Corona weltweit: Surfen auf der Omikron-Welle?

Von Polen über Indonesien bis Kolumbien und Kenia: Während die Neuinfektionen explodieren, zeigen sich rund um den Globus Gemeinsamkeiten und Differenzen im Umgang mit Covid-19

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Ein Mädchen mit Kopftuch und Gesichtsmaske bekommt eine Impfung.

Einmal mehr schlägt die Weltgesundheitsorganisation Alarm: Letzte Woche sei es weltweit zu mindestens 15 Millionen Neuinfektionen mit dem gefährlichen Coronavirus Sars-CoV-2 gekommen, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Die Zahl der Toten liege seit Oktober bei etwa 50.000 pro Woche.

Bruce Aylward, eine kanadischer Arzt und einer der Leiter der Pandemiebekämpfung der WHO, sagte, er habe in 30 Jahren, in denen er es beruflich mit Infektionskrankheiten zu tun gehabt habe, keine solche epidemische Kurve gesehen wie durch die Omikron-Welle. Die Menschheit habe über Monate hinweg nicht Impfstoffe, sondern sehr viele Falschinformationen über Impfungen geteilt, kritisierte er. Es sei aber kein Zeitpunkt, um aufzugeben, warnte die WHO-Spitze.

Doch weltweit gehen Länder und Menschen extrem unterschiedlich mit der Pandemie um, wie unser sechster globaler Überblick über die Lage zeigt, in dem unsere Reporterinnen und Reporter Hintergründe und Impressionen aus 16 Ländern bieten: Polen, Israel, Indonesien, Australien, USA, Kolumbien, Peru, Brasilien, Kenia, Tunesien, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Schweiz, Österreich und Island.

Polen: 100.000 Corona-Tote und ein widersprüchlicher Kurs

Von Paul Flückiger, Themenmagazin Weltreporter, Warschau

Polen mit seinen rund 38 Millionen Einwohnern verzeichnete gerade den hunderttausendsten Corona-Toten. Doch die Regierung scheint kurz vor Beginn der erwarteten Omikron-Welle wieder einmal im Dunkeln zu tappen.

Die Impfquote ist mit 55,6 Prozent eine der niedrigsten in der EU, was auch damit zusammenhängt, dass sich das rechtspopulistische Regierungslager selbst uneins ist, ob es sich bei Corona nicht doch um eine der vielen angeblichen Weltverschwörungen handeln könnte.

Offiziell wird fürs Impfen und Boostern geworben, doch manche von Jaroslaw Kaczynskis Ministern steuern an anderen Fronten aktiv dagegen. So streiten Gesundheits- und Bildungsministerium über eine Impfpflicht für Lehrkräfte. Der als nationalistischer Hardliner bekannte Bildungsminister der Kaczynski-Partei PiS hat auch die Rückkehr aus der Online-Schule per 10. Januar durchgesetzt. Es seien ja bald Winterferien und so könnte die Verbreitung der Omikron-Variante noch rechtzeitig gestoppt werden, begründete der wackere Rechtskonservative.

Von einem nicht deklarierten „schwedischen Modell“ sprechen inzwischen viele PiS-Anhänger. Polen erkennt zwar den EU-Covid-Pass an, setzt ihn aber selbst im öffentlichen Raum nicht als Kontrollmechanismus ein.

Zwar ist die Belegung von Theatern, Kinos und Kirchen auf maximal 30 Prozent beschränkt worden, doch nur manche Institutionen setzen dies auch durch, und bestimmt nicht die Kirche. Laut dem Gesundheitsminister, der eher dem EU-Mainstream folgt und die Kinder-Impfung propagiert, soll der Gipfel der Omikron-Welle Ende Januar erreicht sein. Das Gesundheitssystem sei allerdings jetzt schon am Anschlag, warnt der oberste Gesundheitsmanager und verwirft machtlos die Hände. Mehr Gehör bei Polens starkem Mann Kaczynski hat da schon der Bildungsminister, der für die Umerziehung der Jugend und damit den neuen, national-konservativen Polen verantwortlich ist.

Israel: Kampagne für vierte Impfung inmitten von „Chaos”

Von Agnes Fazekas, Themenmagazin Weltreporter, Tel Aviv

Die Freude der 9-jährigen Israelin Alma ist groß: „Morgen spielen wir in der Schule“. Der Grund: Von ihren 30 Klassenkameraden befinden sich 27 in Quarantäne. Dass Alma und zwei Mitschüler die Lehrerin eine Woche ganz für sich haben, liegt daran, dass sie bereits doppelt geimpft sind. Ein Ausnahmefall ist ihre Klasse nicht.

„Es herrscht Chaos in ganz Israel“, schrieb die Zeitung „Haaretz” Anfang der Woche. Ständig änderten sich die Vorschriften, die Regierung hinke mit Erklärungen hinterher. Selbst Menschen, die es bisher geschafft hätten, die Vorschriften gewissenhaft zu befolgen, falle es schwer, den Überblick zu behalten.

