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In Nordamerika leben drei Milliarden Vögel weniger als noch 1970

Aktuelle Studie: Die Vogelbestände in Nordamerika sind um 30 Prozent geschrumpft

von
20.09.2019
7 Minuten
Ein Mann hält eine Pfuhlschnepfe in beiden Händen.

Die Wandertaube (Ectopistes migratorius) war einmal eine weit verbreitete Vogelart, vielleicht sogar die Vogelart mit den meisten Exemplaren auf der Welt. Auf drei bis fünf Milliarden der Tiere mit blauem Kopf und Flügeln und dunkelrosa Bauch schätzten Forscher den Bestand. Der Vogel kam einmal überall in Nordamerika östlich der Rocky Mountains vor. Dennoch starb die Wandertaube schon vor längerer Zeit, am Ende des 19. Jahrhunderts, aus.

Das Schicksal der Wandertaube hat einer Gruppe Wissenschaftler als mahnendes Beispiel für die Welt von heute gedient. Die Forscher haben untersucht, wie sich die Bestände von 529 Vogelarten seit 1970 in den Vereinigten Staaten und Kanada entwickelt haben.

Das Ergebnis: Heute leben ihren Berechnungen zufolge drei Milliarden Vögel weniger in diesen beiden Ländern als vor knapp fünfzig Jahren. „Als ich diese Zahlen das erste Mal gesehen habe, habe ich mich leer und betrübt gefühlt“, sagt Peter Marra, der an der Studie mitgearbeitet hat. Der Biologe leitet die „Georgetown Environment Initiative“ an der Georgetown University in Washington DC. Die riesige Zahl entspricht einem Schwund um knapp 30 Prozent. „Mit am meisten hat mich überrascht, dass viele dieser Arten einmal weit verbreitet und zahlreich waren“, sagt der Biologe. „Jetzt sehen wir, dass auch diese Vögel verschwinden.“

Eine Walddrossel (Hylocichla mustelina) sitzt auf einem Zweig.
Was die Autoren der Studie besonders beunruhigt: Sogar die Bestände von Allerweltsvögeln wie der Walddrossel (Hylocichla mustelina) schwinden dahin.
Der Forscher Peter Marra hockt am Strand und schaut einem Knutt hinterher, aus dessen Rückenfedern eine Antenne ragt.
Peter Marra lässt einen Knutt (Calidris canutus) frei, den er mit einem Sender ausgestattet hat, um seinen Zugweg nachverfolgen zu können. Für die aktuelle Studie haben sich die Forscher Radardaten aus den letzten Zehn Jahren angeschaut, um die Entwicklung des Vogelzugs bei Nacht abzuschätzen. Etwa drei Viertel der Vögel, bei denen die Forscher den größten Schwund verzeichnet haben, sind Zugvögel.
Eine Winterammer (Junco hyemalis) – ein spatzengroßer dunkelgrauer Vogel mit hellgrauem Bauch und kurzem kräftigem Schnabel – auf einem Ast.
Winterammern (Junco hyemalis) gehören zu den Sperlingsvögeln. Sie brüten im Norden Kanadas und überwintern in den USA östlich der Rocky Mountains – jenem Gebiet, das der Science-Studie zufolge stärker vom Vogelschwund betroffen ist als etwa das Gebirge.

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Ein Baltimore-Trupial-Männchen (Icterus galbula)ein Vogel mit schwarzem Kopf und leuchtend orangefarbenem Bauch.
Baltimore-Trupiale (Icterus galbula) – hier ein Männchen – brüten in lichten Wäldern im Nordosten der USA und im Osten Kanadas. Sie überwintern in den Ländern rund um den Golf von Mexiko. Sie fressen Tagfalterlarven und halten so die Bestände dieser Lästlinge in Schach. Weil sie versessen auf reife Beeren sind, verteilen sie die Samen dieser Pflanzen.
Eine leuchtend weiße Schnee-Eule (Bubo scandiacus) vor strahlend blauem Himmel.
Obwohl es vielen Greifvögeln danksei Schutzmaßnahmen besser geht, sind auch die Bestände der Schnee-Eulen (Bubo scandiacus) in den letzten Jahren geschrumpft.

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Joachim Budde

Joachim Budde

Joachim Budde ist freier Wissenschaftsreporter und arbeitet zu allem rund um Insekten. Twitter: @buddepiept


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