Mit Hitze und Dürre leben – Fünf Ideen aus heißen Regionen der Welt

Diese cleveren Projekte machen nicht nur Mut, sie fassen die Folgen des Klimawandels auch ganz praktisch an

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An einem Hochbeet arbeitet der Kenianer Joshua Kiamba mit Pflanzen einer Hydroponics-Kultur in Nairobi.

Zu trocken, zu heiß, zu staubig – Clevere Beispiele aus fünf Ländern zeigen, wie kleine Initiativen und Projekte mit den Herausforderungen und Folgen des Klimawandels umgehen: Schwimmende Solaranlagen in Tunesien, Londoner Energiegärten, Bäume als Helfer auf Hirsefeldern, Hydroponik im Slum und Wassermanagement im australischen Outback.

Niger: Aufforstung durch Wurzeln

Trockene Blätter rascheln unter Mahamoud Kader Gonis Füßen, sein bodenlanges Gewand flattert im Wind. Der Bauer geht über sein Feld im Südwesten von Niger. Das helle Erdreich ist trocken, die Erdkrume dünn, hier und da wachsen Bäume und Büsche. Er kenne das Alter jedes einzelnen, sagt Kader Goni, weil er jeden einzelnen selbst gezogen habe und sie alle pflege.

Erst seit 2018 sieht Kader Goni in Bäumen nicht mehr nur mögliches Brennholz, sondern weltvolle Helfer auf seinem Hirsefeld. Die Not habe ihn und viele andere Bäuerïnnen der Region zum Umdenken gezwungen, sagt der 68-jährige Familienvater. „An vielen Stellen unserer Felder kam nacktes Gestein durch, der Wind hatte die Erde abgetragen, die Böden waren fast unfruchtbar geworden. Überall war Staub.“ Und seine Ernte wurde immer schlechter.

2018 lernte er durch Mitarbeitende der Hilfsorganisation World Vision die FMNR-Methode kennen, die „Farmer Managed Natural Regeneration“. Gemeint ist eine von den Bäuerïnnen selbst verwaltete natürliche Wiederbegrünung verarmter und entwaldeter Böden. Statt Bäume zu pflanzen, werden noch vorhandene, unterirdische Wurzeln gerodeter Bäume genutzt, die wieder austreiben.

Nach Zahlen des geologischen Überwachungsinstituts der USA lag 1980 die durchschnittliche Baumdichte auf dem Ackerland in Niger bei schätzungsweise vier Bäumen pro Hektar. Satellitenbildern zufolge liegt sie heute bei über 40, und das auf mehr als sechs Millionen Hektar – der untersuchten Fläche, die nicht das gesamte Land umfasst. Die Regierung von Niger gibt an, dass sogar mindestens zehn Millionen Hektar wieder begrünt wurden.

Autorin: Bettina Rühl

Auf einem braunen Feld arbeitet der nigrische Bauer Mahamoud Kader Goni nach der FMNR-Methode.
Der nigrische Bauer Mahamoud Kader-Goni arbeitet nach der FMNR-Methode – Seitdem fahre er viel mehr Ernte ein.
An einer Böschung arbeiten Helferïnnen und pflanzen im Energy Garden in Brondesbury Park Gartenkräuter. Rechts steht der Initiator des Projekts, Agamemnon Otero und unterhält sich mit ihnen.
Agamemnon Otero (rechts) mit Helferinneun und Helfern im Energy Garden in Brondesbury Park
Drahtrollen spannen sich an den Ufern eines Flusses im australischen Outback. Die sogenannten Envirolls simulieren einen natürlichen Vegetationsstreifen.
Im Roderick-Fluss in Westaustralien haben die Farmer sogenannte Enviroll-Konstruktionen an den Ufern installiert, die einen natürlichen Vegetationsstreifen simulieren.
An einem Hochbeet arbeitet der Kenianer Joshua Kiamba mit Pflanzen einer Hydroponics-Kultur in Nairobi.
Joshua Kiamba an seinem Hydroponics Hochbeet im Slum Korogocho in Nairobi

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