Teststationen sind von Nord bis Süd völlig überlastet. Einerseits fehlt es an Personal und Tests, gleichzeitig haben sich die Omikron-Fälle in wenigen Tagen vervielfacht. 18.000 Covid-Neuinfektionen am Tag wurden Anfang der Woche gemeldet, die höchste je verzeichnete Zahl in Israel. Und nur per Test entkommen Geimpfte der stets drohenden Quarantäne.

Tatsächlich scheint Premier Naftali Bennett jetzt die Rechnung für seine Anti-Lockdown-Politik zu zahlen. Auf keinen Fall noch einmal die Wirtschaft lahmlegen, lautete seine Strategie im Sommer. Weltweit kassierte er Lob für sein mutiges Boostern bereits im August. Ohne größeren Schaden hatte er die Israelis damit scheinbar durch die Delta-Welle gebracht.

Dass Israel nun als erstes Land zumindest den Älteren die vierte Impfdosis empfiehlt, ist die logische Konsequenz. Allerdings klingen die Zwischenergebnisse nicht allzu optimistisch. Studienleiterin Gili Regev sagte vergangene Woche: „Wir sehen einen gewissen Anstieg der Antikörper, aber er ist nicht sehr beeindruckend.“

Die einzigen, die sich neben Alma noch freuen, sind die Touristen: Denn mit der Verbreitung im eigenen Land macht auch die anfangs eilig verfügte Sperrung des Flughafens keinen Sinn mehr. Geimpfte aus fast allen Ländern dürfen wieder einreisen.

Ältere Menschen tanzen in einem Saal mit Luftballons, im Zentrum ein Mann und eine Frau.
Ein Tänzchen vor der vierten Impfung: In diesem Altenheim in Netanya, Israel, nahmen die Menschen die Aktion als Grund zum Feiern.

Indonesien: Angst vor einer neuen Welle

Von Christina Schott, Themenmagazin Weltreporter

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Indonesien war seit vergangenem November so niedrig wie zuletzt ganz am Anfang der Pandemie. Reiseeinschränkungen und lokale Lockdowns haben dazu beigetragen, die Verbreitung nach dem Höchststand von mehr als 50.000 Fällen im Juli 2021 zu bremsen.

Doch nun steigen die Zahlen allmählich wieder an, passend zum Jahreswechsel wurde in einem Restaurant in Jakarta die erste lokale Omikron-Übertragung registriert. Am 9. Januar meldeten die Behörden 529 Neuinfektionen, davon 407 Fälle mit der Omikron-Variante – das sind rund viermal so viele wie noch vor einer Woche.

Aus Angst vor einer neuen Welle durch die Omikron-Mutation hat die indonesische Regierung schon Anfang Dezember alle öffentlichen Weihnachts- und Neujahrsfeiern verboten und eine mindestens zehntägige Hotel-Quarantäne für alle Reisenden aus dem Ausland eingeführt, die Anfang Januar auf sieben Tage verkürzt wurde.

Für den Tourismus auf der erst vor kurzem wiedereröffneten Ferieninsel Bali bedeutet das einen weiteren Rückschlag. Einreisen darf nur, wer vollständig geimpft ist und einen negativen PCR-Test nachweisen kann. Ausländer benötigen eine Aufenthaltsgenehmigung oder ein kostspieliges Businessvisum. Einreisende aus 14 Ländern mit besonders vielen Omikron-Infektionen – darunter Frankreich, Großbritannien, Dänemark und Norwegen – müssen drei Tage länger in Quarantäne bleiben.

Australien: „Oh-Covid!“ statt No-Covid

Von Julica Jungehülsing, Themenmagazin AustralienStories, New South Wales

Während ein Teil der Welt sich vor allem dafür interessierte, ob der spöttisch mit „NoVac“ abgekürzte Novak Djokovic trotz fehlender Impfung in Melbourne auf einen Filzball einschlagen darf, haben die meisten Menschen in Australien andere Sorgen: Infektionszahlen, die dank Omikron hundertfach höher sind als viele lange Monate zuvor, fehlende Testkapazitäten, medizinisches Personal an der Belastungsgrenze, leere Supermarktregale, weil das Personal fünf Tage zu Hause auf Testergebnisse wartet.

Das einstige „No-Covid”-Land wurde binnen weniger Wochen zum „Oh, Covid!”-Kontinent.

Premierminister Scott Morrison hat eine Kehrtwende vollzogen. Vor einem halben Jahr ging es noch überwiegend darum, die nächste Welle – ganz gleich welche Nummer – zu stoppen. Die neue Parole des einstigen Marketingmanns ist, seine Landsleute hätten nur eine Wahl, und zwar „…to ride the wave”, also die Welle zu reiten.

Das soll in der Sommerferiensaison im Land der Surfing-Fans vermutlich dynamisch klingen. 2022 ist schließlich ein Wahljahr. Inzwischen ist immerhin die Impfquote hoch: Mehr als 90 Prozent der über 12-jährigen haben zwei Dosen Impfstoff bekommen. Anders beim Boostern. Die dafür nötigen Impfdosen sind bestellt, tatsächlich einen Termin zu bekommen ist allerdings nicht einfach (siehe oben: Überlastung der Gesundheitsbranche). Nur 17 Prozent der Bevölkerung haben es bisher geschafft, den besten Schutz gegen die Omikronwelle zu erhalten.

