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„Wissenschaftler würden Jahrzehnte dafür brauchen, diese Daten zu sammeln“

Interview mit Geoffrey LeBaron, dem führenden Pionier des amerikanischen Vogelmonitorings

von
23.05.2018
6 Minuten
Geoff LeBraon, Director Christmas Bird Count, Audubon Convention, Park City, Utah.

Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

Geoffrey S. LeBaron ist ein Veteran im amerikanischen Naturschutz. Seit mehr als 30 Jahren koordiniert er den Christmas Bird Count (CBC) der US-Naturschutzvereinigung Audubon Society. Den CBC gibt es seit mehr als 115 Jahren, er ist damit das weltweit am längsten laufende Vogelerfassungsprogramm und Pionier des Citizen-Science-Gedankens in der Ornithologie. Gezählt wird mittlerweile nicht nur in den USA, sondern auch in Kanada, Lateinamerika, der Karibik und auf einigen Pazifikinseln. Seit den 1950er Jahren gelten vereinheitliche Standards. Beim letzten Count wurden mehr als 57 Millionen Vögel gezählt. Mit Geoffrey S. LeBaron sprach Thomas Krumenacker.

Der Christmas Bird Count ist das größte und über den längsten Zeitraum hinweg betriebene Citizen-Science-Projekt in den USA. Wie kam es dazu?

Begonnen hat alles als Alternative zu einem alljährlich in der Weihnachtszeit veranstalteten Jagdwettbewerb. Ursprünglich war das Hauptziel, die Vögel zu zählen anstatt sie zu schießen. Aber schon seit der ersten Saison im Jahr 1900 gehört auch der Erkenntnisgedanke dazu. Schon 1900 bat Audubon die Zähler um eine vollständige Artenliste und um Angaben zur Anzahl der Individuen der einzelnen Art. Zudem sollen die Teilnehmer relevante Informationen mitteilen, die für die Auswertung wichtig sind, etwa die Zahl der Beobachtungsstunden und die Größe des Beobachtungsgebiets.

Auf Basis der CBC-Daten sind zahlreiche wichtige Forschungsarbeiten entstanden, beispielsweise zu den Effekten des Klimawandels auf einzelne Arten. In anderen Fällen halfen Ihre Daten, die Abschussquoten für bestimmte Arten zu senken. Das erfordert eine hohe Qualität der Daten. Wie schaffen Sie den Spagat, einerseits viele Menschen zum Vogel-Beobachten motivieren zu wollen und auf der anderen Seite die Beobachtungsergebnisse wissenschaftlich verwertbar zu halten? Und welche Voraussetzungen gibt es, am CBC teilzunehmen?

Die Mindestanforderungen für die Teilnahme sind in erster Linie die Begeisterung für Vögel und der Wunsch, tiefer in die Welt der Vögel eintauchen zu wollen. Anfänger und junge Vogelbeobachter sind willkommen. Aber sie werden immer mit Teilnehmern in einer Gruppe gepaart, die mit Vögeln und den jeweiligen Gebieten vertraut sind. Die Weihnachtszählung ist eine großartige Möglichkeit, Menschen an die Ornithologie heranzuführen – obwohl sie eigentlich keine ideale Aktivität für Gruppen von Anfängern oder Kindern ist. Viele Vogelbeobachter haben als Teilnehmer an den CBCs begonnen und dann ihre Aktivitäten in anderen Vogelbeobachtungsprojekten fortgesetzt.

Wichtig ist aber, dass die jeweiligen Feldgruppenleiter und die regionalen Koordinatoren der Zählungen, wir nennen sie Compiler, sich der Regeln, die es zu beachten gilt, sehr bewusst sind. Natürlich hat sich die Methodik im Laufe der Jahrzehnte verfeinert, vor allem mit der in den 1950er Jahren eingeführten festen Etablierung von 15-Meilen-Kreisen als feste, nicht veränderbare Beobachtungsgebiete. Aber die Grundregeln sind im wesentlichen seit über einem Jahrhundert gleich geblieben.

Eine Gruppe Vogelbeobachter im Morgengrauen, nur als Silhouetten erkennbar.
„Einzige Voraussetzung zum Mitmachen ist die Begeisterung für Vögel“ – Birdwatcher bei der „Arbeit“

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Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker ist Journalist und Naturfotograf in Berlin. Neben den RiffReportern schreibt er für überregionale Zeitungen und Fachjournale über Wissenschaftsthemen.


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