Eine Schachtel mit Solarzelle auf dem Dach

Ein deutsch-tunesisches Startup entwickelt einen Elektro-Transporter mit Solarantrieb

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Ein kleines, kastiges Transportgefährt mit drei Rädern und einer Solarzelle auf dem Dach

Drei Räder, eine Solarzelle, viel Stauraum, keinen Schnick-Schnack: mit seinem Kleintransporter will Bako Motors die boomende Lieferindustrie in Afrika und im Nahen Osten billiger und umweltschonender machen. Statt nur aus der Steckdose kommt die Hälfte des Stromes direkt vom Himmel.

„Das ist noch ein bisschen schwergängig“, lacht Malek Hattab entschuldigend, als er mit sichtlicher Mühe das Lenkrad dreht. Sie seien bereits dabei, eine eigene Lenkung für den Prototypen zu entwickeln, erklärt er, als er das dreirädrige Gefährt aus der Halle von Bako Motors steuert, zur Probefahrt über den Parkplatz im Industriegebiet am Südrand von Tunis. „Einmal kurz festhalten“, warnt der Designer des Fahrzeugs, als er über Schwellen und um Schlaglöcher herum navigiert. Die Stoßdämpfer müssten noch optimiert werden.

Türen und Sitzgurte hat der Transporter mit einer Sitzbank für zwei Leute vorne und ordentlich Stauraum hinten auch noch nicht. Bis jetzt gibt es nur diesen einen. Er ist der sogenannte proof of concept – der erste Schritt in der Entwicklung, quasi der Beweis für die Investoren, dass die Idee umsetzbar ist, noch bevor es an die Entwicklung der Prototypen geht.

Für die arabische Altstadt und die deutsche Umweltzone

Das Team von Bako Motors will sich mit dem kleinen Three-Wheeler vor allem im Lieferbetrieb in Afrika und dem Nahen Osten etablieren, genauer gesagt im sogenannten last-mile-delivery-Bereich: in der Zustellung an den Endkunden, für die bis jetzt zum Beispiel Motorroller oder Kleintransporter eingesetzt werden. Tunesien, wo sich der Online-Handel erst mit der Corona-Pandemie wirklich verbreitet hat, Nigeria und Saudi-Arabien stehen als erste Länder auf dem Plan, aber auch eine europäische TÜV-Zertifizierung ist schon in Arbeit.

Denn nicht nur für enge arabische Altstädte oder westafrikanische Metropolen könnte das emissionsfreie Gefährt interessant sein, sondern auch für die Umweltzonen deutscher Großstädte, argumentiert Boubaker Siala, Gründer des deutsch-tunesischen Startups Bako Motors. Er hat in München Elektrotechnik studiert, unter anderem bei Bosch und BMW gearbeitet.

Ein Mann in Anzug steht lächelnd vor einem kleinen Transportfahrzeug
Um seinen Solar-Hybrid-Transporter zu bauen ist Boubaker Siala in seine Heimat Tunesien zurückgekehrt
Innenraum des Transporters mit wenigen Schaltern und elektronischer Geschwindigkeitsanzeige
Viel einfacher geht es nicht: die Ausstattung des Gefährts ist bewusst reduziert
Auf einem Tisch liegt ein Ladegerät, dass an alte, etwas klobige Ladegeräte von Laptops erinnert.
Kaum schwerer als früher ein Ladegerät für den Laptop: die Batterie des Transporters kann man an jeder Steckdose aufladen
Ein Metallgestell in Form des Transporters
Zehn Kilo leichter als der Vorgänger: das neue Chassis des Transporters
Blick auf Trennwände in einer Industriehalle
In dieser Halle in einem Industriegebiet von Tunis entsteht gerade der Prototyp des Solartransporters

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Sarah Mersch


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