USA: Test-Knappheit bringt neuen Rückschlag für Biden

Von Kerstin Zilm, Themenmagazin Weltreporter, Los Angeles

Die Infektionszahlen in den USA liegen so hoch wie noch nie im Verlauf der Pandemie. Am 10. Januar wurden 1,35 Millionen neue Fälle registriert, ein Rekord. US-Präsident Biden will nun verstärkt ein Mittel einsetzen, das in Deutschland längst zum Alltag gehört, aber in den USA bisher kaum zum Einsatz kam: Schnelltests, um Infektionen möglichst früh und schneller als mit dem aufwändigeren PCR-Verfahren zu detektieren. Für Januar hat Biden die Verteilung von 500 Millionen kostenlosen und leicht erhältlichen Antigen-Selbsttests versprochen. Die würden zwar nicht einmal für zwei Tests pro US-Bürgerïn reichen.

Doch selbst dieses Versprechen kann die Regierung nicht einhalten. Hersteller nennen Materialengpässe und logistische Probleme als Gründe für die Verzögerung. In Supermärkten und Drogerien sind Tests ausverkauft, bevor sie in den Regalen liegen, und das obwohl ein Kit mehr als zehn Dollar kostet.

Joe Biden muss außerdem mit einem weiteren Rückschlag rechnen, wenn der Oberste Gerichtshof über die von ihm geforderte Impfpflicht für Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeiterïnnen entscheidet. Bei einer Anhörung Anfang Januar äußerte sich die Mehrheit der konservativen Mitglieder des Gremiums skeptisch gegenüber der Maßnahme.

Kalifornien will unterdessen sein eigenes, 2,7 Milliarden Dollar schweres Covid-Programm auflegen. „Wir werden damit Testangebote ausbauen, Impf- und Booster-Anstrengungen verstärken, Krankenhäuser unterstützen sowie Misinformationen bekämpfen“, sschrieb Gouverneur Gavin Newsom am 8. Januar in einer Erklärung für das kalifornische Parlament, das den Plan absegnen muss.

Menschen stehen zum Impfen Schlange.
Die Nachfrage nach Impfungen ist in Indonesien groß, seit das Land 2021 eine brutale Infektionswelle durchgemacht hat.

Kolumbien: Die Schlangen sind zurück.

Von Katharina Wojczenko, Themenmagazin Südamerika+Reporterinnen, Bogotá

Die Schlangen vor den Einkaufszentren und anderen Orten zum Impfen in Bogotá sind wieder da. Die vierte Welle soll Ende Januar ihren Höhepunkt erreichen – und die Menschen stehen stundenlang an, um sich zu wappnen. Impfen lassen können sich Menschen in Kolumbien überall, egal ob sie an ihrem Wohnort sind oder nicht, von Erst- bis Drittimpfung, tönt das Gesundheitsministerium auf Twitter. In der Praxis schaut es anders aus. Das zeigen nicht nur die Reaktionen unter dem Tweet.

Das Gesundheitsministerium hat diesen Monat die Quarantäne für Menschen mit Symptomen auf sieben Tage verkürzt – egal ob geimpft oder nicht. Menschen ohne Symptome, die engen Kontakt mit Infizierten hatten, müssen nicht einmal mehr präventiv in Quarantäne, sofern sie vollständig geimpft sind.

Testen zum Feststellen einer Infektion sei nicht mehr nötig: „Die Symptomatik ist bereits eine schlüssiges Beweismittel für eine mögliche Infektion mit der Omikron-Variante”, schreibt das Ministerium. Die Stadt Bogotá bietet weiter in Zelten täglich wenige kostenlose PCR-Tests und Antigen-Tests an. Ein selbstbezahlter PCR-Test kostet umgerechnet mindestens 45 Euro – für die meisten unerschwinglich in einer Stadt, wo gerade Menschen demonstrierten, weil die Bustickets nun 2 Cent mehr kosten.

Der Hauptgrund für diese Änderungen ist laut Gesundheitsministerium, dass hinter mittlerweile 70 Prozent der Neuinfektionen die Omikron-Variante steckt. Ein zweiter Grund sei, dass der Impfschutz der Bevölkerung heute deutlich höher sei als vor ein paar Monaten. Fast vier Millionen der 51 Millionen Menschen in Kolumbien sind dreifach geimpft, fast 29,3 Millionen mit einfacher Impfung mit dem Produkt von Janssen oder mit zwei Impfungen.

Am 24. Januar beginnt nach fast zwei Jahren Gewurschtel (der Erfahrungsbericht eines Lehrers einer öffentliche Schule in Bogotá beschreibt es) wieder allgemein der Präsenzunterricht in den Schulen und Kindergärten in der Hauptstadt – in den alten Klassenräumen und mit genauso vielen Schülerinnen und Schülern. Laut Bildungsministerium sind zwar in 98 Prozent der kolumbianischen Bildungseinrichtungen schon im zweiten Halbjahr 2021 die Schülerinnen und Schüler in den Präsenzunterricht zurückgekehrt. Die Nachricht aus Bogotá belegt aber, dass das nicht einmal in der Hauptstadt der Fall gewesen sein kann.

