„Wir sollten 30 Prozent unserer Meere unter Schutz stellen.“

Der Meeresbiologe und Moderator Uli Kunz erklärt, warum es sich lohnt, in Nord- und Ostsee abzutauchen – und was es unter der Wasseroberfläche zu entdecken gibt.

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Ein Taucher mit einem Klemmbrett betrachtet Algen.

Die Küsten von Nord- und Ostsee sind eine Drehscheibe des Vogelzugs und Speisekammer für unzählige Vogelarten. Schon oft haben wir uns hier mit der Bedeutung des Wattenmeeres beschäftigt – und dabei vor allem auf die Vogelwelt geblickt. Die Basis für diesen enormen Artenreichtum liegt im Meer. Und deshalb tauchen wir heute ab und schauen, was es unter der Wasseroberfläche zu entdecken gibt. Anlass ist die zweiteilige Dokumentation von Thomas Lischak in der ZDF-Reihe „Terra X“. Der Meeresbiologe und Forschungstaucher Uli Kunz führt durch das Programm und zeigt uns ganz neue Facetten der bekannten Urlaubsmeere. Im Interview reden wir über Seegraswiesen und das größte Raubtier Deutschlands – und über die Frage, wie ein besserer Meeresschutz gelingen kann.

Claudia Ruby: Viele glauben, dass es in Nord- und Ostsee unter der Wasseroberfläche ziemlich langweilig und trübe aussieht. Ihr zeigt in den beiden TV-Dokus, dass das nicht stimmt. Was verpasst man, wenn man die Meere nur aus der Vogelperspektive betrachtet?

Uli Kunz: Alles! Von oben betrachtet kann man ja nur die Oberfläche sehen. Alles, was darunter liegt, bleibt verborgen – gerade bei den in unseren Meeren häufig geringen Sichtweiten.

Nimm uns mit in die Tiefe. Weißt Du noch, was Dich besonders fasziniert hat, als Du angefangen hast, in Nord- und Ostsee zu tauchen?

Unsere heimischen Meere bieten jede Menge Überraschungen. Eine Seegraswiese in der Ostsee mit einem Makro-Objektiv zu filmen, ist eine Offenbarung. Da flitzen so viele Winzlinge in den verrücktesten Farben durch den Sand: Nacktschnecken, Krabben, Garnelen, Babyfische. Und in der Nordsee wird’s noch wilder. Vor der Insel Helgoland wächst, in Deutschlands Gewässern einzigartig, ein großer Kelpwald mit Algen, die zwei Meter hoch werden.

Ein Algenwald unter Wasser.
Mehr als 300 verschiedene Algenarten wachsen vor der Küste von Helgoland.
Eine Kegelrobbe unter Wasser.
Kegelrobben sind das größte Raubtier Deutschlands. Sie können bis zu 300 Kilo schwer werden.
Eine Seegraswiese in der Ostsee.
Seegraswiesen produzieren Sauerstoff – und dienen als Kinderstube für viele Fische.
Teile eines Schiffswracks, das über und über mit Seenelken bewachsen ist.
Schiffswracks am Grund der Ostsee sind Oasen des Lebens.
Ein Basstölpel hat ein Stück von einem Fischernetz im Schnabel.
Basstölpel sind auf intakte Meere angewiesen. Doch immer häufiger bauen sie Teile von Fischernetzen und anderen Plastikmüll in ihre Netze ein.

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