Warum Brasiliens Indigene Präsident Bolsonaro wegen Genozid und Ökozid verklagen

Bolsonaro hat sich die Medaille für „Verdienste um indigene Angelegenheiten“ verleihen lassen. Nach dem Drama der Corona-Pandemie in Amazonien klingt das nach einem schlechten Scherz.

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Zwei Frauen trauernde umarmen und trösten sich. Auf dem Friedhof Parque da Saudade, in São Gabriel da Cachoeira im Bundesstaat Amazonas sieht man bunte Kreuze im Hintergrund von hohen Gräsern.

Die „Medalha do Mérito Indigenista“ aus Zeiten der Militärdiktatur wird seit 1972 an Personen verliehen, die sich um den Schutz der indigenen Bevölkerung des Landes und deren Rechte verdient gemacht haben. Der brasilianische Präsident hatte sich mit einem Federschmuck herausgeputzt und zur Zeremonie war auch ein Dutzend Indigene erschienen. Ihnen erklärte Bolsonaro, sie seien lange vor den Europäern angekommen, aber mit der Zeit hätten sich die Neobrasilianer integriert. „Alles, was wir wollen, ist, dass Sie auf Ihrem Land das tun, was wir auf unserem Land tun“ betonte er.

Die Auszeichnung und die Aufforderung an die Indigenen, es den Weißen nachzutun, hat viele Indigene Brasiliens aufgebracht. Denn Bolsonaro tut sich vor allem mit der Zerstörung ihres Lebensraums hervor: Mit seinem Amtsantritt 2018 kam der Kahlschlag der Wälder: Allein im letzten Jahr wurden etwa 1,5 Millionen Hektar Primärwald am Amazonas vernichtet, wie der aktuelle Bericht vom World Resources Institute’s Global Forest Watch und der Universität von Maryland zeigt. Gleichzeitig stiegen die illegalen Besetzungen indigenen Lands um 135 Prozent an.

Eine Luftaufnahme zeigt eine Piste durch den Wald auf deren rechter Seite die Bäume abgebrannt und Hütten zerstört sind. Viele illegale Siedler machten sich die Corona-Pandemie zunutze und holzten den Urwald ab.
Das indigene Territorium Alto Rio Guamá im Bundesstaat Pará erlebte im September 2020 schwerste Waldbrände. Mehr als 20 Tage mussten die Waldhüter das Feuer alleine bekämpfen, bis eine Brigade der Umweltbehörde Ibama sie unterstützte. Inmitten der Pandemie drangen illegale Siedler ein und die Abholzung nahm rasend zu.
Luftaufnahme von Massengräbern. Menschen in Schutzanzügen versenken Holzsärge in die ockerfarbene amazonische Erde von Manaus.
Die schnelle Verbreitung des Virus in den Städten und gerade in den Elendsvierteln von Manaus waren vorherzusehen. Trotzdem unternahm die brasilianische Regierung nichts dagegen. Das Ergebnis war ein Massensterben. Hier: Begräbnis auf dem Friedhof N.S. de Aparecida in Manaus im April 2020.
Vor dem Krankenhaus parkt ein Krankenwagen, der die mit Covid infizierten Patienten abtransportieren soll. Darum stehen fünf Personen der Militärpolizei und eine Krankenschwester läuft über den regennassen, spiegelnden Asphalt.
Die Gesundheitsversorgung im Bundesstaat Amazonien ist zusammengebrochen. 235 Patienten wurden zur Versorgung in fünf Bundesländer verlegt, damit sie mit Sauerstoff versorgt werden können.
Mit Pfeil und Bogen bewaffnete Indigene protestieren vor dem abgeschirmten Gebäude der Indigenen Schutzbehörde Funai, die nichts zu ihrem Schutz unternimmt.
Indigene Yanomami und Ye'kwana protestierten in den Straßen von Boa Vista, der Hauptstadt von Roraima, gegen den illegalen Bergbau in ihrem Gebiet. Die Gruppe besetzte den Sitz der FUNAI, die eigentlich für den Schutz der Indigenen Interessen sorgen soll.
Der Mann auf dem Foto, Luiz Eloy Terena, trägt Anzug und Krawatte, kombiniert mit einem traditionellen Federschmuck und einer FFP2 Maske. Er verteidigt die Rechte der Indigenen und verklagte Bolsonaro vor dem Internationalen Strafgerichtshof.
Der indigene Anwalt Luiz Eloy Terena stellte Strafanzeige vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Er vertritt die Vereinigung der Indigenen Völker Brasiliens (Apib). Hier ist er bei einer Protest-Kundgebung „Kampf für das Leben“.
Luftansicht des Uraricoera-Fluss in Nordbrasilien. Neben dem Flusslauf haben die Goldgräber den Wald abgeholzt und kraterartige Landschaften und mit Chemikalien vergiftete Lagunen angelegt, wo sie die Erde nach Gold durchwühlen.
Mehr als 20.000 illegale und bewaffnete Goldschürfer verwüsten das Land der Yanomami in Nordbrasilien am Uraricoera-Fluss. Der Goldrausch beschleunigt die Zerstörung des Waldes, vergiftet die Flüsse und bringt Gewalt und sexuelle Ausbeutung in die indigenen Gemeinden.

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