Auf dem Papier sollen die Schulen dafür Schutzmaßnahmen einhalten. In der Praxis gibt es teilweise nicht einmal fließend Wasser zum Händewaschen. Besonders in den eher ländlichen Regionen hatte die Pandemie den bewaffneten Gruppen in die Arme gespielt, die wegen der ausgefallenen Schule und Schulspeisung mehr Kinder rekrutieren konnten.

Brasilien: Rio ohne Karneval

Von Ulrike Prinz, Themenmagazin Südamerika+Reporterinnen

Ein weiteres Jahr muss Rio de Janeiro ohne sein Millionen-Event, den Karneval, auskommen. Das kündigte Bürgermeister Eduardo Paes letzte Woche an. Denn die Variante Omikron baut sich in Brasilien zu einer neuen Welle auf und macht auch den Karneval-Fans einen Strich durch die Rechnung. Sechs von zehn Infizierten gehen bereits auf das Konto der neuen Variante und die Neuinfektionen im Land sind auf mehr als 27.000 Fälle an einem Tag angestiegen. Zum Vergleich: Seinen schlimmsten Rekord hatte Brasilien am 23. Juni 2021, als die Tagesinzidenz auf 77.295 angestiegen war.

Die aktuelle steile Zunahme der Infektionszahlen ist Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zufolge jedoch nicht allein auf die neue Variante zurückzuführen, sondern verdankt sich auch einem Datenstau des Gesundheitsministeriums, das Gegenstand eines Hackerangriffs geworden war.

Die Absage des Karnevals ist ein harter Schlag für Cariocas und Reisende, die schon von einer Rückkehr zur Normalität geträumt hatten. Doch sollen wenigstens die Sambaschulen ihre Hüften schwingen dürfen. Auf den Tribünen der 500 Meter langen Strecke des Sambódromo finden mehr als 70.000 Menschen Platz. Hier wolle man die Belegung kontrollieren, den Impfpass fordern und zu gegebener Zeit auch einen negativen Test vor dem Eintritt, meint Bürgermeister Paes.

Peru: Impfstoff für Afrika

Von Hildegard Willer, Themenmagazin Südamerika+Reporterinnen, Lima

In der weltweiten Corona-Statistik hält Peru immer noch den traurigen Rekord als Land mit den meisten Corona-Toten pro einer Million Einwohnern. Das liegt zwar auch daran, dass Peru seine Corona-Statistik um Menschen ergänzt hat, die mit eindeutigen Symptomen, aber ohne formalen Testnachweis verstorben sind. Doch vor allem hat das Corona-Virus in Peru in zwei Schockwellen gewaltig zugeschlagen. Jeder kennt in Peru jemanden, der am Virus gestorben ist.

Deswegen war der Andrang groß, als Anfang Februar 2020 die Impfkampagne begann. Impfgegner kennt man in Peru bis heute kaum. Die Impfkampagne überstand relativ schadlos zwei Präsidentschaftwahlkämpfe, wochenlange Demonstrationen des unterlegenen Lagers und eine mehr als holprige neue Präsidentschaft. Die Impfkampagne lief dennoch weiter, mit dem Ergebnis, dass heute 80 Prozent der Bevölkerung über 12 Jahren zweimal geimpft sind. 18 Prozent der Bevölkerung und 51 Prozent der besonders gefährdeten Menschen haben bereits die dritte Dosis bekommen.

Impfstoffe von Pfizer, Sinopharm und Astra Zeneca seien genügend auf Lager, Peru habe sogar soviel Impfstoff, dass es afrikanischen Ländern welchen angeboten habe, sagte Gesundheitsminister Hernan Cevallos noch Anfang Januar.

Am 5. Januar musste er dann zugeben, dass Omikron und die dritte Corona-Welle auch Peru erreicht haben. Die Fallzahlen schnellen seitdem in ungeahnte Höhen; die Belegung der Intensivbetten und die Todeszahlen halten sich zwar noch in Grenzen, aber auch wenn Omikron weniger tödlich ist, so ist zu fürchten, dass die hohen Fallzahlen doch zu viel zusätzlichem Leid und einer Überlastung des ohnehin prekären Gesundheitssystems führen kann.

Menschenmenge mit Protestplakaten gegen die Impfung unter Palmen.
Wie in anderen Teilen Frankreichs auch kam es in den vergangenen Tagen auf der Insel Reunion zu Protesten gegen die Coronapolitik von Präsident Emmanuel Macron.

Kenia: Nur Geimpfte dürfen ins Einkaufszentrum

Von Bettina Rühl, Themenmagazine Afrika-Reporter und Weltreporter, Nairobi

Wer geimpft ist, trägt in Kenia sein Zertifikat am besten immer bei sich. Schon für das Betreten eines Einkaufszentrum ist der Impfnachweis Pflicht. Denn die Regierung hat Ende Dezember 1G eingeführt, obwohl erst gut 16 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sind.

