Corona-Impfung: In der EU jetzt auch für Babys und Kleinkinder zugelassen

Wie gut schützen die Covid-Impfstoffe Comirnaty und Spikevax Kinder unter fünf Jahren? Was bisher zu Nutzen und Risiken bekannt ist.

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Eine Ärztin desinfiziert vor der Impfung den Arm eines Kleinkinds.

Die europäische Zulassungsbehörde EMA hat am 19. Oktober die Zulassung der Corona-Impfstoffe Comirnaty von BioNTech/Pfizer und Spikevax von Moderna für Babys und Kleinkinder ab sechs Monaten empfohlen. Die europäische Kommission folgte am folgenden Tag dieser Empfehlung.

Bisher waren die Impfstoffe in der EU erst für Kinder ab fünf beziehungsweise sechs Jahren zugelassen. In den USA hatte die zuständige Behörde FDA die Zulassung für die jüngeren Kinder bereits im Juni 2022 erteilt.

Für eine Grundimmunisierung von Babys und Kleinkindern sieht die Zulassung von Comirnaty drei Impfdosen vor, für Spikevax zwei. Die Dosierung ist bei beiden Impfstoffen für diese Altersgruppe deutlich niedriger als für ältere Kinder und Erwachsene.

Wie gut schützen die Impfstoffe?

Die Zulassung der beiden Impfstoffe für die Jüngsten beruht hauptsächlich auf einem Vergleich des Antikörperspiegels nach der Impfung mit dem von älteren Geimpften. Für beide Impfstoffe lag er bei Babys und Kleinkindern ähnlich hoch wie bei jungen Erwachsenen.

Für den Schutz vor Covid-19-Erkrankungen gibt es bisher nur Schätzungen: In der Studie mit Comirnaty erkrankten umgerechnet etwa 3 von 1000 Geimpften, während es bei den Ungeimpften zwischen 11 und 18 von 1000 waren. Comirnaty könnte danach je nach Altersgruppe zwischen 76 und 82 Prozent der symptomatischen Infektionen verhindern.

In der Studie mit Spikevax stellte das Forschungsteam symptomatische Infektionen bei umgerechnet 34 bis 46 von 1000 Geimpften und 66 bis 71 von 1000 Ungeimpften fest. Die Schutzeffekt von Spikevax würde damit zwischen 37 und 51 Prozent liegen.

Allerdings beruhen diese Berechnungen auf vergleichsweise wenigen Erkrankungsfällen und sind deshalb ungenau. Weil die beiden Impfstoffe in den Zulassungsstudien nicht direkt gegeneinander getestet wurden, lässt sich die Schutzwirkung auch nur bedingt miteinander vergleichen. Der Schutz vor schweren Verläufen lässt sich bisher nicht sicher abschätzen, weil es in den Studien kaum schwere Erkrankungen und keine Todesfälle gab.

Die beiden Impfstoffe wurden auf der Basis des Wildtyps von SARS-CoV-2 entwickelt, allerdings in einer Zeit getestet, als bereits die Omikron-Variante vorherrschte. Die an Omikron angepassten Booster für Comirnaty und Spikevax sind aktuell weder in den USA noch in der EU für Babys und Kleinkinder zugelassen.

Was wissen wir zu den Risiken?

Wie auch bei den älteren Kindern kann es zu Impfreaktionen wie Rötungen und Schmerzen an der Einstichstelle kommen. Jüngere Kinder können zudem wie bei anderen Impfungen auch reizbar und schläfrig werden und haben möglicherweise weniger Appetit. Diese Reaktionen sind meist nur leicht und verschwinden nach wenigen Tagen von selbst.

Die US-amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC hat im September eine Auswertung zum Risiko für Herzmuskelentzündungen bei Kindern unter fünf Jahren vorgelegt. Bei rund einer Million verabreichten Impfungen wurde bisher kein Fall einer Myokarditis gemeldet.

Diese Nebenwirkung der Corona-Impfung war vor allem bei jungen Männern aufgefallen. Für Comirnaty wird sie mit etwa 27 bis 56 pro einer Million Geimpfte angegeben, für Spikevax mit 132 und 188 pro einer Million Geimpfte. Für Jungen zwischen fünf und elf Jahren liegen die Schätzungen bei etwa drei Fällen pro einer Million Geimpfte.

Ab wann sind die Impfstoffe verfügbar?

Nach Riffreporter-Recherche existieren bisher keine verbindlichen Angaben, ab wann die Impfstoffe für Babys und Kleinkinder in Deutschland tatsächlich verfügbar sein werden. Allerdings gibt es einige Praxen, die die Impfstoffe für ältere Kinder in entsprechend niedrigerer Dosierung außerhalb der Zulassung („off-label“) auch an Babys und Kleinkinder verimpfen.

Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission STIKO liegt für Kinder unter fünf Jahren bisher nicht vor. Eine Voraussetzung für die Corona-Impfung oder die Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist die STIKO-Empfehlung allerdings nicht.

Update 21.10.2022: Zulassungsentscheidung der Europäischen Kommission ergänzt

Die Recherchen zu diesem Beitrag wurden über die Riff freie Medien gGmbH aus Mitteln der Klaus Tschira Stiftung gefördert.

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