Rettet den Marsmaulwurf

Eigentlich sollte ein tiefes Loch in den Marsboden gehämmert werden. Aber der Marsmaulwurf steckt fest - und guter Rat ist teuer.

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von Karl Urban

„Musst du eigentlich überall deinen Finger reinstecken?“ - Diesen Satz kennt jedes Kind und wir alle haben ihn sicher noch im Ohr. Tatsächlich aber sind Kinder die besten Forscher und bringen schlicht ihr genetisches Erbe zum Einsatz: Homo sapiens trieb seine langen Finger schon immer durch Neugierde voran, Unbekanntes zu befühlen und gerade auch dorthin vorzudringen, wo Augen nichts erkennen können. Dort kann man doch am meisten lernen – auch wenn es manchmal weh tut. Auch der NASA-Marslander InSight hat das getan – und kämpft nun seit über zwei Monaten mit einem Problem: Der Bohrer, der eigentlich ein Hammer ist, steckt fest. Es geht nicht voran – herausziehen ist keine Option.

Während die Warnungen der Eltern sicher gelegentlich legitim sind, ist das Hineinbohren, das Hindurchstecken, das Befühlen unsichtbaren Terrains auch weiterhin ein probates Mittel der Forschung, wenn etwas unsichtbar verborgen liegt, das wir gerne verstehen würden. Geologen bohren schon sehr lange gerne Löcher – und einen größeren Teil unseres Wissens über den Aufbau der Erdkruste oder über den beständigen Strom von Hitze aus dem Erdinneren kennen wir aus eigens dafür gebohrten Löchern.

Grafik der Raumsonde InSight mit ausgesetztem Seismometer-Instrument SEIS (links unten) und HP3
Grafik der Raumsonde InSight mit ausgesetztem Seismometer-Instrument SEIS (links unten) und HP3 (rechts unten)

Erstaunlicherweise gehören Bohrgeräte in der Raumfahrt allerdings bislang nicht zum üblichen Instrumentarium: Die Apollo-Astronauten hatten noch Bohrer für maximal drei Meter tiefe Löcher dabei. Die Marsrover Spirit und Opportunity waren die ersten planetaren Gefährte, die Bohrgeräte erfolgreich einsetzten. Aber es waren wenig ambitionierte Kratzbürsten: Sie konnten lediglich wenige Millimeter am Sediment herumkratzen. Denn für eine mobile Sonde wäre es fatal, wegen eines wie ein Anker wirkenden Bohrers an einem unbedeutenden Stein hängen zu bleiben. Der bis heute aktive Rover Curiosity kann mit seinem Bohrer immerhin fünf Zentimeter ins Gestein vordringen und es dabei zu Pulver zermahlen, das dann in Laborexperimenten im Roverinneren näher analysiert werden kann. Der Kometenlander Philae sollte sich mit einem Hammer in die Tiefe vorarbeiten; er ist einer der Vorgänger des aktuellen Maulwurfs. Doch dieses Vorhaben gelang nicht, weil der Kometenlander Philae im Jahr 2014 unerwartet schief aufsetze.  

Das Problem des Maulwurfs

Am 26. November 2018 landete die erste Sonde auf dem Mars, die all das wieder einmal probieren sollte: InSight ist ein stationärer Lander ganz ohne Räder. Wo er steht, bleibt er stehen. Es ist also nicht missionsgefährdend, steckenzubleiben. Allerdings besitzt InSight nur einen fingerförmigen Hammerbohrer, und zwar einen recht wertvollen: Das Heat Flow and Physical Properties Package (HP³), eines der nur zwei wesentlichen Instrumente an Bord der 875 Millionen Dollar teuren Mission. In einem 35 Zentimeter langen und gut Filzstift-dicken Schaft steckt ein Hämmermechanismus samt Motor und zweier Federn. All das sollte sich nun selbst in die Tiefe hämmern, idealerweise bis zu zu fünf Meter hinab. Die Forscher veranschlagten dafür im besten Fall 30 Marstage. Danach sollte ein Marsjahr lang der Wärmefluss aus der Marstiefe erforscht werden.

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