Ein kenianisches Gericht hatte zwar einer Petition gegen die 1G-Regel stattgegeben und zumindest einen Aufschub verlangt, der allerdings in der Praxis offenbar ignoriert wird. Besonders brisant: Auch wer staatliche Dienste in Anspruch nehmen und eine Behörde betreten möchte, muss nach dem Willen der Regierung seit dem 21. Dezember geimpft sein.

Menschenrechtsorganisationen haben das scharf kritisiert. Auch für die Benutzung von Zug, Bus und Flugzeug ist die Impfung faktisch obligatorisch. Ohne Zertifikat darf man auch Bars und Restaurants nicht mehr besuchen.

Seit der Androhung und dann faktischen Einführung der Impfpflicht ist die Impfquote drastisch in die Höhe gegangen. Problematisch bleibt aber, dass die Regierung gar nicht allen, die sich impfen lassen möchten, kurzfristig ein Angebot machen kann. Die Gründe dafür sind vielfältig.

In jedem Fall hat die niedrige Impfquote auch damit zu tun, dass die westlichen Staaten zunächst über Monate kaum Vakzine an den globalen Süden abgegeben haben. Nun ist vielerorts mehr Impfstoff verfügbar, als fristgerecht verbraucht werden kann. Auch, weil die Lieferungen kurzfristig erfolgen und die Dosen schon relativ nah am Verfallsdatum sind, so dass Impfkampagnen nur schwer zu organisieren sind. Währenddessen scheint eine recht massive Infektionswelle in Kenia gerade etwas abzuebben. Rund um Weihnachten lag die Positivrate aller Tests bei über 30 Prozent, derzeit gibt das Gesundheitsministerium einen Wert von knapp 14 Prozent an.

Tunesien: Mit Karacho in die fünfte Welle, trotz Impfpflicht

Von Sarah Mersch, Themenmagazin Afrika-Reporterund Weltreporter, Tunis

Hektisch wühlen einige Menschen in ihren Taschen nach dem Handy, andere ziehen schon leicht zerfledderte Zettel aus der Tasche: Vor dem Zollgebäude in der Innenstadt von Tunis hat sich eine kleine Schlange gebildet, denn am Eingang wird der Impfpass kontrolliert – und das nicht nur oberflächlich. Der Beamte an der Tür scannt den QR-Code tatsächlich ein.

„Hey, Maske nicht vergessen” ruft er zwischendurch dem einen oder anderen Besucher zu. Nur wer gegen Covid geimpft ist, darf seit dem 22. Dezember in Tunesien arbeiten gehen, in Geschäfte, Universitäten, Kneipen oder Cafés. Zumindest in der Theorie.

Längst nicht überall wird die Impfpflicht, die offiziell nicht so genannt wird, auch so streng kontrolliert. Wahrscheinlich deshalb halten sich die Proteste bis jetzt auch in Grenzen. An Impfstoff mangelt es inzwischen in Tunesien nicht mehr: Rund die Hälfte der zwölf Millionen Menschen des nordafrikanischen Landes ist bis jetzt vollständig geimpft, fast zwei Drittel sind auf der nationalen Impfplattform registriert. Seit einigen Wochen können sich Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren mit Zustimmung der Eltern impfen lassen, nach und nach werden ältere doppelt Geimpfte nun zu Booster-Impfungen eingeladen.

Doch Omikron macht auch vor Tunesien nicht halt. Nach einem langen niedrigen Plateau gehen die Zahlen seit Jahresbeginn sprunghaft in die Höhe. 54 Prozent der – wenigen – genetisch sequenzierten Fälle seien auf die neue Variante zurückzuführen, sagte der Direktor des Institut Pasteur am 5. Januar.

Ein Mitglied des Expertenrates prognostizierte, dass sich in den kommenden zwei Wochen bis zu 200.000 Menschen in Tunesien infizieren und das Gesundheitssystem erneut an den Rande des Kollaps kommen könnte. Bereits im Dezember hat Tunesien seine Einreisebestimmungen erneut verschärft: Alle Reisenden müssen einen negativen PCR-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf.

Zusätzlich werden am Flughafen vor allem bei Flügen aus Risikogebieten Schnelltests durchgeführt. Ungeimpft dürfen nur noch Einheimische wieder einreisen. Sie müssen sich danach auf eigene Kosten in Hotelquarantäne begeben. Sonderregelungen für Pauschalreisende wurden aufgehoben.

Ab 13. Januar gilt in Tunesien wieder eine nächtliche Ausgangssperre. Öffentliche Veranstaltungen und Versammlungen wurden – zunächst für zwei Wochen – verboten, so dass auch die von der Opposition angekündigten Demonstrationen gegen Regierung und Präsident zum Jahrestag der Revolution am Freitag von der Regierung unterbunden werden können.

