Öffentliche Autowerkstatt hinter Gittern: Wenn der Knast die Reifen wechselt

Mehrere Gefängnisse in Deutschland betreiben Kfz-Werkstätten, die externe Kundschaft bedienen. Sie versprechen Resozialisierung – und günstige Preise.

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Gefangener schaut, bewacht von zwei JVA-Beamten, in den Motorraum eines Autos.

Wenn Kevin (30) seinen Kopf in den Motorraum steckt, vergisst er kurz, wo er ist. Klar, das Werkzeug ist durchgezählt. Beim Blick durchs Fenster schimmert der Stacheldraht. Und bevor er in die Mittagspause geht, durchsucht ihn ein Beamter mit einem Metalldetektor.

Trotzdem fühlt er sich frei: „Bei der Arbeit merke ich fast gar nicht, dass ich im Gefängnis bin“, sagt Kevin, der nur mit Vornamen genannt werden möchte.

Tatsächlich sieht die Kfz-Werkstatt nicht anders aus als „draußen“: Hebebühnen, Diagnosegeräte, Autos mit geöffneter Motorhaube. Es riecht nach Benzin und heißem Gummi.

Mann sitzt am Schreibtisch. Im Hintergrund stehen Autos auf Hebebühnen.
Von einem Nebenraum aus haben die JVA-Bediensteten die Gefangenen im Blick.
Landkarte zeigt, wo es Autowerkstätten im Gefängnis gibt
In vielen Gefängnissen gibt es Autowerkstätten. Viele sind aber für die Öffentlichkeit gesperrt (rot) oder nur teilweise zugänglich (gelb). Angaben ohne Gewähr.
Ein Häftling wechselt einen Reifen in der Gefängnis-Autowerkstatt.
Reifenwechsel unter Aufsicht. Trotzdem fühlt sich Kevin in der Werkstatt freier als anderswo im Gefängnis.
Schere und Feilen hängen an einer Wand.
Das Werkzeug ist genau durchgezählt.
Eine Hand hält einen Metalldetektor und fährt ihn an einem Bein entlang.
Nach jeder Schicht werden die Gefangenen durchsucht, damit sie keine Werkzeuge nach draußen schmuggeln.
Ein Metallschild mit der Aufschrift „TÜV“ hängt an der Wand einer Werkstatt.
Mittwochs kommt der TÜV. Auch diese Dienstleistung bietet die Knast-Werkstatt.
JVA-Leiter Jürgen Buchholz steht vor einem Tor mit Stacheldraht
JVA-Leiter Jürgen Buchholz vor einem der vielen Tore im Gefängnis. Er ist vom Konzept der Autowerkstatt überzeugt.
Schwarze Autokarosserie steht in einer Lackiererei.
Eine Lackiererei gehört ebenfalls zur Gefängnis-Werkstatt. Hier wird gerade ein Ford Capri, Baujahr 1973, restauriert.
Ein Auto ohne Vorderreifen steht auf einer Hebebühne. Ein Mann inspiziert es.
Die Autowerkstatt im Zweibrückener Gefängnis bietet die gleichen Dienstleistungen an wie Betriebe auf dem freien Markt.
Uniformierter Mann steht zwischen Autos in Kfz-Werkstatt.
Außer einer Rangelei hat Kfz-Meister Jörg Vogelsang noch keine gravierenden Verstöße in der Gefängniswerkstatt erlebt.
Blick in den Innenhof mit Sportplatz der JVA Zweibrücken.
Der Alltag im Knast ist trist. Deshalb sind die meisten Gefangenen froh über jede Ablenkung.

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Steve Przybilla


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