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Gestresst als Fötus, krank als Erwachsener?

Stresshormone helfen dem Gehirn bei der gesunden Entwicklung. Werden es aber zu viele, gefährdet das die Resilienz. Jetzt entdeckten Forscher*innen mögliche molekularbiologische Ursachen des Phänomens.

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13.09.2019
10 Minuten
Dreidimensionale Illustration eines menschlichen Fötus in der Gebärmutter.

Dass Stress eine gute und eine schlechte Seite hat, ist eine Binse. In Maßen und verbunden mit dem Erlebnis der positiven Überwindbarkeit machen uns belastende und anstrengende Erfahrungen stärker und widerstandsfähiger. Experten, wie Klaus Fröhlich-Gildhoff sprechen von Schutzfaktoren, die sich im Laufe unserer Entwicklung aufbauen und bei Erwachsenen regelrechte Wunder vollbringen können: Lernen wir bereits im Kindergartenalter, mehr oder weniger ausgeprägte Krisen selbstständig zu überwinden, „erwerben wir soziale Kompetenz und gehen auch später entspannter mit Stress um“, sagt der Freiburger Kinder- und Jugendpsychologe.

Werden Belastungen hingegen übermächtig oder dauern unentwegt an, wird der von ihnen ausgelöste Stress toxisch. Dann steigt das Risiko für so genannte Stresskrankheiten. Das sind Depressionen, Ängste, Schlafstörungen und viele andere psychische Leiden, aber auch Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie Stoffwechselstörungen wie Übergewicht und Diabetes.

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Die Resilienz, also die psychische und körperliche Widerstandskraft, bildet sich indes nicht erst ab dem Kindergartenalter aus. Schon die Bedingungen in den ersten beiden Lebensjahren zählen. Nach neuesten Erkenntnissen spielt es sogar eine Rolle, welchen Erfahrungen die Mutter während der Schwangerschaft ausgesetzt ist.

Sind wir noch im Mutterleib, reift unser Gehirn. Dann reagiert es besonders sensibel auf Signale aus seiner Umgebung. Diese steuern ein Stück weit die Gehirn-Entwicklung. Evolutionsbiologisch gesehen macht es dabei Sinn, dass auch Informationen über die Umwelt sowie die Lebensbedingungen der Mutter Einfluss nehmen – etwa über die Intensität möglicher Gefahren. Werden wir zum Beispiel in eine bedrohliche Welt hineingeboren, sollten wir logischerweise auch besonders gut auf Gefahren vorbereitet sein. Entsprechende Eigenschaften des Gehirns mögen im sprichwörtlichen „Kampf ums Überleben“ helfen, sie machen im Gegenzug aber oft auch überempfindlich und senken so die Resilienz gegenüber Krankheiten aller Art.

Neue Daten zeigen: Zu viel Stress im Mutterleib ist schädlich.

So viel zur Theorie, die bereits auf einer Vielzahl spannender wissenschaftlicher Befunde beruht. Jetzt liefert ein internationales Team von Wissenschaftler*innen um Elisabeth Binder vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München neue Hinweise, welche molekularbiologischen Prozesse die vorgeburtliche Prägung der Resilienz beeinflussen. Eine zu hohe Konzentration von Stresshormonen im Mutterleib verändert demnach beim Fötus dauerhaft die Umgebung der Gene in wichtigen Nervenzellen. Daraufhin reagieren diese Zellen auf zukünftigen Stress empfindlicher als gewöhnlich geprägte Zellen [1].

Fast 4 000 Gene wurden plötzlich anders abgelesen.

Blick auf zwei Spaziergänger hinter einer Milchglasscheibe des Irish Museum of Modern Art, Dublin.
Für Menschen mit einer Depression wirkt die Welt oft, als wäre sie hinter einer Milchglasscheibe verborgen. Die Depression gilt als typische Stresskrankheit.

Ein Überangebot an Stresshormonen schwächt die Resilienz des Kindes auf zwei Wegen.

Dass mehr Geld in die Entlastung und Unterstützung werdender Eltern investiert werden muss, mag nicht allen gefallen.

Die Kinder stark gestresster Mütter kommen frühzeitig gealtert zur Welt.

Selbst der Stress der Großmütter wirkt.

Stress im Mutterleib kann auch gut für das Kind sein.

Quellen

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Dr. Peter Spork

Dr. Peter Spork

Seit 30 Jahren freier Wissenschaftsjournalist, Vortragsredner und Sachbuchautor, darunter die Spiegel-Bestseller Gesundheit ist kein Zufall und Der zweite Code. Sein aktuelles Buch Die Vermessung des Lebens ist das erste populärwissenschaftliche deutsche Sachbuch zur Systembiologie.


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