Ein Angestellter mit Anzug und Krawatte am Eingang eines offiziellen Gebäudes in Tunies kontrolliert den Impfnachweis eines Besuchers.
In Tunesien gilt eine faktische Impfpflicht, da Zugang zu den meisten Gebäuden nur mit einem Impfausweis möglich ist,

Spanien: Ein neuer Pragmatismus

Von Julia Macher, Themenmagazin Weltreporter, Barcelona

Auch wenn die Inzidenzen in Spanien omikron-bedingt auf Rekordniveau sind, irgendwie muss man mit dem Virus leben: Das ist das neue Motto der spanischen Regierung. Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt derzeit bei 1462 Positivfällen pro Hunderttausend Menschen.

Doch über schärfere Restriktionen wird aufgrund der hohen Impfquote und der gemäßigten Auslastung in den Krankenhäusern nicht diskutiert. Um die Grundversorgung des öffentlichen Lebens nicht zu gefährden, wurde die Quarantänepflicht für asymptomatische Fälle oder Verläufe mit nur leichten Symptomen Anfang des Jahres von zehn auf sieben Tage reduziert.

Anfang der Woche hat in Spanien die Schule wieder begonnen. Der Unterricht ist nach den Weihnachtsferien für alle Altersstufen, vom Kindergartenkind bis zum Studierenden, im Präsenzunterricht gestartet. Regelmäßiges Lüften, Mund-Nasen-Schutz und Impfungen sollen ausreichen, um aus Schulen einen sicheren Ort zu machen.

Zwar haben in der Altersgruppen der Fünf- bis Elfjährigen bisher nur 35,6 Prozent die erste Dosis erhalten. Aber da in dieser Altersgruppe die Verläufe meist als mild eingestuft werden und die älteren Schülerinnen und Schüler zu 90,2 Prozent doppelt geimpft sind, halten die Behörden diese Strategie für vertretbar. Auch die Quarantäneregeln wurden gelockert: An den heimischen Schreibtisch geschickt werden Schulklassen nur noch, wenn es fünf oder mehr Positivfälle gibt.

Frankreich: Macron legt sich mit Ungeimpften an

Von Giorgia Grimaldi, Themenmagazin Frankreich-Report, Marseille

Vor den Feiertagen hielt man sich mit offiziellen Stellungnahmen lieber zurück, doch mittlerweile ist klar: Omikron hat Frankreich längst im Griff, vor allem die Überseegebiete, die Bretagne und die nördlichen Regionen sind stark betroffen. Im ganzen französischen Gebiet gilt obligatorisches „Smartworking“ von Zuhause, mindestens drei Tage die Woche, wenn möglich vier. Diskotheken bleiben auch weiterhin geschlossen.

Aktueller Aufreger ist allerdings ein anderes Thema: Alle reden über die saloppe Ausdrucksweise Emmanuel Macrons.

Einige fühlen sich beleidigt, andere wiederum finden es gut, die Dinge endlich beim Namen zu nennen: „Ich habe große Lust auf die Ungeimpften zu scheißen“, wäre die wortwörtliche Übersetzung seines Statements. Alternativ könnte man auch die salonfähigere Variante „Ich habe große Lust ihnen auf den Senkel zu gehen“ (O-Ton: „j’ai très envie de les emmerder“) nehmen. Aber das bleibt Interpretationssache.

Am 04. Januar, als Emmanuel Macron der Zeitung „Le Parisien“ ein Interview gibt, sorgt nicht mehr der Tageshöchstwert der Corona-Neuinfektionen von mehr als 270.000 für Kopfschütteln, sondern die derbe Wortwahl des Präsidenten, der sich selten so umgangssprachlich ausdrückt.

Nicht nur die Form, auch der Inhalt sorgt für Diskussion, denn der Staatschef lässt keinen Zweifel an seiner Strategie: Die Regierung setzt auf Booster-Impfung und starke Einschränkungen für Ungeimpfte. Bis 10. Januar hatten 42 Prozent der Menschen eine dritte Dosis erhalten. Ab dem 15. Januar soll der Gesundheitspass zum Impfpass werden.

Konkret bedeutet das: Ein negatives Testresultat reicht ab Mitte Januar nicht mehr, um am öffentlichen Leben in Theatern, Fitnessstudios, Restaurants, Bars teilzunehmen oder Verkehrsmittel wie Fernzüge oder Inlandsflüge zu nutzen. Stattdessen braucht es einen Impfnachweis über Initialimpfung und Auffrischung. In den frühen Morgenstunden des 6. Januars wurde der Gesetzentwurf zum Impfpass mit 214 zu 93 Stimmen bei 27 Enthaltungen angenommen. Der Entwurf hat am 11. Januar den Senat passiert, der wohl noch „Anpassungen" vornehmen wird. Die Opposition hat bereits mit einer Klage vor dem Verfassungsrat gedroht.

Großbritannien: Die Hälfte ist geboostert

Von Peter Stäuber, Themenmagazin Weltreporter, London

Omikron hat Großbritannien mit voller Wucht getroffen, das Land verzeichnet derzeit die höchsten Infektionszahlen seit Beginn der Pandemie. Der bisherige Rekord wurde vergangene Woche erreicht, als an einem Tag rund 220.000 Neuansteckungen gemeldet wurden. Um den Jahreswechsel hatten geschätzte zehn Prozent aller Menschen in London Covid.

