1. RiffReporter /
  2. International /
  3. Tunesiens Saatgut-Rebellen

Die Saatgut-Rebellen

Immer mehr tunesische Bauern wollen wieder alte Obst-, Gemüse- und Getreidesorten anbauen. Denn das Saatgut ist nicht nur billiger und kommt besser mit den Klimaschwankungen zurecht – die Landwirte werden damit unabhängiger von internationalen Großkonzernen.

von
01.11.2019
6 Minuten
Verschiedene Getreide in Strohkörben

Auf den Tischen liegen kleine Briefchen und Tütchen, voll mit Körnern verschiedener Formen und Farben – ein begehrtes Gut an diesem Septemberwochenende in der Oase von Chenini, im Südosten Tunesiens. Am Salah, Onkel Salah, wie ihn alle nennen, zuckt mit den Schultern. Wassermelone und Kürbis sind aus. Dafür hat er noch Petersilie, scharfe und milde Paprika und Blattsalat im Angebot. Alles aus seiner eigenen Parzelle hier in der Oase. Geduldig erklärt er Neulingen, wann was gepflanzt werden muss und wie viel Wasser und Sonne die verschiedenen Pflanzen vertragen.

Die Saatgut-Börse des Tunesischen Vereins für Permakultur (ATP) findet 2019 zum fünften Mal statt. Jährlich wächst sie, doch sie hat immer noch etwas von einer Untergrundbewegung. Denn eigentlich dürfen in Tunesien nur staatlich zertifizierte Saaten verkauft werden. Die Permakultur-Landwirte befinden sich in einer Grauzone, erklärt Rim Mathlouthi, Vorsitzende des Vereins. „Bei kleinen Mengen oder wenn das Saatgut getauscht statt verkauft wird, dann wird nicht so genau hingeschaut.“

Das Konzept der Permakultur ist in Tunesien noch wenig bekannt. Neben dem Verzicht auf chemische Düngemittel und Pestizide steht bei dieser Form der biologischen Landwirtschaft das ganze Ökosystem im Zentrum, das möglichst dauerhaft und selbsterhaltend funktionieren soll. Den Anbau von Monokulturen zum Beispiel lehnen die Landwirte ab. „Eigentlich machen wir nichts anderes als unsere Urgroßeltern, nur haben sie es noch nicht so genannt“, so Mathlouthi.

Zurück zu den Sorten der Kornkammer Roms?

Der Landwirt Nabil Ben Marzouk sitzt an seinem Stand auf der Saatgut-Messe
Nabil Ben Marzouk hat sich vor Jahren von industriell gefertigten Lebensmitteln verabschiedet. „Seit dem habe ich das Gefühl, dass ich immer jünger werde.“
Stand auf der Saatgut-Messe in der Oase von Cheninni, Gabes, Tunesien
Gemüse, Obst und Getreide werden auf der Saatgut-Messe angeboten
Ein Mann steht hinter Körben mit Getreide
Immer mehr Tunesier*innen wollen wieder traditionelles Saatgut nutzen
Grüne Oliven in Stoffsäcken
Oliven sind eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse Tunesiens
Ridha Msellini vor seinem Stand
Die Konsumenten von der Qualität der Produkte zu überzeugen, sei keine einfache Angelegenheit, so Ridha Msellini.

Kostenfreien Newsletter bestellen

Sie möchten regelmäßig über neue Beiträge dieses Projektes informiert werden? Dann bestellen Sie hier unseren kostenlosen Newsletter.

Kaufen Sie diesen Artikel.
Sarah Mersch

Sarah Mersch

Sarah Mersch berichtet als freie Korrespondentin aus Tunesien. Sie ist Mitglied von Weltreporter.net.


Afrika-Reporter

Afrika ist ein vielfältiger Kontinent, der häufig pauschal dargestellt wird. Obwohl er sich rasant verändert, überwiegen oft überholte Stereotype. Wir vermitteln Ihnen ein aktuelles, alltagsnahes, differenziertes Bild.

Als freie Korrespondentinnen des Netzwerks weltreporter.net leben und arbeiten wir seit Jahrzehnten in afrikanischen Ländern. Im Online-Magazin „Afrika-​Reporter“ bündeln wir unsere langjährige Kompetenz. 

Unsere Beiträge gibt es im Einzelkauf, im Afrika-Reporter-Abo und als Teil der RiffReporter-Flatrate.

Kostenloser monatlicher Newsletter | Leseproben | Twitter | Über uns

Verantwortlich im Sinne des Presserechts

Sarah Mersch

c/o Weltreporter.net
Hoheluftchaussee 53a
20253 Hamburg

E-Mail: mersch@weltreporter.net

www: https://weltreporter.net/author/merschweltreporter-net/

Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Redaktion: Leonie March