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Der Vogelzug – ein Rätsel wird entschlüsselt

Zugvögel reisen über Tausende von Kilometern rund um den Globus – und erreichen punktgenau ihr Ziel. Sonne, Sterne und das Magnetfeld der Erde weisen ihnen den Weg. Doch wie funktioniert der Kompass der Vögel?

von
24.02.2021
15 Minuten

Die Küstenseeschwalbe hält den Rekord: Sie brütet in der Arktis und überwintert in der Antarktis. Jedes Jahr umkreist sie einmal den Globus – je nach Zugweg rund 40.000 Kilometer. Punktgenau erreichen Zugvögel immer wieder ihr Ziel. So manche Amsel kehrt jedes Jahr in denselben Garten zurück. Eine Meisterleistung, die den Wissenschaftlerïnnen noch immer Rätsel aufgibt. Mit immer modernerer Technik versuchen sie, die Tiere bei ihren Wanderungen zu begleiten.

Allein das Ausmaß ist gigantisch: Schätzungsweise 50 Milliarden Vögel begeben sich jedes Jahr auf Wanderschaft. Wenn zum Beispiel ein Schwarm Blutschnabelweber durch die afrikanische Savanne zieht, verdunkelt sich der Himmel minutenlang. Kleine Vögel wie Fitis und Gartenrotschwanz überqueren die Sahara – immerhin 2.000 bis 3.000 Kilometer. Allerdings tun sie das nicht im Non-Stop-Flug, wie Ornithologïnnen lange annahmen: Wenn möglich rasten sie tagsüber in schattigen Oasen. Schnepfenvögel fliegen von Nordsibirien bis nach Tasmanien und legen dabei bis zu 10.000 Kilometer zurück. Den aktuellen Non-Stop Flugrekord hält eine männliche Pfuhlschnepfe: Sie schaffte 12.200 Kilometer zwischen Alaska und Tasmanien in neun Tagen. Und selbst der winzige Rubinkolibri kann den Golf von Mexiko überqueren.

Langstreckenzieher wie die Rauchschwalben finden nach einem 10.000 Kilometer langen Zug problemlos ihren angestammten Bauernhof in der Eifel wieder. Und die Vögel können sich nicht nur räumlich hervorragend orientieren, der Eifelbauer könnte auch seine Uhr bzw. den Kalender nach ihnen stellen. Fast auf den Tag genau verlassen sie jedes Jahr ihr Brutgebiet, um einige Monate später – wiederum äußerst pünktlich – zurückzukehren. In den letzten Jahren allerdings gerät der Vogelzug zunehmend durcheinander. Durch den Klimawandel verschieben sich die Zugzeiten. Manche Spezies – etwa Amsel oder Rotkehlchen – verzichten immer häufiger ganz auf den Zug und bleiben das ganze Jahr über hier. Die Winter in Mitteleuropa sind so warm geworden, dass die Vögel auch in der kalten Jahreszeit genug Nahrung finden. Peter Berthold, langjähriger Leiter der Vogelwarte Radolfzell, geht sogar davon aus, dass der Vogelzug in unseren Breiten ganz verschwinden könnte.

Gartengrasmuecke sitzt auf einem Ast.
Gartengrasmücken überwintern in Afrika. Durch den Klimawandel kehren sie und viele andere Arten immer früher zurück in ihre Brutgebiete.
Eine Amsel mit einem Sender auf dem Rücken.
Erste Forschungen im Rahmen von Icarus: Warum ziehen einige Amseln im Winter gen Süden, während andere in nördlichen Breiten bleiben?
Großaufnahme Star auf einem Ast.
Bereits in den 1940er Jahren haben Forscherïnnen mit Hilfe von Staren den Sonnenkompass der Vögel entdeckt.
Der Polarstern am Nachthimmel.
Viele Singvögel ziehen in der Nacht – und nutzen den Polarstern am Himmel zur Orientierung.
Ein Rotkehlchen sitzt auf dem Ast und singt.
Rotkehlchen bleiben immer häufiger auch im Winter in Deutschland.

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Kraniche ziehen in Israel über ein Gebirge.
Anders als viele Singvögel ziehen Kraniche bei Tag – und nutzen dabei die Thermik. Wie hier in Israel überqueren die Vögel bei ihrem Zug auch Gebirge und Meere.
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Claudia Ruby

Claudia Ruby

Die Radio- und Fernsehjournalistin Claudia Ruby, Mitglied im Vorstand von „WPK – Die Wissenschaftsjournalisten“, hat ihre Biologie-Diplomarbeit über die „Diversität der Avifauna verschiedener Waldhabitate in Kolumbien“ geschrieben. Seit ihrem Volontariat beim WDR in Köln arbeitet sie als freie Autorin und Regisseurin für öffentlich-rechtliche Sender.


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