Dass es so kommen würde, wusste man: Die Regierung wurde vor Weihnachten von vielen Wissenschaftlern gewarnt, dass sich die hochansteckende Variante wie ein Lauffeuer in der Bevölkerung ausbreiten würde. Dennoch entschied sich Premier Boris Johnson, von schärferen Maßnahmen abzusehen – er führte Anfang Dezember lediglich die Maskenpflicht in Innenräumen sowie Impfausweise bei Grossanlässen ein.

Stattdessen setzt die Regierung voll auf das Impfprogramm: Der Gesundheitsdienst startete eine Turbo-Impfkampagne, um Millionen von Britinnen und Briten den Auffrischungs-Pieks zu verpassen. Mit einigem Erfolg: Bislang haben rund 53 Prozent der Bevölkerung eine dritte Dosis erhalten – mit Ausnahme von Chile boostert kein Land so schnell. Allerdings steht Premier Johnson wegen früheren Ereignissen unter Druck: Gartenpartys in Downing Street 2020, die eigentlich nicht hätten stattfinden dürfen.

Derzeit gibt es Hinweise, dass der Höhepunkt der Omikron-Welle bereits überschritten ist, Großbritannien ist in dieser Hinsicht den meisten europäischen Ländern voraus. Dennoch setzt die schiere Zahl an Erkrankten dem Gesundheitsdienst NHS arg zu. Dutzende Krankenhäuser haben bereits Notstände ausgerufen, weil es an Personal mangelt. Ob die Belastungsgrenze überschritten wird, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Eine Mauer mit vielen handgemalten Herzen und der Aufschrift „The National Covid Memorial Wall“.
Diese Gedenkstätte in London erinnert an die 151.000 Menschen, die bisher in Großbritannien an Covid-19 gestorben sind.

Schweiz: Nach der Medienaffäre und vor der Monsterwelle

Von Markus Hofmann, Themenmagazin Flugbegleiter, Zürich

Die Schweiz gehört zu den Ländern mit derzeit sehr hohen Inzidenzen. Die Zahl der täglich gemeldeten positiven Corona-Fälle geht durch die Decke. Die Zürcher Gesundheitsdirektorin spricht von einer „Monsterwelle“, die sich nicht mehr stoppen lasse. Auch wenn seit Ende Dezember für viele Innenräume die 2G-Regelung gilt, so konnte dies die Infektionen nicht ausbremsen.

Zu ansteckend ist die Omikron-Variante. Gleichzeitig ist die Rate der Spitaleinweisungen zurückgegangen. Da sich derzeit sehr viele Menschen in Quarantäne befinden und am Arbeitsplatz fehlen, hat die Schweizer Regierung die Fristen verkürzt: Statt zehn muss man nun noch fünf Tage in der Corona-Quarantäne verbringen.

Neben den hohen Fallzahlen sorgte aber vor allem die Aussage eines Schweizer Medienmanagers für Aufregung. So wurde publik, dass Marc Walder, CEO des Ringier Verlags und damit eines der grössten Schweizer Verlagshäuser, seine in vielen Ländern tätigen Redaktionen vor einem Jahr angewiesen hatte, die Regierungen durch die „mediale Berichterstattung“ zu unterstützen, so „dass wir alle gut durch die Krise kommen“.

In der Schweiz gibt der Ringier die einflussreiche Boulevard-Zeitung „Blick“ heraus. Schon ein paar Klicks im Internet zeigen zwar, dass die Ringier-Presse durchaus auch kritisch über Regierungsmassnahmen berichtet. Doch der Schaden war angerichtet. Die Gegner der Corona-Massnahmen triumphierten und sahen sich in ihren Verschwörungstheorien bestätigt, dass die „Mainstream“-Medien mit der Politik unter einer Decke steckten. Inzwischen hat sich der Ringier-Chef für seine Aussagen entschuldigt.

Dieser Vorfall war ein verspätetes Geschenk an die Massnahmen-Kritiker. Denn um diese ist es in der Schweiz ziemlich still geworden. Zwar fand in Zürich kürzlich wieder eine friedliche Demonstration statt. Doch die Spitze der wichtigsten Kritiker-Organisation, die „Freunde der Verfassung“, ist zerstritten.

Ein Grund dafür: Zweimal konnten die Schweizerinnen und Schweizer im vergangenen Jahr über die Corona-Massnahmen abstimmen, zweimal unterstützten sie diese und damit auch die Regierung sowie eine Mehrheit des Parlaments. Die direkte Demokratie wirkte in der aufgeheizten Stimmung deeskalierend.

