, Weisheit, Tradition und auch auf Wissenschaft beruht, stützt sich auf reale Fragen, nicht auf imaginäre.

Wenn ich sage, dass wir Entscheidungen treffen müssen, die über die UNO, die FAO und die UNESCO hinausgehen, will ich damit nicht nur eine aggressive Bemerkung machen. Ich lade die Menschen dazu ein, Hoffnung zu haben, die auf Wissen, auf Verantwortung und auf Wissenschaft beruht. Die meisten Regierungen sind (Klima-)Leugner und wir bewegen uns auf einen Obskurantismus zu.

Die Klimakonferenz als Fashion Week

Die Erde ist pflegebedürftig, die Erde hat Fieber, dieser Körper, die Erde, sie braucht Ruhe! Die Zentralregierungen wollen Bomben werfen, Spannungen erzeugen, drohen… Das ist sehr dumm, denn nach der Pandemie sollten sich alle Regierungen wirklich bemühen, aktiv an der COP26 teilzunehmen und objektive Vorschläge zu machen, ohne zu lügen. Aber sie sind so inkompetent, dass sie diese Konferenz vergeuden.

In meinem Buch Ideen, um das Ende der Welt zu vertagen, spreche ich vom Übergang von den fossilen Brennstoffen zur elektrischen Energie. Es ist genau das Gleiche. Es ist nur eine neue Mode, die nächste „Fashion-Week“: Nächstes Jahr wird es viele Messen für Elektroautos geben!

Aber was passiert mit unserem Planeten?

Wenn wir sagen, dass der Planet unser gemeinsames Zuhause ist, muss jeder eine Aufgabe übernehmen. Es ist unser gemeinsames Haus. Diese Metapher wird gerne von den Politikern verwendet. Unser gemeinsames Haus! Aber sie selbst sind nur zum Schlafen daheim. Sie sind Landstreicher, die ihre ganze Zeit auf der Straße verbringen und nur zum Schlafen nach Hause kommen.

Wertschätzung für Orte des Lebens

Das bedeutet, zum Lokalen zurückzugehen…

Zurück zum Ursprung! In Deutschland, in Bremen, gibt es seit etwa 40 Jahren Gemeinschaften, die Gemüsegärten haben und Lebensmittel produzieren. Sie lehren ihre Kinder, das Land zu bearbeiten, Lebensmittel zu produzieren, rein biologisch, ein einfaches Leben. Es gibt viele Orte in Holland, in Italien, wo wir diese Gemeinschaften stärken müssen. Damit sie den Wandel fortsetzen und aufhören, an dieses Gerede über Technologie, Fortschritt und Kapitalismus zu glauben, das uns unterjocht.

Wir müssen den Ort wertschätzen, an dem sich das Leben weiter reproduziert. In diesem Zusammenhang finde ich, dass man 100 Prozent des Amazonas-Bioms schützen muss und die Ozeane. Sie können die Ozeane nicht weiter missbrauchen. Die UNESCO hat dieses Jahr zum Jahrzehnt der Ozeane erklärt. Dies sollte eine Gelegenheit sein, alle bestehenden Aggressionen gegen diese Ökosysteme einzustellen. Der Amazonas und die Ozeane zusammen sorgen für das Gleichgewicht anderer Ökosysteme, einschließlich unserer Städte. Ohne die Ozeane und die Wälder wären die großen Metropolen bankrott.


Ailton Krenak wurde 1953 im Bundesstaat Minas Gerais, in der Region des Rio Doce, geboren. Im Alter von siebzehn Jahren zog er mit seiner Familie in den Bundesstaat Paraná, wo er lesen und schreiben lernte. Er wurde Grafikproduzent und Journalist.

2008 wurde er mit dem Orden für kulturelle Verdienste (Orden del Mérito Cultural) ausgezeichnet und 2016 erhielt er den Ehrendoktor der Universidade Federal de Juiz de Fora.

2019 brach das Rückhaltebecken der Eisenerzmine in Brumadinho und überschwemmte den Rio Doce. Die toxische Schlammlawine kostete 270 Personen das Leben und zerstörte die Lebensgrundlage von 136 Familien Volkes der Krenak.

Das Interview wurde im Auftrag von Ecologues geführt, einem Magazin des Goethe-Instituts München.

Abonnieren Sie „Klima wandeln“. Sie unterstützen so gezielt weitere Recherchen.
Ulrike Prinz

Ulrike Prinz

Ulrike Prinz ist promovierte Ethnologin und Journalistin. Sie lebt in München und Barcelona.


Klima wandeln

Auf "Klima wandeln" zeigen wir Wege aus der Klimakrise und stellen Ideen für Lösungen vor. Wir erzählen die Geschichten von Menschen, die die Schritte vom Wissen zum Handeln gehen und beschreiben so den Fortschritt der Großen Transformation zu einem guten und nachhaltigen Leben für alle. Unsere Beiträge und Kommentare analysieren Geschehnisse, die Wege aus der Klimakrise ebnen – und solche, die sie versperren.

Weil unsere regelmäßig erscheinenden Texte einen Wert haben, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen. Sie können uns entweder direkt fördern, indem sie "Klima wandeln" abonnieren. Oder sie unterstützen das gesamte RiffReporter-Team, indem Sie ein allgemeines "Riff-Abo" bestellen. Mit letzterem erhalten Sie Zugang nicht nur zu unseren Texten, sondern zu allen Artikeln aller Magazine auf Riffreporter.de.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Ulrike Prinz

Hirschbergstr. 4
80634 München

www: http://prinzplusprinz.de

E-Mail: u.prinz61@googlemail.com

Tel: +49 89 188591

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

VGWort Pixel