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Quasare gesucht, Pulsare gefunden

Wie Jocelyn Bell vor 50 Jahren die ersten Neutronensterne entdeckte

14.02.2018
9 Minuten
Mehrere Monate lang baute Jocelyn Bell zusammen mit ihrem Doktorvater Antony Hewish und einigen Kollegen an dieser Riesenantenne, um Quasare aufzuspüren.

Der Zufallsfund

Als die junge Astronomin Jocelyn Bell im Sommer 1967 einen neuen Stapel Datenbögen durchforstete, fiel ihr ein ungewöhnliches Signal kurzer Radiopulse auf, die sich mit großer Genauigkeit wiederholten. Ein halbes Jahr später war klar: Die 24-Jährige hatte mit ihrem Zufallsfund eine neue Klasse von Sternen entdeckt, deren Existenz Theoretiker bereits in den 1930er Jahren vorhergesagt hatten, die Neutronensterne.

Im Jahr 1965 hatte Jocelyn Bell am „Mullard Radio Astronomy Observatory“ an der University of Cambridge mit ihrer Doktorarbeit begonnen. Ihr Thema war brandaktuell: Sie wollte nach Quasaren suchen und deren Positionen genau bestimmen. Die Natur dieser in den 1950er Jahren entdeckten punktförmigen Radioquellen war damals noch weitgehend unbekannt. Und Radioteleskope, die eine exakte Positionsbestimmung dieser Himmelsobjekte ermöglicht hätten, gab es noch nicht.

Erst 1963 war es dem niederländischen Astronom Maarten Schmidt gelungen, das optische Spektrum der Radioquelle 3C 273 aufzulösen. Er erkannte, dass es sich um ein sehr weit entferntes Himmelsobjekt handeln musste, das folglich sehr viel Energie abstrahlt und nur quasi sternartig erscheint. Wie wir heute wissen, sind Quasare die Kerne aktiver Galaxien, die praktisch durch das gesamte Universum sichtbar sind.

Für ihre Suche nach den Quasaren baute Jocelyn Bell mit Antony Hewish, ihrem Doktorvater, und vier Studenten eigens eine neue Radioantenne. Mit ihr sollte es möglich sein, schnelle zeitliche Wechsel der aus dem All eintreffenden Radiowellen zu erfassen. Die Idee dafür hatte Hewish schon als Postdoc entwickelt.

Mehrere Monate lang baute Jocelyn Bell zusammen mit ihrem Doktorvater Antony Hewish und einigen Kollegen an dieser Riesenantenne, um Quasare aufzuspüren.
Das Interplanetary Scintillation Array baute Jocelyn Bell mit ihrem Doktorvater Antony Hewish und einigen Kollegen eigentlich für ihre Suche nach Quasaren.
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Das berühmte erste Signal eines Pulsars, das die junge Astronomin Jocelyn Bell am 6. August 1967 aufzeichnete.
Am 6. August 1967 ging Jocelyn Bell das erste Signal eines Pulsars ins Netz

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Die junge Astronomin Jocelyn Bell im Juni 1967.
Jocelyn Bell im Juni 1967
Das erste, zeitlich hochaufgelöste Signal eines Pulsars, aufgenommen von Jocelyn Bell am 28. November 1967. Mit dieser Aufzeichnung überzeugte sie ihren Chef!
Erstes, zeitlich hochaufgelöstes Signal eines Pulsars, aufgenommen von Jocelyn Bell am 28. November 1967 mit dem Interplanetary Scintillation Array am Mullard Radio Astronomy Observatory.
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Stefan Oldenburg

Stefan Oldenburg

Stefan Oldenburg ist Wissenschaftsjournalist, Fotograf und Amateurastronom.


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