Österreich: Strengere Maßnahmen, lautstarke Proteste

Von Sonja Bettel, Themenmagazin Flussreporter, Wien

In Österreich enden die Weihnachtsferien üblicherweise am 6. Jänner, dem Feiertag „Heilige Drei Könige“. Weil dieser heuer auf einen Donnerstag fiel – und um die Omikron-Welle etwas zu dämpfen – dauerten die Ferien dieses Mal um drei Tage länger. Seit 10. Jänner 2022 sind die Schulen nun wieder geöffnet und die verpflichtenden PCR-Tests werden zeigen, wie weit verbreitet die Omikron-Variante bereits ist. Schon Ende des Jahres 2021 hat sie Delta als vorherrschende Variante abgelöst.

Um ein allzu rasches Ansteigen der Neuinfektionen zu verhindern, hat die Regierung am ersten Schultag im neuen Jahr auch neue Regeln beschlossen: Der Lockdown für Ungeimpfte wurde bis 20. Jänner verlängert. In Geschäfte abseits des täglichen Bedarfs, Restaurants, Cafés, Kino und Theater dürfen nur Geimpfte und Genesene. Ab 11. Jänner wird die Kontrolle der 2G-Pflicht im Handel auch kontrolliert. Weiters wird die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske an öffentlichen Orten im Freien, wenn ein Abstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann, eingeführt.

Zusätzlich wird weiter für die Impfung geworben, weil erst knapp 71 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Doch die Neuzugänge steigen nur sehr langsam und die Impf- und Corona-Maßnahmen-Gegner, angeführt von Rechten und angefeuert vom FPÖ-Bundesparteiobmann und ehemaligen Innenminister Herbert Kickl, demonstrieren fast jedes Wochenende lautstark in Wien und in anderen größeren Städten.

Wegen der nicht ausreichenden Impfbereitschaft wurde Mitte Dezember der Entwurf für ein Covid-19-Impfpflichtgesetz vorgelegt, der am 17. Jänner auf der Tagesordnung des Gesundheitsausschusses steht. Dazu wurden 75.661 großteils negative Stellungnahmen abgegeben, darunter viele gleichlautende von Impfgegnern.

Nachdem im Dezember bekannt wurde, dass in der größten Impfstraße im Wiener Austria Center betrügerisch Impfpässe ohne Impfung ausgestellt wurden, hat die Polizei vor wenigen Tagen in ganz Österreich Razzien durchgeführt. Es soll fortan besser kontrolliert werden.

Island: Jeder rechnet damit, Covid zu bekommen

Von Tina Gotthardt, Themenmagazin Anthropozän, Reykjavik

Es kam wie es kommen musste: minimale Einschränkungen im Dezember, zahlreiche betriebliche und familiäre Weihnachtsfeiern, Weihnachtsurlaub auf den Kanaren und natürlich die Omikron-Variante sorgten dafür, dass Island am vorletzten Tag des Jahres 2021 noch einen Rekord verzeichnen konnte: Am 30. Dezember wurden mit über 1500 Fällen der bisherige Rekordwert in der Pandemie erreicht. Seitdem sind die Zahlen konstant über 1000 Fällen pro Tag. Dies hat zu der aktuellen 14-Tage-Inzidenz von 3874 Fällen per 100.000 Einwohnern geführt. Neun von zehn Fällen gehen auf die Omikron-Variante zurück.

Als Folge sind nun rund zehntausend Einwohner in Quarantäne und weitere zehntausend in Isolation. Schulen und Kindergärten müssen zeitweise schließen, weil sie nicht mehr genug Personal zur Verfügung haben. Um diese Situation zu entspannen, wurde nun eine neue Quarantäneregel erlassen: Wer „Covid exposure” hatte, aber schon geboostert ist und keine Symptome hat, braucht nicht in Quarantäne zu gehen, sondern kann sich, mit wenigen Auflagen, frei bewegen und muss nur am fünften Tag einen PCR-Test machen.

An den bestehenden Regeln – unter anderem der Maskenpflicht, wenn Abstand nicht eingehalten werden kann, und einer Versammlungsgrenze von maximal 20 Teilnehmern – wird erstmal nicht gerüttelt. Jeder, mit dem man hier spricht, geht davon aus, jetzt auch bald Corona zu bekommen, es scheint einfach überall zu sein.

Im Moment sind neununddreißig Patienten mit Covid-19 im Krankenhaus und sieben auf der Intensivstation, alles noch Fälle mit der Delta-Variante.

Seit der zweiten Januarwoche läuft in Island nun die Massenimpfung der 5–11 Jährigen. Neun Prozent von ihnen haben schon eine Impfung bekommen. Bei den 12–15 Jährigen sind fast 80 Prozent geimpft, in den höheren Altersgruppen über 80 Prozent bis knapp 100 Prozent bei den Menschen über 70 Jahren.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikel war die Zahl der bereits erfolgten Impfungen in Kolumbien falsch mit 29.300 angeben, es fehlten drei Nullen.. Der Satz lautet korrekt: „Fast vier Millionen der 51 Millionen Menschen in Kolumbien sind dreifach geimpft, fast 29,3 Millionen mit einfacher Impfung mit dem Produkt von Janssen oder mit zwei Impfungen.“ Zudem bezieht sich der Anteil von 98 Prozent Präsenzunterricht auf die Zahl der Bildungseinrichtungen.

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Redaktion: Christian Schwägerl

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